St.Galler Klimastreik weitet sich aus

Der St.Galler Klimastreik wird am kommenden Freitag fortgesetzt.
Der St.Galler Klimastreik wird am kommenden Freitag fortgesetzt. © FM1Today/Tobias Bruggmann
Vor Weihnachten streikten rund 300 Schülerinnen und Schüler der Kanti St.Gallen, um gegen die Klimapolitik der Regierung zu demonstrieren. Jetzt soll am Freitag erneut gestreikt und in der St.Galler Altstadt demonstriert werden. Dieses Mal machen auch andere St.Galler Kantonsschulen mit.

«Klimastreik, Klimastreik, üsi Zukunft, üsi Zukunft», schallte es am vergangenen Freitag vor Weihnachten im St.Galler Kantipark. 300 Schülerinnen und Schüler streikten und forderten damit einen besseren Klimaschutz (FM1Today berichtete). Am Freitag soll sich der Streik wiederholen, dieses Mal mit einer Demonstration durch die St.Galler Altstadt.

«Motivationskiller Ferien»

Miriam Rizvi an der letzten Demo.

Es sei von Anfang an die Idee gewesen, regelmässig zu streiken, sagt Miriam Rizvi vom Organisationskomittee. «Die Ferien waren ein Motivationskiller, weil man da zwei Wochen Pause hat. Es ist wichtig, die Energie und das Engagement aufrecht zu halten.» Die Demo startet wiederum bei der Kanti und endet auf dem Klosterplatz.

Die Route dahin ist zwei Tage vor dem Streik noch nicht klar. «Da die Kommunikation mit den Behörden noch immer läuft und sich der Weg verändert, geben wir nur Start- und Endposition bekannt.» Klar ist aber, dass der Streik länger dauern wird: Er beginnt um 10.15 Uhr und dauert bis zur Mittagspause um 12.10 Uhr.

Auch andere Schulen sollen streiken

Die 17-Jährige ist überzeugt, dass sie den Erfolg des ersten Streiks wiederholen können. «Neu haben wir auch Jugendliche aus anderen Schulen in St.Gallen und Umgebung zum Streik aufgefordert.» Darum streiken am Freitag auch Schüler von den Kantonsschulen Wil und Wattwil mit. «Wir rechnen damit, dass je rund 50 Schülerinnen und Schüler nach St.Gallen reisen und am Demonstrationszug mitlaufen», sagt Anna Miotto für die Wiler Organisatoren. Die genau Anzahl sei jedoch schwierig abzuschätzen. Die Werbung erfolgt wiederum mit einem Whatsapp-Chat und Flyeraktionen.

Ein Selfie zum Beweis

Konsequenzen hätten die Teilnehmer in Wil und Wattwil keine zu befürchten. «In Wil müssen wir uns bei der Klassenlehrperson abmelden und ihr danach ein Selfie von der Demo zeigen, damit wir keine unentschuldigte Absenz bekommen», sagt Miotto. Das bestätigt Doris Dietler Schuppli, Rektorin der Kantonsschule Wil, und verweist auf die Rektorenkonferenz der St.Galler Schulleiter in der kommenden Woche, wo das Thema traktandiert und diskutiert wird.

Marc König (Bild: PD)

Beim letzten Schulstreik mussten die St.Galler Schüler keine Konsequenzen tragen – Absenzen wurden nicht eingetragen. «Weitere Klimastreiks während der Unterrichtszeit kann die Schulleitung aber nicht tolerieren. Sie kann insbesondere nicht akzeptieren, dass der Klimastreik als Möglichkeit genutzt wird, einfach den Unterricht zu schwänzen.» Deshalb verlangt die Schule jetzt, dass die Absenzen wie beim Urlaubsgesuch eingetragen werden. «Wir verlangen eine schriftliche Stellungnahme, in der die Schüler kurz darlegen, welches die persönlichen Beweggründe für die Demonstrationsteilnahme sind», schreibt Marc König, Rektor der Kantonsschule am Burggraben.

Angriff auf das Bildungsdepartement

Die Organisatoren greifen jetzt zum ersten Mal auch die St.Galler Regierung und das Bildungsdepartement direkt an. «Dass die Regierung und das Bildungsdepartement es nicht für notwendig hält, Stellung zu ergreifen, bestätigt unsere Meinung, dass wir von den Politikern nicht ernst genommen werden», heisst es im Infobrief. Das Bildungsdepartement des Kantons St.Gallens will sich im Moment noch nicht äussern, weil ihm die Vorwürfe bislang noch nicht bekannt waren.

Im Gegensatz zum ersten Streik haben die Organisatoren jetzt konkrete Forderungen herausgegeben. «Wir fordern null Treibhausgasemissionen im Inland bis 2030, ohne die Einplanung von Kompensationstechnologien, und die Schweiz soll den nationalen Klimanotstand ausrufen. Dafür braucht es einen Systemwandel», sagt Miriam Rizvi.

Der Streik soll auch in der Woche darauf stattfinden: Dann ist wieder ein nationaler Streiktag, wo auch in anderen Städten gestreikt wird. «Unser Klima ist im Moment wichtiger als unsere Noten», sagt Rizvi mit energischer Stimme.


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