«Wir habens gehört!»

Sportkommentator Sascha Ruefer erntet böse Kommentare

21. November 2022, 19:08 Uhr
Die Meinungen zur Fussball-Weltmeisterschaft im Wüstenstaat Katar sind gespalten. Dass ausgerechnet der, der das alles im TV kommentiert, dem Anlass nicht wohlgesonnen ist, bringt dem Moderator einiges an schlechter Publicity.
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Scrollt man durch die Kommentare unter dem Beitrag zum Opening-Event zur Fussball-WM in Katar von SRF-Sport, scheinen die User keine Ruefer-Fans zu sein. «Dieser Kommentator ist ein Skandal!! Wie kann man nur so negativ sein», schreibt eine Userin.

Sender wechseln kommt nicht in Frage

Weiter schreibt sie, dass man sicher nicht den Sender wechseln werde, da man viel Geld dafür zahle. Es sei Zeit, den Kommentator zu wechseln, schreiben zahlreiche Instagram-User nach dem ersten Spiel im Wüstenstaat.

Ruefer äusserte mehrfach Kritik am Gastgeberland Katar. Auch als die katarischen Fans noch vor Spielende das Stadion verliessen, kommentierte Ruefer, dass sie keine Fussball- oder Fankultur hätten.

Jemand findet auch, dass es schade sei, dass man Ruefer nicht boykottieren könne. Das mache es einem aber zumindest einfacher, die Spiele nicht zu schauen. «Warum schimpft Ruefer so über die WM? Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, aber wir habens gehört!», regt sich einer der Kommentierenden auf.

Via Facebook hat sich auch bereits das «SRF» zu den vielen Kommentaren geäussert. «Vielen Dank für euer Feedback zum Live-Kommentar, welches wir intern gerne weiterleiten. Es gehört zum Job des Live-Kommentators, die Gegebenheiten im Stadion im Gesamtzusammenhang dieser WM unmittelbar einzuordnen. SRF schickt seine Live-Kommentatoren vor Ort, damit sie sich ein eigenes, unabhängiges Bild machen und diese Eindrücke dem Publikum in der Schweiz vermitteln können. Wir hoffen, dass wir euch weiterhin zu unserem WM-Publikum zählen können. Sportliche Grüsse», schreibt der Sender.

«Will nicht immer ‹es Glätsch› hören» 

Diejenigen, die Ruefer supporten und ihrem Unmut über den Austragungsort Katar Luft machen, kriegen von der Insta-Community auch gleich wieder Konter. «Ich habe mich entschieden, diese WM zu schauen und ich will nicht immer ‹es Glätsch› ghöre», so einer der Fussball-Fans, was so viel heisst wie «Hört auf rumzuheulen».

Auf Anfrage von BärnToday äussert sich SRF ausführlicher zur Kritik. «Es gehört zu unserer journalistischen Pflicht, mit kritischer Distanz über die Fussball-WM zu berichten», sagt Susan Schwaller, Chefredaktorin von SRF Sport.

TV-Publikum sah etwas anderes

Während die Livebilder aus den WM-Stadien von der internationalen Regie bereitgestellt und kontrolliert würden, agierten ihre Kommentatoren als Augenzeugen vor Ort, sagt Susan Schwaller. «Sie beschreiben das Geschehen auf und neben dem Rasen – und sie ordnen das Gesehene im Gesamtzusammenhang dieser WM ein. Das ist grundlegend für eine unabhängige Berichterstattung.»

Als Beispiel nennt Schwaller, dass beim Eröffnungsspiel am Sonntag für das TV-Publikum in der Schweiz nicht erkennbar gewesen sei, dass sich das Stadion im Verlauf der zweiten Halbzeit zunehmend geleert habe. «Indem unser Kommentator diesen für ein WM-Eröffnungsspiel besonderen Umstand schilderte und für das Publikum an den TV-Bildschirmen einordnete, nahm er seine journalistische Aufgabe wahr. Gleiches gilt für die kritische Einordnung der WM-Vergabe nach Katar.»

(roa/dak)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 21. November 2022 16:26
aktualisiert: 21. November 2022 19:08