«Wir haben gewonnen, Baby!»

Dario Brazerol, 23. Juni 2018, 06:56 Uhr
Noch ist es ein weiter Weg zum Weltmeister-Titel. Und doch, nach dem Sieg der Schweizer Nati gegen Serbien wird das Public Viewing in Chur zur Public Party.

Schon nach dem Unentschieden gegen die Brasilianer war klar: Die Schweizer sind dieses Jahr heiss auf den Sieg. Nicht nur die Spieler selbst, sondern auch die Fans an den zahlreichen Public Viewings zeigen Herzblut. Auch beim Public Viewing in Chur ist den Zuschauern schon vor Anpfiff klar: Das wird unser Spiel.

«Das Outfit ist das wichtigste»

«Ich erwarte definitiv einen Sieg. Wie sie es machen ist mir egal. Sie müssen einfach gewinnen», sagt vor dem Spiel ein begeisterter Fan, der als nur einer von vielen von Kopf bis Fuss in rot-weiss gekleidet ist. «Das Outfit ist das wichtigste. Nur so kannst du deine Nati anfeuern und nur so kannst du zum Erfolg kommen.» Wie die Nati zum Erfolg kommt, meint ein anderer genau zu wissen: «Die Schweizer werden den Ball mehr haben, konzentrierter spielen. Das haben wir schon im Spiel gegen Brasilien gezeigt und werden es heute wieder umsetzen.»

Von Rosenkavalier zu Rosenkavalier

Beim Spiel gegen Brasilien gab es beim Public Viewing in Arbon einen, der der Schweizer Nati eine bittere Niederlage prophezeite: Ex-Bachelorette-Kandidat Luca aus St.Gallen ging von einer 3:0-Niederlage aus. Ein «Berufskollege» von Luca traut der Nati weit mehr zu.«Luca hat keine Ahnung von Fussball. Die Schweizer spielen super und ich möchte, dass sie Weltmeister werden», sagt der ehemalige Rosenkavalier Sam aus Chur.

«Das gibt ein 2:1 für die Schweiz»

Nach der ersten Halbzeit sieht es für die Schweiz aber alles andere als weltmeisterlich aus. Schon in der fünften Minute muss die Nati das erste Tor kassieren. Die Stimmung bei den Churern ist deutlich angeschlagen. Die Zuversicht lassen sich die Fans aber nicht nehmen: «Ich denke, es liegt vor allem an der Effizienz vorne wie auch hinten. Sie spielen relativ unsicher. Mit dem einen oder anderen Wechsel können wir aber sicher noch etwas reissen», ist sich einer der Zuschauer sicher. «Ich wäre kein Schweizer, wenn ich nicht an einen Sieg glauben würde. Das gibt ein 2:1 für die Schweiz und wir fahren ins Achtelfinale.»

Und tatsächlich, diese Vermutung sollte sich noch bewahrheiten - zumindest teilweise. Erst erzielt Granit Xhaka den ersehnten Ausgleichstreffer. Schon da beben die Bänke im Churer Public Viewing, Menschen liegen sich in den Armen und prosten sich zu. Als dann Xherdan Shaqiri in der neunzigsten Minute die Schweiz in Führung schiesst, gibt es kein Halten mehr. Die Menge tobt, schreit sich die Erleichterung und Freude aus dem Leib und feiert, als wären die Nati bereits Weltmeister geworden.

«Oh mein Gott, ich bin so glücklich!»

Den Fans fehlen teilweise gar die Worte: «Hopp Shaqiri, Mann! Oh mein Gott, ich bin so glücklich! Wir haben gewonnen, Baby!», schreit eine junge Dame, während die Fühler aus Schweizer Fahnen, welche sie auf den Kopf trägt, hektisch hin und her wippen. «Ich habe bis am Schluss mitgezittert und ganz am Schluss noch ein Goal – Super!», fasst eine andere die letzten Spielminuten zusammen.

Ausgelassen tanzen die Churer auf den Tischen, das Bier fliesst, die Freude reisst mit. Dass an diesem Freitag so schnell mit dem Feiern aufgehört wird, ist unwahrscheinlich. Spätestens aber wenn das letzte Hupen der vorbeiziehenden Autos verklungen ist - aber das Ende des Korso liegt noch in weiter Ferne.

Dario Brazerol
veröffentlicht: 23. Juni 2018 06:00
aktualisiert: 23. Juni 2018 06:56