So trumpfst du am Turnfest richtig auf

Fabienne Engbers, 11. Mai 2019, 12:03 Uhr
Noch rund ein Monat und das Highlight aller Tunerinnen und Turner der letzten Jahre steht an: das Eidgenössische Turnfest in der Turnerstadt Aarau. Für alle Nicht- und Light-Turner gibt es hier einige Benimmregeln, mit denen man das ETF souverän meistert.

Okay, als erstes einmal ein paar Fakten zum Eidgenössischen Turnfest. Es findet nur alle sechs Jahre statt, das letzte war 2013 in Biel. Am ersten Wochenende (vom 14. bis zum 16. Juni) finden die Einzelwettkämpfe statt. Jeder Turner und jede Turnerin startet für sich, als Team oder in Kleingruppen in einzelnen Disziplinen oder im Turnwettkampf. Dann, vom 20. bis 23. Juni, finden die Vereinswettkämpfe statt – das eigentliche ETF. Sodeli, jetzt bist du bereit für den Turner-Verhaltenskodex.

Zum Feiern steigen wir auf die Bänke

Wer an einem Turnfest ist, gehört zumindest für ein paar kurze Stunden in ein Festzelt. Ja, bei all den Zelten kann man mal den Überblick verlieren, welches die Festzelte sind, hört man aber schon von weiten: Leute schreien, grölen und singen aus vollem Halse mit. Es spielt das Trio «Wolkenbruch» und vor der Bühne gibt es eine grosse Tanzfläche, die zum Bersten voll ist. Der Rest des Zeltes ist in der Regel bis zum letzten Platz besetzt und mit Festgarnituren bestückt. Wer sein Tanzbein lieber bei sich behält, der stellt sich auf eine Festbank oder gar einen Tisch, nimmt den Nachbarn am Arm und schunkelt mit dem Rest der Meute mit. Aber Vorsicht: Wer eine Festbank kaputt macht (was schon mal vorkommt), der muss tief in die Vereinskasse greifen. Also besser Sorge tragen, damit man am nächsten Morgen auf der gleichen Bank ein Gipfeli essen kann.

Duschen gibt's nur gemischte

Nach einem anstrengenden Turntag, während dem man mehr als ein Mal ins Schwitzen kommt, sich für die Stufenbarren- oder Team-Aerobic-Vorführung etwa drei Tonnen Haarspray ins Haar gespritzt und möglicherweise auch schon ein halbes Bier über den Rücken gekippt bekommen hat, ist es irgendwann Zeit für eine Dusche. Am besten geht man nicht zu früh, aber auch nicht zu spät, will heissen: kurz vor dem Znacht. Aber Vorsicht: Am ETF kann man sich seine Dusche nicht aussuchen. Heisswasser? Kannst du vergessen! Geschlechtergetrennte Duschen? Gibt es nur auf dem Papier. Im besten Fall findet man eine noch saubere Dusche im Duschzelt, in der es keine Männer hat, die man kennt. Dann heisst es: Husch einseifen, husch abduschen, husch anziehen. Zack, fertig. So braucht man fürs Duschen übrigens auch nur halb so lange wie zu Hause.

Alternativ kann man das Duschen auch auslassen. Dafür kassiert man vom Rest des Vereins im besten Fall einen dummen Spruch und ein paar Buhrufe, im schlimmsten Fall eine Bierdusche oder ein Bad im nächsten Brunnen.

Flirten leicht gemacht: «In welcher Stärkeklasse turnst du?»

Du siehst eine hübsche Turnerin, aber du weisst nicht, wie du sie ansprechen sollst? Kein Problem, hier gibt es einige Standardformulierungen, mit denen du bei jedem Turner landest:

  • In welcher Stärkeklasse turnt ihr? (Es gibt verschiedene Stärkeklassen, abhängig von der Vereinsgrösse. 1 ist die höchste Stärkeklasse, 4 die niedrigste, in allen Stärkeklassen kann man die Höchstnote holen, aber nur in der ersten Stärkeklasse gibt es einen «wahren» Turnfestsieger)
  • Welche Disziplinen turnst du?
  • Ist das dein erstes ETF?
  • Seid ihr dieses Jahr noch an einem anderen Turnfest?

Getrunken wird erst nach dem Turnen

Wenn der Wettkampf abgeschlossen ist, darf man sich auch das eine oder andere Bier gönnen, so wie dieser Herr vom STV Bettwiesen. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)
Wenn der Wettkampf abgeschlossen ist, darf man sich auch das eine oder andere Bier gönnen, so wie dieser Herr vom STV Bettwiesen. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Wer glaubt, am ETF werde von frühmorgens bis spätabends nur gefeiert und getrunken, der irrt. Gerade am Eidgenössischen wollen wir Turner unsere Bestleistung abrufen. Am Wettkampftag ist man konzentriert, der Abend davor verläuft gesittet und man geht früh ins Bett. Allerdings starten die ersten Vereine bereits am Donnerstag, die letzten am Samstag. Gut möglich also, dass ein Turner, der am Freitag Wettkampf hat, am Samstagmorgen noch immer mit dem Bier in der Hand auf dem Tisch steht, während die ersten Vereine ihre Runden drehen, um für den ersten Wettkampfteil einzuturnen. Ist man mit seinem Wettkampf aber fertig, darf man auf die gezeigte Leistung aber auch anstossen und stolz sein auf sich und seine Teamkollegen.

