Anzeige
WM in Riga

Deutschland greift nach erster WM-Medaille seit 1953

5. Juni 2021, 07:06 Uhr
Toni Söderholm leistet hervorragende Arbeit als deutscher Nationaltrainer
© KEYSTONE/DPA/DANIEL KARMANN
Deutschland strebt am Wochenende in Riga nach der ersten WM-Medaille im Eishockey seit 1953. Der Gegner im Halbfinal ist Titelverteidiger Finnland.

Nach dem Gewinn der Silbermedaille vor 68 Jahren schafften die Deutschen noch einmal an einem WM-Turnier den Sprung in die Top 4. Das war 2010, als sie sich in Mannheim im Viertelfinal ebenfalls gegen die Schweiz (1:0) durchsetzten. Der ganz grosse Coup blieb ihnen damals aber verwehrt. Der Halbfinal gegen Russland ging nach einer 1:0-Führung mit 1:2 verloren; den entscheidenden Treffer erzielten die Osteuropäer in der 59. Minute. Im Spiel um Rang 3 setzte es gegen Schweden eine 1:3-Niederlage ab, wobei die Skandinavier den dritten Treffer 33 Sekunden vor dem Ende ins leere Gehäuse erzielten.

Es fehlte vor elf Jahren also wenig zur Medaille, diesmal soll es klappen, wollen die Deutschen die Gunst der Stunde nutzen - es sind aufgrund der speziellen Umstände wegen der Coronavirus-Pandemie kaum NHL-Stars nach Riga gereist. Schon an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang, als gar keine Spieler aus der besten Liga der Welt dabei waren, hatten die Deutschen zugeschlagen und Silber geholt. In der ersten K.o.-Runde, dem Achtelfinal, eliminierten sie die ... Schweizer (2:1 n.V.).

«Ich spüre denselben Geist in der Kabine wie damals», sagte Dominik Kahun, der im Penaltyschiessen gegen die Schweiz einer von zwei erfolgreichen Schützen der DEB-Auswahl war. «Was unser Team so gut macht, ist der Glaube an uns selbst und der Teamspirit. Diese Mannschaft ist unglaublich. Wir wissen: Egal wie es steht - wir können zurückkommen.» Selbstbewusste Töne schlug auch der äusserst talentierte Verteidiger Moritz Seider an, 2019 von den Detroit Red Wings als Nummer 6 gezogen. «In unserer Kabine war es nie eine Frage, dass wir eine gute Chance haben. Wir müssen uns nicht verstecken.» Dabei denkt er nicht nur an dieses Turnier, sondern auch an die kommenden Jahre.

Fakt ist, dass die Deutschen eine sehr gute Entwicklung durchgemacht haben. Nachdem die DEB-Auswahl von 2012 bis 2015 viermal hintereinander die WM-Viertelfinals verpasst hatte, führte die deutsche Legende Marco Sturm, der mehr als 1000 Spiele in der NHL in den Knochen hat, die Mannschaft zurück in die Erfolgsspur - mit der Olympia-Medaille als Höhepunkt. Als Sturm Ende 2018 als Trainerassistent zu den Los Angeles Kings weiterzog, wurde Toni Söderholm als Nachfolger installiert, der zu diesem Zeitpunkt ein Nobody als Trainer war und den in der dritthöchsten Liga spielenden SC Riessersee coachte.

Damit gingen die Deutschen, wie die Schweizer mit der Einsetzung von Patrick Fischer Ende 2015, ein gewisses Risiko ein, das sich ausbezahlt hat. Wie Fischer gab der 43-jährige Söderholm, der als Spieler von 2005 bis 2007 beim SC Bern tätig gewesen war, seinen Schützlingen von Beginn an das Gefühl, in der Weltspitze mitspielen zu können. 2019 führte er die Deutschen zum 6. WM-Rang, nun fehlt noch ein Sieg zur Medaille.

Der Halbfinal gegen Finnland ist für Söderholm umso spezieller, als er von dort stammt - wie auch sein Assistent Ville Peltonen, der in der Schweiz ebenfalls bestens bekannt ist. In der Vorrunde setzte es gegen die Finnen eine 1:2-Niederlage ab, nach dem Halbfinaleinzug ist den Deutschen aber alles zuzutrauen.

Den zweiten Finalisten machen die USA und Kanada unter sich aus. Die Amerikaner haben seit dem 1:2 zum Auftakt gegen Finnland sämtliche sieben Spiele gewonnen und die Kanadier gleich mit 5:1 vom Eis gefegt. Insofern steigen sie als Favorit in den nordamerikanischen Halbfinal.

Quelle: sda
veröffentlicht: 5. Juni 2021 06:05
aktualisiert: 5. Juni 2021 07:06