Viele Stürze am Lauberhorn

«Programm war überladen»: Wengen-OK-Chef zieht trotz Odermatt-Erfolgen durchzogene Bilanz

· Online seit 14.01.2024, 17:57 Uhr
Seit Donnerstag stand in der Ski-Welt Wengen und das Lauberhorn im Zentrum. Innert kürzester Zeit absolvierten die Athleten vier Rennen, drei davon in der Speed-Disziplin. Ein zu volles Programm bilanziert OK-Chef Urs Näpflin.
Anzeige

BärnToday: Immer perfektes Wetter, zwei Siege und ein zweiter Rang von Marco Odermatt – aber auch viele Ausfälle und Stürze. Wie sieht Ihre Bilanz aus nach diesen vier Tagen Lauberhorn?

Urs Näpflin: Es war ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits war es fantastisches Wetter und es gab eine unglaubliche Performance von Marco Odermatt. Er fährt im Moment in einer anderen Liga. Es ist sehr eindrücklich, was er uns gezeigt hat. Aber wie gesagt: Die vielen Stürze, die werfen einen Schatten auf die 94. Lauberhornrennen. Das sind Bilder, die wir hier ganz klar nicht sehen wollen. Die Fahrer haben die Rennen verlangt, die man im Dezember und anfangs Januar verloren hat. Daher haben wir Hand geboten, weil es auf Anfrage der Fis war, auch die Trainer waren einverstanden. Im Nachhinein ist man immer schlauer, da muss man ganz sicher über die Bücher. Das Programm war klar überladen. Viele Fahrer waren am Samstag nach der Abfahrt komplett ausgepumpt. Die Gesundheit der Fahrer steht zuoberst bei uns. Dort dürfen wir keine Kompromisse mehr machen.

Drei Speed-Rennen innert drei Tagen. Dieses Mammutprogramm hat Fis-Renndirektor  Markus Waldner am Sonntag selbstkritisch angesprochen. Was denken Sie, gab es in diesem Jahr zum letzten Mal drei Speed-Rennen am Stück?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nochmals so ein Programm machen werden. Der Kommerz und das Marketing müssen ganz klar zurückstehen. Oberste Priorität hat die Gesundheit der Fahrer. Das Programm, wie wir es jetzt gehabt hatten, geht für mich klar nicht. Man muss dazu sagen, dass viele Mannschaften in den Trainings sogar noch Qualifikationen gefahren sind. Dort gehen die Fahrer, die diese Qualifikation bestreiten müssen, auch nochmals ans Limit. Wir haben die längste Strecke, eine der schwierigsten auf der Welt. Es war ein klarer Fingerzeig, dass wir über dem Limit waren. Zum Glück ist nichts ganz Schlimmes passiert, aber wir haben dieses Jahr zwei Topathleten verloren. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben.

Am Sonntag haben 14'000 Leute den Slalom vor Ort mitverfolgt – wie zufrieden sind Sie mit den Zuschauerzahlen über die alle vier Tage gesehen?

Es war eine unglaubliche Zuschauer-Kulisse – dank Marco natürlich. Aber es war auch das Wetter, das geholfen hat. Man hatte unten im Tal Nebel. Zuschauer zu Hause haben am Freitag gesehen, dass es hier oben strahlend schön ist in der Winterlandschaft. Das hat sicher auch geholfen, dass nochmal zusätzlich Leute an diese Lauberhornrennen gekommen sind. Von dem her bin ich rundum zufrieden – mit dem kleinen Beigeschmack der vielen Stürze.

Scan den QR-Code

Du willst keine News mehr verpassen? Hol dir die Today-App.

Marco Odermatt hat in Wengen für Begeisterung gesorgt. Aber auch sonst, wie zufrieden sind Sie mit den sportlichen Leistungen?

Die Leistungen sind natürlich von Marco geprägt. Aber auch am Sonntag im Slalom, wie man gesehen hat, wie diese Athleten diese eisige Piste herunterfahren, das ist wirklich sehr beeindruckend. Auch die Leistung auf der Abfahrt und im Super-G war beachtlich. Die Präzision und den Speed, den sie auf diesen Pisten entwickeln können, ist bemerkenswert. Ich bin sehr zufrieden. Die Schweizer Resultate haben gestimmt, dank Marco Odermatt. Wenn man hinten dran schaut, bei den Herren im Speed, gibt es doch eine kleine Lücke. Ich denke, dass man das genau analysieren muss.

Im Weltcup-Dorf wurde nach diesen Siegen gebührend gefeiert. Gab es dabei Zwischenfälle?

Nein, es lief alles sehr ruhig ab. Wir hatten keine Zwischenfälle, es war ein sehr friedliches Ski-Fest. Von dem her ziehe ich eine sehr positive Bilanz.

Die Lauberhornrennen sind durch, wie erleichtert sind Sie jetzt als OK-Chef?

Der grösste Druck ist jetzt weg, das ist klar. Es gilt jetzt aber konzentriert zu bleiben. Wir haben den ganzen Rückbau, der noch gemacht werden muss. Die Armee und der Zivilschutz sind nach wie vor im Einsatz. Wir müssen nach diesen strengen Tagen jetzt schauen, dass wir die Kräfte nochmals mobilisieren können, dass wir konzentriert bleiben und nicht dort noch einen blöden Unfall haben.

(fho/sst)

veröffentlicht: 14. Januar 2024 17:57
aktualisiert: 14. Januar 2024 17:57
Quelle: BärnToday

Anzeige
Anzeige