Xamax deklariert Trainerwechsel als «Elektroschock»

5. Februar 2019, 15:50 Uhr
Michel Decastel ist nicht mehr Trainer von Xamax
Michel Decastel ist nicht mehr Trainer von Xamax
© KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Drei Tage nach dem Start zur Rückrunde gibt es in der Super League bereits die erste Trainer-Entlassung. Der Tabellenletzte Neuchâtel Xamax trennt sich von Aufstiegstrainer Michel Decastel. Nachfolger wird der bisherige Assistent Stéphane Henchoz (44).

Die Zahlen sprachen längst gegen Michel Decastel. Nach einen ansprechenden Saisonstart ist Neuchâtel Xamax Anfang September ein erstes Mal ans Tabellenende abgerutscht. Seither kam der Aufsteiger nie mehr über Platz 9 hinaus, auch weil er seit dem 26. September und einem 2:1 im Heimspiel gegen Lugano nicht mehr gewann. Am letzten Samstag verlor Xamax gegen Meister Young Boys 0:2. Derzeit beträgt der Abstand zum Tabellenvorletzten Grasshoppers vier Punkte.

Trotzdem: Xamax schien eine Oase der Ruhe. Decastel war seit Sommer 2015 im Amt, länger als jeder andere seiner Trainer-Kollegen in der Super League. Noch letzte Woche anlässlich der Awards Night der Swiss Football League sprach Raphaël Nuzzolo, Captain und Topskorer von Xamax, über seinen Klub wie über einen Gegenentwurf zum hektischen Treiben in der Szene. Xamax sei «klein und familiär», ein Klub mit «menschlichen Verbindungen».

Vor diesem Hintergrund überrascht die Entlassung von Decastel. Sie zeugt ausserdem von wenig Weitsicht, denn der Zeitpunkt ergibt auf den ersten Blick keinen Sinn. Die ganze Vorbereitung mit einem Trainer zu bestreiten, um ihn dann nach dem ersten Spiel der Rückrunde, zumal auswärts gegen den entrückten Leader, zu entlassen, lässt nur zwei Deutungen zu. Entweder ist in Neuenburg etwas passiert, dass nur Insider wissen. Oder Präsident Christian Binggeli hat tatsächlich mit einem Punktgewinn gegen YB gerechnet.

In einer Mitteilung begründete Binggeli seinen Entscheid wie folgt. «Es war notwendig, für einen Elektroschock zu sorgen, damit die Mannschaft für die nächsten wichtigen Spiele neue Energiezufuhr erfährt.» Die Neuenburger spielen am kommenden Wochenende zuhause gegen den FC Luzern, dann folgt bereits das kapitale Auswärtsspiel gegen die Grasshoppers.

Nun soll Decastels Assistent Stéphane Henchoz die Mannschaft vom Abstiegsplatz wegführen. Der 44-jährige frühere Verteidiger verfügt über viel Erfahrung als Spieler. Er absolvierte für die Schweiz 72 Länderspiele und war im Ausland neben anderen Vereinen beim Hamburger SV und beim FC Liverpool engagiert. Als Cheftrainer war er allerdings erst einmal tätig. Das war in der Saison 2009/10 in der 1. Liga beim FC Bulle.

Vor Xamax hatten in dieser Saison bereits der FC Basel, Sion und Lugano den Trainer gewechselt.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 5. Februar 2019 15:11
aktualisiert: 5. Februar 2019 15:50