Zwei Schweizer Frauen-Trümpfe

21. Februar 2019, 05:46 Uhr
Bereits legendär: Laurien van der Graaffs Luftsprung nach dem Sieg bei der Sprint-Generalprobe vor einem Jahr in Seefeld
Bereits legendär: Laurien van der Graaffs Luftsprung nach dem Sieg bei der Sprint-Generalprobe vor einem Jahr in Seefeld
© KEYSTONE/EPA/ANGELIKA WARMUTH
Die Weltmeisterschaften werden heute mit dem Sprint lanciert. Laurien van der Graaff weckte mit ihrem Sieg bei der Hauptprobe vor einem Jahr Begehrlichkeiten, die nun Nadine Fähndrich erfüllen könnte.

Das Bild von Laurien van der Graaffs Luftsprung im Zielraum von Seefeld hat sich in den Köpfen eingeprägt. Es nährt die Hoffnungen, dass die Schweiz für Medaillenträume nicht allein auf Dario Cologna angewiesen ist, und stärkt den Glauben an einen Coup. Van der Graaff gewann vergangene Saison zwei Weltcup-Sprints, wieso soll es nicht auch an den Titelkämpfen klappen?

Die Euphorie verflog in den vergangenen Monaten allerdings. «Ich wollte hier als Mitfavoritin anreisen, das habe ich nicht geschafft», hielt die Bündnerin fest. Diesen Winter stiess die 31-Jährige noch nie in die Top 6 vor, welche den Final bestreiten. Die Gründe sind vielschichtig: Mal ein schlechter Tag, mal ein taktischer Fehler oder mal ein Sturz mag erklären, weshalb die Leistungen nicht so schlecht waren wie das nackte Resultat vermuten lässt. Denn in der Qualifikation vor den K.o.-Runden tauchte Van der Graaff oft in den Top Ten auf. Andererseits ist die Leistung eben doch nicht so gut wie jene der härtesten Konkurrentinnen. Im Sommer hatte die gebürtige Niederländerin, die als 5-Jährige mit ihren Eltern nach Davos kam, nochmals härter trainiert als sonst und fühlte sich deshalb oft müde. Vielleicht stellt sich die Top-Form just auf Seefeld doch noch ein.

Auf ihren Luftsprung angesprochen, betonte Van der Graaff: «Ich muss an dieses Bild glauben. Ich will bereit sein, um zuzuschlagen, wenn sich die Chance ergibt.» Die Beschaffenheit des Parcours und die Skating-Technik spielen ihr in die Karten. «Wir kommen mit viel Speed auf die Zielgerade, man muss sich schnell bewegen können, das liegt mir.» So wie vor einen Jahr, als sie von der Abfahrt als Dritte in die Fläche brauste, mit Schlittschuh-Schritten beschleunigte und noch an Maiken Caspersen Falla und Sophie Caldwell vorbeizog.

Exakt diese Zielanfahrt ist nicht unbedingt auf Nadine Fähndrichs Fähigkeiten zugeschnitten. Die 23-jährige Luzernerin verhaspelt sich oft bei hohen Frequenzen. «Meine Stärken sind die Anstiege oder auch leichte Steigungen mit Eins-Eins-Partien», sagte sie. Dort kann die Frau aus Eigenthal am Fuss des Pilatus ihre Kraft optimal einsetzen.

Fähndrich löste diesen Winter Van der Graaff als Nummer 1 im Sprint-Team ab. In Dresden fehlten sogar nur 2 Hundertstel zum ersten Podestplatz, den sie dann vergangenen Sonntag mit dem 2. Rang in einem ausgedünnten Feld beim 10-km-Rennen in Cogne doch noch erreichte. «Für ein Podest in Seefeld muss alles perfekt aufgehen», betonte Fähndrich. Im Sprint stehen die Chancen am besten. Es kommt auch auf taktisches Geschick an, Konkurrentinnen könnten durch Sturz oder Stockbruch aus der Entscheidung fallen, und ein knackiger Anstieg vor der Abfahrt zum Ziel bietet die Möglichkeit, frühzeitig eine Selektion herbeizuführen.

Die Olympiasiegerin Stina Nilsson dominierte den Sprint bis Mitte Januar, ehe sie durch eine Oberschenkelverletzung ausser Gefecht gesetzt wurde. Die Schwedin kehrt nun erst auf Seefeld hin ins Wettkampfgeschehen zurück. Ist sie wieder fit? «Ich denke schon», sagte Van der Graaff, die sie im Kraftraum angetroffen hatte. Die Bündnerin kennt Nilsson auch privat, sie besuchte sie vergangenen Sommer in ihrem Haus in Schweden.

Bei den Männern führt der Sieg über Johannes Hösflot Klaebo. Der Norweger dürfte seine Herausforderer Federico Pellegrino oder Sergej Ustjugow in Schach halten. Als stärkster Schweizer führt Jovian Hediger das Team mit den Kollegen Jason Rüesch, Roman Furger und Roman Schaad an.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 21. Februar 2019 05:30
aktualisiert: 21. Februar 2019 05:46