Ski alpin

Abfahrts-Weltmeister – meist eine einmalige Sache

13. Februar 2021, 06:17 Uhr
Bernhard Russi in Gröden auf dem Weg zu seinem überraschenden ersten WM-Titel
© KEYSTONE/STR
Abfahrts-Weltmeister zu werden ist schwer. Von wenigen Ausnahmen abgesehen bleibt der Titelgewinn in der Königsdisziplin eine einmalige Sache.

Ein zweites Mal geht ab und zu noch, ein drittes Mal ist es bei den Männern bisher nicht gelungen. Sollte Beat Feuz am Sonntag wie vor vier Jahren in St. Moritz Abfahrts-Weltmeister werden, würde er einem sehr exklusiven Kreis angehören. Die Siegerlisten umfassen viele klingende Namen, doch in den bis heute 45 Rennen haben es nur sechs Fahrer geschafft, mehr als einmal den prestigeträchtigen Titel zu gewinnen.

In der Neuzeit ist dies einzig Aksel Svindal gelungen, nämlich 2007 und 2013. Um den vorletzten Doppel-Weltmeister zu finden, muss in der Statistik in die Siebzigerjahre zurückgeblättert werden. Bernhard Russi hatte seinen Überraschungscoup von 1970 in Gröden zwei Jahre danach an den Winterspielen in Sapporo wiederholt. Von 1948 bis 1980 waren die Olympiasieger auch zu Weltmeistern gekürt worden.

Bei den Frauen zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Slowenin Ilka Stuhec hat mit ihren Siegen an den letzten zwei Weltmeisterschaften das erreicht, was als zuvor Letzte Maria Walliser Ende der Achtzigerjahre geschafft hatte. Unter den sechs Mehrfach-Weltmeisterinnen gibt es lediglich ein Duo mit drei Titeln, die Österreicherin Annemarie Moser-Pröll 1974, 1978 und als Olympiasiegerin 1980, und die Deutsche Christl Cranz in den Dreissigerjahren.

Die sieglosen Weltmeister

Noch Erstaunlicheres als die geringe Anzahl an Fahrerinnen und Fahrern mit mehr als einem Abfahrts-Gold fördert der Blick auf die Leistungen der Weltmeisterinnen und Weltmeister dieses Jahrtausends in den jeweiligen Wintern im Weltcup zutage. Kjetil Jansrud 2019? Beat Feuz 2017? Patrick Küng 2015? Alle sind sie in der Saison des grossen Triumphs im Weltcup ohne Sieg geblieben. Svindals Landsmann Jansrud war mit einem 13. Rang als Bestergebnis nach Are in Schweden gereist, Küng war unmittelbar vor und nach seinem grössten Erfolg sogar ohne Podestplatz geblieben.

Ohne im Weltcup zu reüssieren holten auch die Kanadier Erik Guay 2011 und John Kucera 2009 sowie die Österreicher Michael Walchhofer 2003 und Hannes Trinkl 2001 zum grossen Schlag aus. Kucera brachte es sogar fertig, Abfahrts-Weltmeister zu werden, ohne jemals im Weltcup in dieser Disziplin auf dem Podest zu stehen. Svindal gewann in seinen Weltmeister-Saisons immerhin je einmal.

Als grosser Abräumer im Weltcup sicherte sich in dieser Zeit einzig Bode Miller den Titel. Der Amerikaner siegte vor der WM 2005 nicht nur in den Abfahrten auf der Nordamerika-Tournee in Lake Louise und in Beaver Creek. Er brachte auch das einmalige Kunststück fertig, in der ersten Phase jener Saison innert 16 Tagen in allen vier Disziplinen zu gewinnen.

Das sieglose halbe Dutzend

Auf Frauen-Seite war Ilka Stuhec die Ausnahme. 2017 holte sie ihren ersten Titel, nachdem sie in jenem Winter die ersten drei Weltcup-Abfahrten gewonnen hatte. Sie rundete ihre grossartige Saison mit einem weiteren Sieg beim Finale in Aspen, Colorado, ab. Neben der Slowenin dominierte keine Fahrerin in ihrer goldenen Saison, nicht einmal Lindsey Vonn. Die Amerikanerin gewann neben dem Titel 2009 im Weltcup für ihre Verhältnisse bescheidene zwei Mal.

Sechs der zehn Weltmeisterinnen seit der Jahrtausendwende blieben in ihrem Erfolgsjahr ohne Weltcup-Sieg, die Österreicherinnen Elisabeth Görgl 2011 und Michaela Dorfmeister 2001 ebenso wie die Schwedin Anja Pärson 2007 und die Kroatin Janica Kostelic 2005. Die Französin Marion Rolland, die Weltmeisterin 2013, gewann überhaupt nie ein Weltcup-Rennen. Die Kanadierin Mélanie Turgeon, die 2003 WM-Gold holte, feierte ihren einzigen Weltcup-Sieg in einem Super-G.

Der Blick zurück verrät also, dass es keine Dominanz im Weltcup braucht, um Weltmeister zu werden. Es geht vielmehr darum, für das saisonale Highlight auf den Punkt bereit zu sein. Das gelingt der Prominenz nicht immer, aber sehr oft. Auch Beat Feuz hat diese Fähigkeit. Er hat das mehrfach bewiesen. Am eindrücklichsten vor vier Jahren in St. Moritz.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. Februar 2021 04:05
aktualisiert: 13. Februar 2021 06:17