Über 100 Kitze vor dem Mähtod gerettet

Von Fabienne Engbers
Drei Jäger und zwei gerettete Rehkitze.
Drei Jäger und zwei gerettete Rehkitze. © PD
Rehkitz-Rettungsdrohnen fliegen in der ganzen Ostschweiz über die Felder und suchen nach roten Wärmebild-Punkten in der Wiese. Denn jeder Punkt könnte ein kleines Rehkitz sein, das die Jäger vor dem Mähtod retten wollen. Der Erfolg dieses Pilotprojekts spricht für sich.

Seit Beginn der Heuernte am vergangenen Donnerstag haben gleichzeitig mit den Mähmaschinen auch die Rehkitz-Rettungsdrohnen ihre Arbeit aufgenommen. In den vergangenen fünf Tagen haben die Drohnen im Kanton Appenzell Innerrhoden bereits 59 Rehkitze vor dem Mähtod gerettet, im Ausserrhoder Vorderland waren es knapp 50. «Das übertrifft die Erwartungen», sagt Ueli Nef, Jagd- und Fischereiverwalter des Kantons Appenzell Innerrhoden.

Rehkitz wird per Wärmebild entdeckt

Die Rettung der Rehkitze ist eine moderne und sehr effektive Methode, die Kitze gesund und munter aus dem hohen Gras zu retten. Denn die Rehkitze sind zur Zeit des ersten Grasschnittes erst ein paar Tage alt. Droht Gefahr, rennen sie nicht weg, sondern ducken sich in die Wiese und werden so Opfer der Mähmaschine.

Die Drohne kann dies verhindern, indem sie die Wiese vor dem Mähen überfliegt. Liegt ein Rehkitz irgendwo in der Wiese, ist dies per Wärmebildkamera ersichtlich. Allerdings müssen die Flüge zu bestimmten Tageszeiten durchgeführt werden. «Der Wärmeunterschied zwischen Wiese und Reh ist nur am Morgen und am späteren Abend sichtbar. Tagsüber heizt die Sonne die Wiese auf und das Rehkitz ist auf dem Wärmebild sichtbar», sagt Ueli Nef. Die Jäger befördern das Kitzlein dann mit Handschuhen an den Wiesenrand und decken es mit einer Holzkiste ab. Nach dem Mähen wird die Kiste entfernt, sodass die Mutter ihr Kitz wieder problemlos findet.

Immer mehr Drohnenrettungen in der Ostschweiz

Der Kanton Appenzell Innerrhoden führt die Rehkitz-Drohnenrettungen dieses Jahr zum ersten Mal durch. Das Appenzeller Vorderland von Wald bis nach Wolfhalden hat bereits letztes Jahr einen Pilotversuch gewagt, FM1Today begleitete die Drohnenretter einen Morgen lang. Im Kanton Thurgau und im Kanton St.Gallen gibt es ebenfalls einzelne Jagdreviere, welche die Rettung von Rehkitzen mit Drohnen angehen.

Der Erfolg der Rettungen spricht für sich, sagen sowohl Ueli Nef, als auch Mirko Calderara, Wildhüter in St.Gallen und Mitverantwortlicher für die Drohnenrettung im Appenzeller Vorderland. «Wir sind sehr zufrieden, mit bis zu drei Drohnen haben wir die Felder abgesucht und an einem Morgen 16 Kitze gefunden», sagt Calderara.

Die Rehkitze werden in Holzkisten an den Waldrand gelegt. (Bild: pd)

Finanzierung der Drohnen ist noch offen

Im Kanton Appenzell Innerrhoden kommt der Kanton zusammen mit dem Patentjägerverein für die Kosten der Drohnenrettungen auf, im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist es das Amt für Jagd zusammen mit der Landwirtschaft, welche das Pilotprojekt finanzieren. «Das Projekt dauert drei Jahre, also noch bis kommenden Sommer. Der Erfolg zeigt, dass es sich lohnt. Allerdings ist noch nicht klar, wer die Drohnenrettungen finanziert», sagt Mirko Calderara.

Für die Landwirte, welche die Drohnenrettung ganz einfach telefonisch anfordern können, ist das Absuchen ihrer Felder kostenlos. Zusätzlich ziehen sie nur Vorteile aus dem Angebot. «Würden sie ein Rehkitz mit der Mähmaschine erwischen, verursachen sie grosses Tierleid, die Mutter sucht ihr Kitz mehrere Tage. Ausserdem könnte der Kitz-Kadaver das gesamtes Heu vergiften, denn manche sind Träger der Botulismus-Bakterien», sagt Ueli Nef. Deshalb werde in den kommenden Monaten diskutiert, wie die Drohnenrettung auch in anderen Teilen der Ostschweiz fortgeführt werden könnte.


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