WM in der Schweiz

Lars Weibel: «Der Sport rückt ins zweite Glied»

22. März 2020, 16:17 Uhr
Nationalmannschaftsdirektor Lars Weibel (rechts) hofft, dass die Eishockey-WM in Zürich und Lausanne 2021 nachgeholt werden kann
© KEYSTONE/WALTER BIERI
Bei Nationalmannschaftsdirektor Lars Weibel herrscht nach der Absage der WM in Zürich und Lausanne eine gewisse Leere, er hofft aber, dass das Turnier im nächsten Jahr in der Schweiz stattfinden wird.

Zwar war die WM-Absage aufgrund der aktuellen Lage die logische Konsequenz, «wenn du dann aber die Gewissheit hast, ist das schon sehr ernüchternd», sagte Weibel. Es sei das gleiche Gefühl, wie wenn man unerwartet früh aus den Playoffs ausscheide. «Es ist eine gewisse Leere da. Wir arbeiteten lange darauf hin, träumten von dieser Heim-WM, hatten unsere Ziele. Aber es ist gut, haben wir nun Klarheit.»

Weibel betonte, dass nicht nur die A-WM betroffen sei, sondern viele andere Turniere wie beispielsweise die Frauen-WM. «Da steckt immer eine Geschichte eines Athleten oder einer Athletin dahinter. So etwas kann für die Karriere einschneidend sein. Es steht jedoch ausser Frage, dass der Schutz der Bevölkerung Priorität geniesst. Wir können den Entscheid zu 100 Prozent akzeptieren, stehen voll dahinter. Der Sport rückt ins zweite Glied, wenn du siehst, was in unserem Land und auf der ganzen Welt gerade passiert.»

Weibel hofft «extrem stark», dass die WM im kommenden Jahr in der Schweiz durchgeführt werden kann - die Organisatoren könnten praktisch eins zu eins auf das gleiche Konzept zurückgreifen. Dafür braucht es allerdings die Zustimmung der anderen Verbände, da die nächsten fünf Weltmeisterschaften bereits vergeben sind. Der Entscheid wird am nächsten IIHF-Kongress gefällt, der wegen der Coronavirus-Pandemie noch nicht terminiert ist.

«Gute Zeichen» für 2021

Weibel hat sich vorgängig schon mit vielen Kollegen aus anderen Nationen darüber ausgetauscht, wie sie das Ganze sehen. Der Tenor war klar: «Es ist eine einmalige Situation, die alle noch nie erlebt haben. Wir stehen wenn immer möglich zusammen und helfen einander.» Das sind für Weibel «gute Zeichen, dass wir eine gute Lösung für die Zukunft finden.»

Welches Echo hat er allgemein in den letzten Wochen erhalten, als sich die Absage immer mehr abzeichnete? «Zu Beginn überwog noch die Hoffnung. Je länger es ging, desto ‹zweitrangiger› wurde die Durchführung. Es war ebenfalls schön zu sehen, was der Sport bewirken kann, dass er gerade auch in schweren Zeiten verbindet.»

Obwohl das Eishockey derzeit stillsteht, geht Weibel die Arbeit nicht aus. «Nach der Saison ist vor der Saison», sagte der frühere Top-Goalie, der während der Heim-WM seinen 46. Geburtstag gefeiert hätte. Einerseits steht die Evaluation der schwierigen Situation auf dem Programm, geht es darum den Schaden zu eruieren und zu schauen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Finanziell fallen zwar Einnahmen aus - beispielsweise hätte der Verband als WM-Veranstalter einen garantierten Gewinn von rund 1,5 Millionen Franken erhalten. Auf der anderen Seite werden durch wegfallende Zusammenzüge und gestrichene Turniere - etwa bei den Junioren - auch Kosten gespart."

Gleichzeitig gilt es für Weibel und sein Team, «sofort nach vorne zu blicken, zu schauen, was optimiert und geändert werden kann. Sodass wir gerüstet sind, sobald sich alles normalisiert hat und wieder Eishockey gespielt werden kann. Vorerst geht es aber darum, dass wir alle Verantwortung übernehmen, damit unser Land so schnell wie möglich wieder aus dieser Krise herauskommt.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 22. März 2020 16:15
aktualisiert: 22. März 2020 16:17