Beim Znacht genug essen

Man ahnt es schon: Turnfeste sind da, um zu turnen und zu festen. Da oft beides zu gleichen Teilen gelebt wird, bereitet man sich am ETF am besten gut auf den zweiten Teil, das Festen, vor. Wer also den Znacht-Bon, den man am letzten Turnstand mit der Festkarte gekriegt hat, «verhüehneret» hat, der organisiert sich beim Oberturner besser schnell einen neuen. Denn vor dem Fest sollte man sich besser zünftig stärken. Egal ob Risotto, Ghackets und Hörnli oder Spaghetti Bolognese, am besten isst man so viel davon, wie es an der Fassstrasse gibt. Dann ist man fürs Fest bestens «grüschtet». Hier noch ein Vegi-Tipp: Damit man am Turnfest nicht drei Tage am Stück Pommes essen muss, nimmt man am besten Sandwiches für den ersten Tag selbst mit und fragt an der Fassstrasse, ob es ein Vegi-Menu gibt – gibt es nämlich meistens.

Sonnencrème nicht vergessen!

Regel Nummer 1: Am Turnfest ist es oft heiss und sonnig. Weil wir Turner am ETF meist bereits früh Morgens aufstehen und draussen sind, bis die Sonne untergeht, muss man sich vor der Sonne schützen, damit man am Abend nicht vor lauter Kopfschmerzen früh ins Bett muss oder aussieht, als wäre man in einen roten Farbtopf gefallen. Deshalb sollte man tagsüber immer mit einer Tube Sonnencrème rumlaufen.

Den Schlafsack noch nicht ausbreiten

Und ihn am besten gut verstaut in der Turntasche lassen, bis man tatsächlich ins Bett geht. Denn wenn man seinen Schlafsack bereits nach dem Wettkampf picobello fertig macht, das Pischi schon ins Kopfteil steckt und sich sein Bett richtet, ist bei der Rückkehr ganz sicher schon jemand anders drin. Oder der Schlafsack liegt am anderen Ende des Zeltes. Oder jemand hat sich darauf übergeben. Alles schon passiert. Deshalb lässt man den Schlafsack besser in seiner Hülle und in der Tasche und kuschelt sich dann am frühen Morgen irgendwo dazwischen. Oder teilt sich einfach zu zweit einen Schlafsack – ist immerhin platzsparend und sicher warm genug...

Niemals einen Schnupf ablehnen

Am Turnfest wird nicht nur geturnt und getrunken, sondern auch ordentlich geschnupft. Und zwar bei allen Vereinen, aus allen Teilen der Schweiz und zu jeder Zeit. Wer zu einem Schnupf eingeladen wird, der lehnt ihn nicht ab – das sagt der Turner-Ehren-Kodex (oder so...). Ein Schnupf-Sprüchli braucht man nicht, das hat immer ein anderer parat. Achtung: Wenn man vor dem Schnupfen «Kultur» sagt, dann macht man zwischen dem einen Nasenloch und dem anderen eine Pause. Wer das vergisst, zahlt eine Runde.

Niemals einen Schnaps ablehnen

Es gilt dasselbe wie beim Schnupf: Ob Appenzeller, Jägermeister, Fröschli oder Gaudi-Max: Ein offerierter Schnaps wird dankend angenommen und getrunken. Ohne Wenn und Aber.

Pluspunkt: Am besten lernst du noch das Turnerlied

Zum Schluss noch ein Extratipp: Willst du am ETF nicht als Nicht-Turner auffallen? Dann hast du jetzt noch gut einen Monat Zeit, um das Turnerlied zu lernen. Je früher der Tag, desto höher ist die Chance, dass jede/r den Text noch auf die Reihe kriegt und die Tonlage noch einigermassen stimmt. Auf dem Heimweg vom Fest- zum Zeltplatz darf dann auch mal eine Strophe vergessen werden oder ein Ton schief tönen...

Ready? Go!

Ein letzter Tipp: Mit rund 60'000 Turnerinnen und Turnern ist das ETF ein Riesenspektakel. Rechne also immer und überall genug Zeit ein, egal ob für aufs WC, um ein Rivella zu holen oder auf einen anderen Wettkampfplatz zu gelangen. So, jetzt bist du ready fürs Eidgenössische Turnfest, wir sehen uns in Aarau!

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 11. Mai 2019 11:21
aktualisiert: 11. Mai 2019 12:03