«Stunde Null» im Kunsthaus Zürich – Kontraste von 1933 bis 1955

Das Werk "Construction en bois" (1945) von Isabelle Waldberg ist Teil der Ausstellung "Stunde Null. Kunst von 1933 bis 1955" im Kunsthaus Zürich. Sie dauert vom 7. Juni bis 22. September 2019.
Das Werk "Construction en bois" (1945) von Isabelle Waldberg ist Teil der Ausstellung "Stunde Null. Kunst von 1933 bis 1955" im Kunsthaus Zürich. Sie dauert vom 7. Juni bis 22. September 2019. © ProLitteris, Zürich
Mit der Ausstellung «Stunde Null» widmet sich das Kunsthaus Zürich der Frage, wie sich die Kunst zwischen 1933 und 1955 entwickelt hat. Zu besichtigen ist die kontrastreiche Werkauswahl aus der Sammlung des Museums vom 7. Juni bis 22. September.

In den Mittelpunkt seiner Schau stellt der Sammlungskonservator Philippe Büttner die Frage, wie Künstlerinnen und Künstler «auf die massiven Zäsuren von Faschismus und Zweitem Weltkrieg» reagiert haben. Er präsentiert 70 Werke, darunter Gemälde und Skulpturen, die seit Jahrzehnten nicht mehr gezeigt worden sind.

Zum einen dokumentiert Büttner die starken Gegensätze in der Kunst von 1933 bis zum Kriegsende. In ihren Unterschieden spiegeln die Werke die Zerrissenheit, die Suche nach Orientierung in schwieriger Zeit. Zum anderen zeigt die Ausstellung, dass sich mit dem Kriegsende, der «Stunde Null», eine neue künstlerische Sprache zu entwickeln beginnt, eine neue Freiheit des Ausdrucks.

In den Dreissiger- und frühen Vierzigerjahren stösst konventionelle Kunst zum Beispiel von Hermann Huber («Spinnendes Mädchen», 1940) oder Ernst Morgenthaler («Der Arbeitslose», 1939) auf ebenfalls gegenständliche, aber moderne Malerei etwa von Max Gubler («Selbstbildnis mit Familie Leroy im Atelier», 1941).

Daneben stechen die stärker international vernetzten Schweizer Positionen hervor. Zu nennen sind Serge Brignoni («Tête», 1933) und Otto Tschumi («Femme assise», 1939), die dem Surrealismus nahe stehen, aber auch die schon damals Ungegenständlichen Fritz Glarner («Painting», 1937) oder Sophie Taeuber-Arp («Douze Espaces», 1939).

Mit dem Kriegsende setzen die Schweizer Ungegenständlichen ihren Führungsanspruch durch. Sie befinden sich in bester Gesellschaft mit internationaler Kunst von Wols («Le bateau ivre», 1951) oder Jackson Pollock («Number 21», 1951). Dass nach dem Krieg aber auch figürliche Positionen weiterhin stark vertreten sind, zeigen die Gemälde «La mère de l’artiste» (1947) von Alberto Giacometti oder «Bertelé, écrevisse au sinus» (1947) von Jean Dubuffet .

Eindrucksvoll ist die innovative Präsenz von Künstlerinnen: Neben Sophie Taeuber-Arp sind auch Germaine Richier («Le crapaud», 1942), Isabelle Waldberg («Construction en bois», 1945), Hilla von Rebay («With Tenderness», 1946) oder Verena Loewensberg («Bild 17», um 1950) vertreten.

Zu den innovativsten Künstlern gehört Jean Tinguely als Vertreter des Nouveau Réalisme. Sein «Relief méta-mécanique sonore I» von 1955 bildet den zeitlichen Schlusspunkt der spannungsvollen Ausstellung.

«Provenienz im Fokus» heisst eine kleine Begleitausstellung zu «Stunde Null». Sie dokumentiert Resultate aus dem vom Bundesamt für Kultur unterstützten zweijährigen Provenienz-Forschungsprojekt der Grafischen Sammlung. Unter der Leitung des wissenschaftlichen Mitarbeiters Joachim Sieber wurden 3900 Werke untersucht, die im Zeitraum von 1933 bis 1950 in die Grafische Sammlung des Kunsthauses gelangt waren. Dabei handelt es sich auch um Werke von Lovis Corinth, Otto Dix, Käthe Kollwitz und Edvard Munch.

Verfasser: Karl Wüst, ch-intercultur

(SDA)


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