Kroatien spendet WM-Prämie doch nicht

Laurien Gschwend, 19. Juli 2018, 18:08 Uhr
Am Donnerstagmittag machte eine «grosse Geste» von Kroatien die Runde: Zahlreiche Medien gaben bekannt, der Fussball-Vizeweltmeister würde seine gesamte Prämie – fast 24 Millionen Euro – an bedürftige Kinder spenden. Dem ist aber nicht so.

«Kroaten spenden ihre fast 24 Millionen Euro WM-Preisgeld», «Kroatische WM-Prämie kommt Kindern zugute», «Mega-Geste der Kroaten» – titelten am Donnerstag verschiedene Online-Medien. Kroatiens Nationaltrainer Zlatko Dalic habe in einem offenen Brief bekanntgegeben, die fast 23,6 Millionen Euro WM-Preisgeld würden an arme Kinder gehen, damit diese Ferien am Meer machen können.

Kolumne statt Trainer-Brief

Während die Kroaten noch immer nicht glauben können, dass es sich beim Vizeweltmeister-Titel nicht um ein Märchen handelt, sind die Good News von der Spende an Kinder frei erfunden. Wie die Frankfurter Rundschau schreibt, gab es tatsächlich einen offenen Brief – dieser wurde aber vom Autoren Igor Premuzic verfasst, und zwar für eine Kolumne des kroatischen Newsportals dalicom.eu. Der vor fünf Tagen veröffentlichte Text trägt den Titel «Paralleluniversum» und thematisiert die sozialen Probleme Kroatiens.

Doch noch eine Spende?

Dass die 24-Millionen-Euro-Prämie Kindern in Not zugute kommt, ist also zu schön, um wahr zu sein. Nach der Verwirrung um die vermeintliche Solidarität dürfte sich die kroatische Nationalmannschaft aber tatsächlich überlegen, das Preisgeld, zumindest teilweise, zu spenden.

Laurien Gschwend
Quelle: lag
veröffentlicht: 19. Juli 2018 15:10
aktualisiert: 19. Juli 2018 18:08