Thiam strebt Gewinn von sechs Milliarden an

"Die Schweiz ist jetzt meine Heimat": CS-Chef Tidjane Thiam hat sein früheres Zuhause in London aufgegeben. (Archivbild)
"Die Schweiz ist jetzt meine Heimat": CS-Chef Tidjane Thiam hat sein früheres Zuhause in London aufgegeben. (Archivbild) © KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hat den Umbau seiner Bank für praktisch abgeschlossen erklärt. Die CS strebe in den nächsten zwei Jahren einen Jahresgewinn von 5 bis 6 Milliarden Franken an, sagte er in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».

«Für die Zukunft heisst unser Ziel ‘Business as usual’», sagte der 56-jährige ivorisch-französische Manager. «Wir haben in drei Jahren Tag und Nacht gearbeitet, um enorme Altlasten aus der früheren Zeit zu eliminieren.»

Wegen Bussen in den USA und Restrukturierungskosten habe die CS einen Kapitalabfluss von 15 Milliarden Franken zu verkraften gehabt. Aufgrund des fehlenden Kapitals sei die Bank in einem Teufelskreis gefangen gewesen. Doch seien dieses Erbe und diese Last aus der Vergangenheit nun «endgültig beseitigt».

Für die nächsten zwei Jahre sei ein Gewinn zwischen 5 und 6 Milliarden Franken realistisch, prognostizierte Thiam. Vor allem das Geschäft mit den Superreichen in Asien will die CS weiter forcieren. Thiam erwartet für 2018, dass die Gewinne der Bank «etwas tiefer» ausfallen würden, da sie immer noch mit hohen Finanzierungskosten zu kämpfen habe.

«Diese sind zurückzuführen auf unsere Kapitalaufnahme während der Finanzkrise», sagte er. «Wir haben vor kurzem bekanntgegeben, dass wir diese teuren Anleihen im Oktober 2018 zurückzahlen werden.» Dies werde 700 Millionen Franken zum Gewinn im Jahr 2019 beitragen. Die Beseitigung dieser Altlasten werde auch im laufenden Geschäftsjahr zu Verlusten von rund 1,4 Milliarden Franken führen. Im nächsten Jahr werde dies reduziert, was sich positiv auf das Ergebnis auswirken werde.

Trotz des kürzlich erfolgten Abbaus von 1’600 Stellen bleibe die Schweiz für die Bank wichtig, sagte Thiam. «Es ist wie im Fussball: Wenn du daheim nicht gewinnst, kannst du auch im Auswärtsspiel nicht siegen.» Die Schweiz als sicherer Hafen sei immer noch attraktiv für ausländische Vermögen. «Besonders wenn die weltweiten Risiken wieder zunehmen, suchen die Kunden Sicherheit.»

Der CEO, der 2015 die Leitung der Grossbank übernahm, schien auch sein Engagement für die Credit Suisse verstärken zu wollen, nachdem er kürzlich eine politische Karriere in seiner Heimat Elfenbeinküste ausgeschlossen hatte. «Die Schweiz ist jetzt meine Heimat, es ist ein tolles Land, und ich fühle mich wohl hier. Mein früheres Zuhause in London habe ich aufgegeben».

Noch immer sei er fast die Hälfte seiner Zeit auf Reisen unterwegs, verriet der Manager. In seinem ersten Jahr bei der Bank sei er 250-mal geflogen. «Nach drei intensiven Jahren freue ich mich auf wieder ein normaleres Leben und auf meine Zukunft hier in der Schweiz.»

(SDA)


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