Negative Trends bei Arbeitsbedingungen

Zu viel Stress und zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten. Das sind zwei Faktoren, die sich bei der Arbeitsqualität gemäss Arbeitnehmenden negativ entwickeln. Insgesamt wird diese aber als hoch eingeschätzt. (Symbolbild)
Zu viel Stress und zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten. Das sind zwei Faktoren, die sich bei der Arbeitsqualität gemäss Arbeitnehmenden negativ entwickeln. Insgesamt wird diese aber als hoch eingeschätzt. (Symbolbild) © KEYSTONE/SAMUEL TRUEMPY
Arbeitnehmende stellen den Arbeitsbedingungen in der Schweiz erneut ein gutes Zeugnis aus. Beim genauerem Betrachten gibt es jedoch negative Trends, beispielsweise bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder beim Stress.

Gemäss der am Freitag veröffentlichten Studie «Barometer Gute Arbeit» des Arbeitnehmerverbands Travail.Suisse ist die Motivation der Arbeitnehmenden seit mindestens vier Jahren auf hohem Niveau stabil. Gemessen wird dies etwa mit Fragen darüber, wie die Wertschätzung und Unterstützung durch Arbeitgeber wahrgenommen werden, welchen Sinn die Arbeit für die Gesellschaft hat oder wie stark sich die Beschäftigten mit dem Arbeitgeber identifizieren.

Eine negative Tendenz zeigt sich jedoch bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben – wenngleich auf hohem Niveau, wie der Arbeitgeberverband einräumt. Der Anteil derjenigen, welche Probleme mit der Vereinbarkeit haben, hat demnach um drei Prozentpunkte zugenommen auf 21,6 Prozent in vier Jahren, wie Gabriel Fischer von Travail.Suisse vor den Medien in Bern ausführte.

Als grösste Belastung wird weiterhin der Stress empfunden. 40 Prozent der Befragten fühlen sich gemäss der Studie oft oder sehr oft gestresst. Der Stress wird beispielsweise wegen des grösseren Termindrucks als erhöht wahrgenommen.

Ebenfalls negativ entwickelt sich die Wahrnehmung der zeitlichen Belastung. So sind aus Sicht der Befragten die Faktoren Überstunden, Erreichbarkeit, überlange Arbeitstage und verkürzte Pausen gegenüber 2015 gestiegen. Einige arbeiten zudem beispielsweise häufiger, wenn sie krank sind, als noch vor vier Jahren.

Schlechter beurteilt wird zudem das Einkommen. Von 2015 bis 2018 nahm der Anteil der Arbeitnehmenden, die gar nicht zufrieden sind, von 9,4 auf 11,6 Prozent zu. «Das verwundert nicht, wenn man die Lohnentwicklung in den letzten Jahren beobachtet», sagte Travail.Suisse-Präsident Adrian Wüthrich gemäss Redetext.

Gut die Hälfte der Arbeitnehmenden glaubt indes nicht oder kaum daran, dass sie eine vergleichbare Stelle mit vergleichbarem Einkommen fänden, wenn sie ihren Job verlieren würden. Gleichviele erleben zudem keine oder nur eine unzureichende Förderung durch ihren Arbeitgeber. Travail.Suisse fordert daher mehr Investitionen in die Arbeitnehmenden in Form von Aus- und Weiterbildungen.

Die Arbeitnehmenden schätzen zudem ihren Einfluss auf die Gestaltung der Arbeitsmengen und der Arbeitszeiten geringer ein als noch vor vier Jahren. Damit setzt sich der Trend aus dem Vorjahr fort. Der Anteil derjenigen ohne Einfluss auf ihre Arbeitszeiten ist in den vergangenen vier Jahren von 13,1 auf 17,8 Prozent gestiegen. Umgekehrt hat sich der Anteil der Personen mit grosser Gestaltungsmöglichkeit von 29 auf 24,5 Prozent reduziert.

(SDA)


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