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Deutschland Cup

Schweiz geht gegen Slowakei im Schlussdrittel unter

11. November 2021, 21:53 Uhr
Der Schweizer Nationalmannschaft missglückt der Auftakt in die Olympia-Saison gründlich. Das Team von Patrick Fischer unterliegt der Slowakei im ersten Spiel am Deutschland Cup in Krefeld mit 1:7.
Enzo Corvi war der einzige Torschütze für die Schweiz
© KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Zwar widerspiegelt das Resultat nicht das Geschehen auf dem Eis, dennoch ging der Sieg der Slowaken absolut in Ordnung. Die Schweizer, die zuvor sieben Mal in Folge gegen die Osteuropäer gewonnen hatten, liessen vieles vermissen, bekundeten grossen Mühe mit dem aggressiven Forechecking des Weltmeisters von 2002, und vorne agierten sie zu wenig zwingend. Die Tore vom 1:3 zum 1:7 kassierten die Eisgenossen in den letzten 191 Sekunden, beim 1:4 und 1:5 spielten sie ohne Torhüter.

«Wir verloren die Partie nicht am Schluss, sondern im zweiten Drittel», brachte es Verteidiger Yannick Weber auf den Punkt. Damit sprach er an, dass die Schweizer, nachdem sie das Momentum nach dem frühen 0:1 (3.) auf ihre Seite gebracht und durch Enzo Corvi (13.) ausgeglichen hatten, in den zweiten 20 Minuten zu viele Strafen kassierten. Nach 75 Sekunden im Mittelabschnitt musste Calvin Thürkauf wegen eines Checks gegen den Kopf vorzeitig unter die Dusche, danach sassen Santeri Alatalo und Andres Ambühl für jeweils zwei Minuten draussen. Da in der 19. Minute auch Luca Fazzini eine Strafe erhalten hatten, spielten die Schweizer im zweiten Drittel während total 9:38 Minuten in Unterzahl.

Zwar funktionierte das Boxplay und fiel das einzige Tor im Mittelabschnitt bei numerischem Gleichstand (30.) - nach einem schlechten Pass von Verteidiger Ramon Untersander. Doch kosteten die vielen Minuten in Unterzahl viel Kraft und wirkten sich diese negativ auf den Rhythmus aus. «Uns nahm es den Wind aus den Segeln und ihnen gab es extrem viel Schub», sagte Weber.

Fischer dachte und hoffte, dass sein Team im letzten Drittel das Tempo verschärfen kann. Doch dem war nicht so. Die Schweizer erspielten sich keine zwingenden Chancen. Als in der 44. Minute zum zweiten Mal in dieser Partie ein Slowake auf die Strafbank musste, dauerte das Powerplay bloss 77 Sekunden, dann erhielt Ambühl eine weitere Strafe. Diese nutzte Michal Kristof zum 3:1 (47.). «Wir hatten Mühe, uns in der offensiven Zone durchzusetzen. Die Slowaken waren aggressiver und wacher», zollte Fischer dem Gegner Respekt. «Zudem hatten wir zu viele einfache Scheibenverluste.» Weber ergänzte: «Es hat nicht viel zusammengestimmt im letzten Drittel.»

Ein negativer Faktor war überdies, dass die Schweizer nach dem soliden ersten Drittel nicht nur Thürkauf verloren, sondern wegen einer Verletzung auch Alessio Bertaggia. Fischer rechnet nicht damit, an diesem Turnier noch auf den Stürmer des HC Lugano zählen zu können. Die Niederlage wollte er allerdings nicht überbewerten. «Es war unser erstes Spiel seit gut fünf Monaten», so Fischer. «Es ist noch immer alles möglich an diesem Turnier.»

Derweil ist die starke Leistung der Slowaken umso höher einzustufen, als sie nur mit drei Sturmlinien antraten, da zwei Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden waren und zwei mutmassliche Kontaktpersonen vorsorglich in Quarantäne mussten. Da alle slowakischen Spieler vollständig geimpft sind und die angeordneten Schnelltests vor der Partie für die einsatzfähigen Teammitglieder allesamt negativ ausfielen, startete das Turnier dennoch wie geplant.

Für die Schweizer geht es am Samstag mit dem Duell gegen Gastgeber Deutschland weiter. Dann ist Revanche angesagt, setzte es doch im Viertelfinal an der WM in Riga nach einer 2:0-Führung eine 2:3-Niederlage nach Penaltyschiessen ab. «Wir spielen gerne gegen die Deutschen», sagte Fischer. Für Weber ist klar, dass «nach einer solchen Niederlage eine Reaktion kommen muss. Es war eine gute Lehrstunde.»

Telegramm:

Slowakei - Schweiz 7:1 (1:1, 1:0, 5:0)

Krefeld. - 341 Zuschauer. - SR Ansons/Schrader (LAT/GER), Hancock/Merten (USA/GER). - Tore: 3. Griger (Kristof, Holesinsky) 1:0. 13. Corvi (Moser) 1:1. 30. Griger (Siska) 2:1. 47. Kristof (Takac, Mesar/Ausschluss Ambühl) 3:1. 58. (57:49) Holesinsky (Regenda) 4:1 (ins leere Tor). 59. (58:15) Griger 5:1 (ins leere Tor). 59. (58:42) Takac (Kristof) 6:1. 60. (59:57) Hrehorcak (Griger, Mudrak/Ausschluss Schmid) 7:1. - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen die Slowakei, 5mal 2 plus 5 Minuten (Thürkauf) plus Spieldauer (Thürkauf) gegen die Schweiz.

Slowakei: Tomek; Ceresnak, Knazko; Gachulinec, Rosandic; Vitalos, Koch; Mudrak; Mesar, Kristof, Takac; Holesinsky, Roman, Regenda; Hrehorcak, Siska, Griger.

Schweiz: Wüthrich; Untersander, Alatalo; Weber, Müller; Schlumpf, Riva; Karrer, Frick; Andrighetto, Corvi, Moser; Martschini, Ambühl, Vermin; Fazzini, Thürkauf, Pestoni; Moy, Schmid, Bertaggia; Eggenberger.

Bemerkungen: Schweiz ohne van Pottelberghe (Ersatzgoalie) und Waeber (überzähliger Torhüter). - Länderspiel-Debüts von Wüthrich, Eggenberger und Schmid. - Bertaggia verletzt ausgeschieden. - Schweiz von 56:37 bis 57:04, 57:26 bis 57:49 und von 58:01 bis 58:15 ohne Goalie. - Schüsse: Slowakei 43 (14-15-14); Schweiz 25 (12-3-10). - Powerplay-Ausbeute: Slowakei 2/6; Schweiz 0/2.

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. November 2021 21:40
aktualisiert: 11. November 2021 21:53