French Open

Thiem gegen Schwartzman «über dem Limit»

6. Oktober 2020, 22:31 Uhr
Am Ende ging die Puste aus: US-Open-Champion Dominic Thiem scheiterte am French Open erstmals seit 2015 vor dem Halbfinal.
© KEYSTONE/EPA/IAN LANGSDON
Dominic Thiem verpasst erstmals seit fünf Jahren die Halbfinals des French Open. Der Österreicher verliert einen über fünfstündigen Marathon gegen Diego Schwartzman.

Lange hats gedauert, aber im Viertelfinal des French Open fand der US-Open-Champion Dominic Thiem wieder einmal seinen Meister. Etwas überraschend hiess dieser nicht Rafael Nadal, sondern Diego Schwartzman. Die Nummer 14 der Welt. Der nur 1,70 m grosse Argentinier spielte bei garstigen Bedingungen mit zunehmend tieferen Temperaturen und viel Wind gross auf und profitierte am Ende nicht zuletzt von den grösseren physischen Reserven. Nach 5:08 Stunden nervenaufreibendem Tennis setzte sich Schwartzman 7:6 (7:1), 5:7, 6:7 (6:8), 7:6 (7:5), 6:2 durch und erreichte im vierten Anlauf erstmals die Halbfinals eines Grand-Slam-Turniers.

Thiem bezahlte am Ende den Preis für seinen etwas holprigen Weg in die Viertelfinals. Er hatte bereits vor der Partie gegen Schwartzman über zehn Stunden auf dem Platz verbracht und unter anderem gegen den Wawrinka-Bezwinger Hugo Gaston fünf Sätze benötigt. Der 27-jährige Niederösterreicher wehrte sich, bis ihm im Abnützungskampf mit nicht weniger als 19 Breaks gegen seinen guten Kumpel die Kräfte ausgingen.

Thiem über dem Limit

«Am Ende war ich über dem Limit», gab Thiem zu. «Ich habe alles versucht, aber ich hätte es wohl in vier Sätzen zu Ende bringen müssen.» Im vierten Durchgang wehrte Thiem bei 5:3 zunächst drei Satzbälle ab, konnte dann aber im Tiebreak den Sack nicht zumachen. Er verpasste erstmals seit 2015 wieder einmal die Halbfinals von Roland Garros. Er wäre der erst dritte Spieler nach den Superstars Novak Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal gewesen, der auf dem Pariser Sand fünfmal in Serie die Halbfinals erreicht.

Dennoch hielt die Weltnummer 3 fest: «Ich kann nicht unglücklich sein mit diesem French Open.» Vor allem nach dem erlösenden ersten Grand-Slam-Triumph in New York. «Es war doch eine sehr kurze Zeit mit einer langen Rückreise, Jetlag und allem drum herum. Und dann diese brutalen Bedingungen hier, es war für mich bestimmt kein schlechtes Turnier.»

Diego Schwartzman, der seine gute Form mit der Finalqualifikation beim Masters-1000-Turnier in Rom unter Beweis gestellt hatte und erstmals in die Top Ten vorstossen wird, dürfte froh sein, dass er nun zwei Tage Erholungszeit erhält bis zum Halbfinal. Dort könnte es zur Revanche gegen Rafael Nadal kommen, den er vor knapp drei Wochen erstmals in seiner Karriere bezwang. Der unsinnige Spielplan mit nicht weniger als fünf Spielen auf dem Court Philippe-Chatrier sorgte dafür, dass Nadal seinen Viertelfinal gegen den aufstrebenden Teenager Jannik Sinner aus dem Südtirol erst nach 22 Uhr in Angriff nehmen konnte.

Grund zum Jubeln hatte Argentinien auch bei den Frauen. Die 23-jährige Nadia Podoroska, Nummer 131 der Welt, sorgte für die Fortsetzung des Favoritensterbens und warf mit der Weltranglisten-Fünften Jelina Switolina die letzte gesetzte Spielerin der oberen Tableauhälfte aus dem Turnier. Sie steht als erste Qualifikantin im Halbfinal und trifft dort auf den polnischen Teenager Iga Swiatek (WTA 54), die Juniorensiegerin 2018 in Wimbledon (Final gegen Leonie Küng) und im letzten Jahr Finalistin beim WTA-Turnier in Lugano.

Quelle: sda
veröffentlicht: 6. Oktober 2020 22:30
aktualisiert: 6. Oktober 2020 22:31