«Teilweise fehlt Wasser und Futter»

Von Fabienne Engbers
Weil viele Bergquellen versiegt sind, bringen die Bauern Wasser auf ihre Alp.
Weil viele Bergquellen versiegt sind, bringen die Bauern Wasser auf ihre Alp. © KEYSTONE/Gaetan Bally
Die Bauern auf den Ostschweizer Alpen haben nicht genug Wasser und Futter für ihre Tiere. Einige treten die Alpabfahrt daher früher als geplant an – ganz und gar nicht freiwillig.

Alle Kantone im FM1-Land haben Massnahmen erlassen, um die Bauern zu entlasten. Geschützte Wiesen dürfen früher geschnitten werden, die Landwirte dürfen früher von der Alp und erhalten trotzdem Beiträge. Dies sei in allen Kantonen nötig, die Lage sei angespannt, sagen die Ämter auf Anfrage.

«Manchen Alpen geht das Wasser aus»

Vor allem Alpen, die in tieferen Lagen und an Südhängen sind, kämpfen mit der Trockenheit. «Beispielsweise im Toggenburg und in der Linthebene gibt es Alpen, die kein Wasser und kein Futter mehr für ihre Tiere haben», sagt Markus Hobi, Leiter Amt für Landwirtschaft im Kanton St.Gallen. Einige Alpen haben daher bereits einige Tiere von der Alp genommen, darunter beispielsweise die Alp Malbun oder die Alp Schanerberg, schreibt das Tagblatt.

Auch in Appenzell Ausserrhoden wurde auf einer Alp mit der Alpabfahrt begonnen. Die Milchkühe brauchen ausreichend Wasser und Futter, sie werden deshalb von manchen Alpen ins Tal getrieben. «Die Rinder bleiben weiterhin auf der Alp», sagt Jakob Scherrer, Leiter des Amtes für Landwirtschaft in Appenzell Ausserrhoden.

Bauern bringen ihr Wasser vom Tal

Viele Bauern bringen Wasser aus dem Tal auf ihre Alp, trotz der hohen Kosten, die das verursacht. Statt Regenwasser oder Quellwasser für die Brunnen auf der Alp müssen die Bauern das Wasser vom Hahnen nehmen. Dafür mussten bis jetzt noch fast keine Heliflüge auf die Alpen organisiert werden. «Die Bauern helfen sich selbst, in Innerrhoden wurde ein Heliflug lediglich für den Rotsteinpass genutzt», sagt Bruno Inauen, Leiter des Landwirtschaftsamtes im Kanton Appenzell Innerrhoden. Auch in den anderen Kantonen holen Bauern Wasser vom Tal auf die Alp, um die Tiere zu tränken.

Beiträge werden trotzdem gezahlt

Nehmen die Landwirte ihre Tiere früher von der Alp, erhalten sie normalerweise auch weniger Förderbeiträge. Wegen der Trockenheit in diesem Jahr haben die Kantone dieses Jahr allerdings Abstand von dieser Regel genommen. Graubünden und St.Gallen haben dies bereits veröffentlicht, auch beide Appenzell werden den Bauern die vollen Beiträge auszahlen, wenn sie den früheren Abgang anmelden.

Im Kanton St.Gallen gibt es 360 Alpen, im Kanton Graubünden rund 700. Wie viele der Alpen vorzeitig einen Teil ihrer Tiere ins Tal bringen, sei noch nicht abschätzbar. Das werde sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen und hänge davon ab, wie sich das Wetter entwickelt, sagen die Leiter der Landwirtschaftsämter im FM1-Land.

Manche Alpen haben es besser als sonst

Doch lange nicht alle Alpen kämpfen mit Trockenheit und Wassermangel. Vor allem höhergelegene Alpen erleben einen guten Sommer. «Viele Landwirte treiben ihr Vieh erst auf eine Voralp und im Hochsommer dann auf die Hochalp. Diese können in heissen Sommern so wie dieses Jahr einfach länger in den höheren Lagen bleiben», sagt Markus Hobi vom Kanton St.Gallen.

Ausserdem haben viele Alpen, die sonst über feuchte Wiesen und schlechtes Wetter klagen, einen sehr guten Sommer. Prekär sei die Lage für jene, die ihre Tiere auf einer Alp in der Höhe von 1100 bis 1300 Metern über Meer haben und an Sonnenhängen liegen.

(enf)


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