Langlauf

Sprinter im Fokus, Cologna weit von Bestform entfernt

12. Dezember 2020, 08:20 Uhr
«Schon etwas weit weg»: Dario Cologna ist noch nicht in Form - sein Aufbau ist auf die WM im Februar ausgerichtet
© KEYSTONE/EPA/KIMMO BRANDT
Die Hoffnungen der Schweizer Langlauf-Fans ruhen beim Heim-Weltcup in Davos in erster Linie auf den Sprintern Jovian Hediger und Nadine Fähndrich. Dario Cologna läuft seiner Form hinterher.

Der Schweizer Männer-Cheftrainer Kein Einaste kommentierte das Fehlen der starken Norweger (und Schweden und Finnen) mit trockenem estnischem Humor: «Warum? Die beste Nation ist doch am Start.» Rückfrage: Die Russen? «Nein, die Schweiz», meinte der neue starke Mann bei den Schweizer Langläufern. Er weiss natürlich, dass dies nicht wirklich der Fall ist. Einaste meint aber auch: «Das Fehlen einiger Topnationen ist eine Chance für neue Stars.»

Tatsächlich könnten vor allem die besten Schweizer Sprinter von der vielerorts mit Unverständnis aufgenommenen Absage der Nordländer wegen des Coronavirus profitieren. Bei den Männern fehlen deshalb in Davos acht der zwölf Podestläufer vom Weltcup-Auftakt vor zwei Wochen im finnischen Kuusamo, bei den Frauen sogar deren zehn.

6 minus 4 ist nicht zwingend gleich 2

Jovian Hediger belegte am Polarkreis im Klassisch-Sprint den 6. Platz - hinter vier Norwegern und dem russischen Gesamtweltcup-Sieger Alexander Bolschunow. Auf der Flüela-Loipe wird zwar im Skating-Stil gelaufen, doch der liegt dem Waadtländer, der nächste Woche 30-jährig wird, eher noch mehr. Der erste Podestplatz wäre in Davos also nur logisch. Hediger lacht: «So einfach ist das nicht. 6. Platz minus vier gibt nicht zwingend 2. Platz» Aber natürlich erhoffe er sich etwas. «Ich werde versuchen, mindestens so gut wie in Kuusamo zu sein.»

Auch Nadine Fähndrich überzeugte beim Saisonauftakt mit dem Halbfinal-Vorstoss und dem 10. Platz. Sie bekundete am letzten Wochenende bei einem FIS-Rennen im Goms altbekannte Probleme mit den Schienbeinen, dies ist jedoch höchstens im 10-km-Rennen am Sonntag ein Hindernis. Fähndrich weiss, dass ohne die im Frauensprint dominierenden Schwedinnen viel möglich ist. «Das hat mich im ersten Moment etwas nervös gemacht. Und dann habe ich mich geärgert, dass ich nervös wurde. Ich kann ja auch sonst vorne mithalten.»

Ein besonderer Motivationsschub ist für die 25-jährige Luzernerin, dass erstmals auch ihr jüngerer Bruder Cyril im Weltcup zum Einsatz kommt. Dafür organisierte sie extra für ihre Eltern ein Hotelzimmer mit Balkon direkt an der Strecke. Zuschauer sind in Davos ansonsten keine erlaubt.

Cologna hofft auf Fortschritt

Wenig rechnet sich für einmal Dario Cologna aus, der im letzten Jahr mit dem 3. Platz über 15 km brillierte. Sein Formaufbau ist auf die WM im Februar ausgerichtet, doch etwas beunruhigt ist er schon. «Es war nicht das Ziel, schon jetzt in Topform zu sein, aber ich bin schon etwas weit weg», sagt der vierfache Olympiasieger. In Kuusamo belegte Cologna die Ränge 38, 29 und 30. «Es müsste sehr viel passieren, damit es ein sehr gutes Resultat gibt», ist der Bündner realistisch. «Wichtiger ist, dass ich einen Schritt in die richtige Richtung mache und das Gefühl besser ist als an den letzten Wochenenden.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 12. Dezember 2020 11:13
aktualisiert: 12. Dezember 2020 08:20