Thurgauer Bauern bangen um ihr Gemüse

Von Sarah Lippuner
Silvan Ziegler kann noch lachen. Die Hoffnung besteht noch immer, dass er seine Kartoffeln mit Netzwasser bewässern kann.
Silvan Ziegler kann noch lachen. Die Hoffnung besteht noch immer, dass er seine Kartoffeln mit Netzwasser bewässern kann. © FM1Today/Sarah Lippuner
Der heisse Sommer freut die Bademeister, den Bauern aber macht er das Leben schwer. Seit heute Freitag gilt im ganzen Kanton Thurgau ein Verbot für Wasserentnahme aus Bächen und Flüssen. Thurgauer Gemüsebauern müssen nun Alternativen für ihre Bewässerung suchen.

«Die Hitze kam dieses Jahr extrem früh, schon im April hatten wir knapp 30 Grad.» Silvan Ziegler steht auf seinem Kartoffelfeld in Rothenhausen. Die Luft, das Gras, die Erde – alles ist trocken. Der Thurgauer Gemüsebauer belächelt ironisch sein Schicksal: «Es ist einfach ein Seich, meine Felder sind direkt neben der Thur, aber ich darf kein Wasser mehr aus ihr schöpfen.» Der Kanton Thurgau verbucht seit gut drei Monaten ein Niederschlagsdefizit.

Netzwasser ist eine Preisfrage

Ziegler, der nebenbei Vorstandsmitglied im Verband Thurgauer Landwirtschaft ist, sucht nun nach einer Alternative, um seine Kartoffeln zu bewässern. «Ich frage bei der Gemeinde an, ob ich vom Netzwasser Gebrauch machen kann. Das Ganze ist natürlich sehr kostspielig.» Ob und wie lange Ziegler seine Felder mit Netzwasser bewässern kann, ist ungewiss. Es gibt bereits jetzt Gemeinden, die ihr Wasser nur ungern abgeben, da der Vorrat auch für sie knapp ist.

Wenn das Bewässern mit dem Netzwasser nicht gelingt, stehen die Prognosen um Zieglers Ernte schlecht. Ohne Netzwasser und ohne Regen muss er mit hohen Qualitätseinbussen rechnen.

Keine Rasen sprenkeln, keine Autos waschen

Auch Sepp Egger, Gemüsebauer aus Bürglen, hat mit dem Wasserentnahmeverbot zu kämpfen. Etwa 30 bis 40 Hektaren Salat und Kohl warten auf Wasser. Um diese zu bewässern, möchte er ebenfalls Netzwasser aus den Gemeinden beziehen. Gleichzeitig ruft er die Bevölkerung auf, sparsam mit dem Wasser umzugehen. «Mir ist klar, dass Mensch und Tier vor dem Gemüse kommen. Aber uns würde es enorm helfen, wenn die Einwohner ihre Rasen nicht sprenkeln, und ihre Autos nicht waschen würden.»

Kein Regen in Sicht

Eine Woche steten, gleichmässigen Regen bräuchten die Thurgauer Bauern, um das Schlimmste zu überstehen. Dieser ist jedoch nicht in Sicht, es bleibt weiterhin heiss und trocken. Für die Kantone St.Gallen, Graubünden und beide Appenzell ist die Trockenheit nicht gravierend, da die Lagen höher sind und Wasser aus den Bergbächen in die Täler fliesst.

Wegen der Trockenheit gilt in grossen Teilen des Kantons Graubünden (und im Tessin) aber ein Feuerverbot. Auch in Teilen des Kantons St.Gallen herrscht grosse Waldbrandgefahr. Das bedeutet, dass nur in bebauten Feuerstellen ein Feuer entfacht werden darf.

Der TVO-Beitrag zum Thema:


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