Videobeweis: Fluch oder Segen?

Sandro Zulian, 18. August 2017, 07:10 Uhr
Seit Anfang August in der Amerikanischen Major League Soccer im Einsatz: Der Videobeweis (VAR).
Seit Anfang August in der Amerikanischen Major League Soccer im Einsatz: Der Videobeweis (VAR).
© AP Photo/Rick Bowmer, File
Heute startet die Bundesliga in die neue Saison. In dieser wird der Videobeweis eingeführt. Er soll bei Fehlentscheidungen des Schiedsrichters zu Rate gezogen werden. Doch der digitale Helfer lag auch schon falsch.

Es ist eine der grössten Neuerungen seit Jahrzehnten: «Ein Video-Assistent greift bei eindeutigen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters ein. Das Eingreifen ist dabei auf Tore, Elfmeter, Rote Karten und Spielerverwechslungen beschränkt», heisst es offiziell. Soweit so gut. Der Videobeweis könnte sich in vielerlei Hinsicht bewähren und den einen oder anderen kapitalen Schirifehler verhindern. In Online-Umfragen sprechen sich bis zu 90% der Leser für die Einführung in der Schweiz aus.

Australien schon seit Monaten mit dabei

Helfen kann der Mann vor dem Bildschirm im Kabäuschen bestimmt beim einen oder anderen Tor, bei einer roten Karte oder bei einer Spielerverwechslung. Der Videobeweis (auch VAR - Video Assistant Referee genannt) wurde bis jetzt in der amerikanischen Liga, der MLS (Major League Soccer), getestet. Hinzu kommen einzelne Bildschirme am Spielfeldrand, beispielsweise an FIFA-Club-Weltcup. In der australischen A-Liga wird der VAR seit April 2017 genutzt. Bis jetzt nur mit positiven Resultaten. Die deutsche Bundesliga, wie auch die italienische Serie A führen den Videobeweis dieses Jahr ein.

Hier eine Szene, in der der Schiedsrichter eine Notbremse dank des Videobeweises als solche entlarven konnte:

Der Videobeweis im Videobeweis

Doch so fair und sauber der VAR klingen mag: Es gibt teils harsche Kritik am digitalen Beweis auf dem Screen. In einem Youtube-Video wird ein kapitaler Fehlentscheid durch den VAR nicht nur begünstigt, sondern gar ausgelöst. Während einer Rudelbildung zwischen New York und Orlando streicht Kakà seinem Gegenspieler und Freund Collin neckisch übers Gesicht. Eine liebenswürdige Geste unter Kollegen. Nicht für den VAR und den Schiedsrichter. Am Schluss musste Kakà mit rot vom Platz.

Teilweise führt der Videobeweis auch zu richtig skurrilen Szenen wie dieses Beispiel aus Holland zeigt: Im Spiel zwischen Feyenoord Rotterdam und VS Vitesse Arnheim entscheidet der Schiedsrichter auf Elfmeter, obwohl es in der Zwischenzeit auf der anderen Seite des Felds ein Tor gegeben hat.

Nicht nur wegen solchen Szenen wird immer wieder Kritik laut am Videobeweis. Der Spielfluss und vor allem die Emotionen gingen verloren, monieren Gegner. Die Konsultation des VAR nach einem Tor ist eine Blutgrätsche am impulsiven Jubel der Fans. Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen würden ausserdem zum Fussball gehören. Nun gut, die obigen Beispiele zeigen, dass der Diskussionsstoff nicht ausgehen wird.

Ob und wann der Videobeweis in der Schweiz Einzug hält, ist noch nicht bekannt. Was meint ihr? Ist der Videobeweis nötig oder kompletter Schwachsinn?


Sandro Zulian
Quelle: saz
veröffentlicht: 18. August 2017 07:10
aktualisiert: 18. August 2017 07:10