Skicross

Fanny Smith angeschlagen auf Goldjagd

16. Februar 2022, 21:18 Uhr
Die Skicrosserin Fanny Smith geht im Genting Snow Park von Zhangjiakou nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte auf Medaillenjagd. Sie selbst bremst die Erwartungen, Coach Ralph Pfäffli ist aber ungebremst optimistisch.
Fanny Smith und der Kampf gegen die Zeit. Sie ist nach ihrem Sturz im Weltcup noch immer angeschlagen
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Wie konkurrenzfähig ist Fanny Smith nach den Folgen ihres Sturzes vor einem Monat im kanadischen Nakiska? Die Frage interessiert nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Schweden. Von dort kommt Sandra Näslund, die Topfavoritin und Seriensiegerin, deren erste Herausforderin in dieser Saison ohne Zweifel Smith ist.

Auf der Suche nach der Antwort gehen die Einschätzungen ziemlich weit auseinander. Smith selbst setzt die Erwartungen nach der erlittenen Knochenprellung im Knie zumindest nach aussen tief an, während der Schweizer Nationaltrainer Ralph Pfäffli ungebremst Zuversicht versprüht.

Eine mentale Herausforderung

Das Knie bereite ihr starke Schmerzen, vermeldet Smith in diesen Tagen aus Zhangjiakou. Es sei eine mentale Herausforderung, diese zu ertragen. Zwar arbeite sie seit dem Crash «von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends», um die Beweglichkeit im Knie wiederherzustellen und seien die Ärzte überrascht, wie schnell sie Fortschritte erziele. «Aber fünf Läufe an einem Tag? Das wird ein grosser Kampf.»

Die Aussage verrät, dass Smith nach wie vor gross denkt. Fünf Läufe muss bestehen, wer am Ende mit einer Olympia-Medaille aus China abreisen will. Öffentlich sagt die Westschweizerin zwar, es sei für sie schon ein Sieg, dass sie an den Olympischen Spielen antreten könne und der Final-Einzug eine Überraschung wäre. Pfäffli relativiert aber: «Für einen 14. oder einen 7. Platz wäre eine Fanny Smith nicht hierher gekommen.»

Der Druck liegt bei Näslund

Die Vorgeschichte hilft Smith insofern, dass sie Druck von ihr nimmt. «Niemand kann ihr jetzt sagen, sie müsse gewinnen», meint Pfäffli. Der grösste Druck liegt indes ohnehin auf Sandra Näslund. Selten war die Hierarchie an der Spitze des Frauen-Skicross so klar wie in diesem Winter.

Näslund und Smith duellierten sich in diesem Winter stets um die ersten beiden Plätze, wobei es für die heissblütige Schweizerin an der abgebrühten Skandinavierin kaum einmal ein Durchkommen gab.

Smith sei aber nahe an Näslund dran, sagt Pfäffli. «Die Verletzung hat sie zurückgeworfen. Aber ihr Ziel ist Gold, und dieses Ziel ist immer noch realistisch. Gemessen an den Trainingsleistungen und an ihrer Körpersprache ist Smith parat für eine Medaille.» Wenn Näslund im Olympia-Rennen den Druck spüre, könnten sich Fehler einschleichen, mutmasst der langjährige Nationalcoach.

Nur in Arosa war Smith vorne

Die rund 500 Kilometer nördlich von Stockholm aufgewachsene Näslund, 2021 Weltmeisterin und in diesem Frühling wohl zum dritten Mal Gewinnerin des Skicross-Weltcups, siegte in dieser Saison in zehn der elf Weltcuprennen. Geschlagen wurde sie einzig in Arosa, wo sie im Final im Zweikampf mit Smith zu Fall kam.

Oft profitiert Näslund von ihrer Stärke am Start; einmal in Führung liegend, gibt die 25-Jährige diese fast nicht mehr her. Jedoch sagt Pfäffli: «Auf der Olympia-Strecke kommt es nicht auf den stärksten, sondern auf den klügsten Start an. Das kann Näslund in die Bredouille bringen.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 16. Februar 2022 21:19
aktualisiert: 16. Februar 2022 21:19
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