Universität Bern leistete wichtigen Beitrag zur Weltraumforschung

August 1969: Der Berner Physikprofessor Johann Geiss (Bild links) hält einen Vakuumzylinder in der Hand, in dem sich ein Sonnensegel (Bild rechts) befindet, das auf der Reise zum Mond mit an Bord war. Das Sonnensegel diente der Messung des Sonnenwindes (Archivbild)
August 1969: Der Berner Physikprofessor Johann Geiss (Bild links) hält einen Vakuumzylinder in der Hand, in dem sich ein Sonnensegel (Bild rechts) befindet, das auf der Reise zum Mond mit an Bord war. Das Sonnensegel diente der Messung des Sonnenwindes (Archivbild) © KEYSTONE/STR
«Three, two, one, liftoff»: Am Wochenende feiert die Universität Bern mit der Bevölkerung das 50-Jahr-Jubiläum der Mondlandung. Seit fünf Jahrzehnten gehört die Schweiz zu den aktivsten Staaten in der Weltraumforschung.

Bis heute ist die Universität Bern an zahlreichen Missionen beteiligt, im Herbst wird sie erstmals zusammen mit der europäischen Weltraumagentur ESA eine solche leiten. «Die Schweiz spielt in der Champions League der Raumfahrt», betonte Renato Krpoun vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation am Freitag vor den Medien in Bern.

«Wir können zu Recht stolz sein», sagte auch Christian Leumann, Rektor der Universität Bern. Die Universität Bern sei seit Jahrzehnten an internationalen Weltraummissionen beteiligt, wie aktuell mit der Kamera CaSSIS, die gestochen scharfe Bilder vom Mars liefere. Im Herbst dieses Jahres soll sich das Weltraumteleskop CHEOPS auf die Suche nach lebensfreundlichen Exoplaneten machen.

Die Universität Bern habe «die erste Raketenstufe» seiner Karriere gezündet, sagte der aus Heiligenschwendi BE stammende Nasa-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen.

Die Schweiz und die Universität Bern spielten eine wichtige Rolle in der Weltraumforschung. Dies sei oft gar nicht so bekannt. «Vielleicht sind die Berner einfach zu demütig», merkte Zurbuchen scherzhaft an.

Den eigentlichen Startschuss zur Berner Weltraumforschung legte die Appollo-11-Mission mit ihrer erfolgreichen Mondlandung 1969.

Astronaut Buzz Aldrin entrollte auf dem Mond, noch vor der US-amerikanischen Flagge, ein Sonnenwindsegel der Universität Bern. Dieses war von Johannes Geiss am physikalischen Institut entwickelt worden. Zurück in Bern lieferte die Folie unschätzbare Informationen über die chemische Zusammensetzung der Sonne.

Seither hat die Universität Bern wichtige Beiträge für zahlreiche Weltraummissionen geleistet. In der breiten Bevölkerung erlangte etwa die Rosetta-Mission zum Kometen «Chury» grosse Bekanntheit. Zum ersten Mal gelang es, ein Landmodul auf der Oberfläche eines Kometen abzusetzen. Die Universität Bern steuerte das Massenspektrometer Rosina bei. Die von Rosina gesammelten über zwei Millionen Datensätze werden seither ausgewertet.

Wichtige Instrumente, die an der Universität Bern entwickelt wurden, waren oder sind an der Erforschung von Planeten wie Venus, Merkur oder Jupiter beteiligt. Auch für eine Reise zu den Polen der Sonne konnte die Universität Bern ein Massenspektrometer beisteuern.

In den vergangenen fünf Jahrzehnten flogen Instrumente der Universität Bern 25 Mal mit Raketen ins All, neun Mal ging die Reise mit Ballonflügen in die Stratosphäre. Über 30 Instrumente flogen auf Raumsonden mit. Mit CHEOPS wurde gar ein ganzer Satellit gebaut.

Ziel der Berner Weltraumforschung war und ist, die Entstehung und Entwicklung des Sonnensystems sowie den Ursprung des Lebens zu ergründen. Mit leistungsstärkeren Raketen und Raumsonden verlagerte sich das Forschungsinteresse immer weiter ins Weltall.

«Wenn wir etwas vom Mond gelernt haben, dann, wie wichtig die Erde ist», betonte Zurbuchen mit Blick auf die erste Mondlandung vor 50 Jahren. Durch die Weltraumforschung «verstehen wir unsere Erde besser und können Zusammenhänge beschreiben, die wir bisher nicht verstanden».

«Wir finden unglaubliche Dinge über die Erde heraus, aber vieles macht uns nicht stolz», sagte Zurbuchen mit Verweis auf den oftmals wenig sorgsamen Umgang der Menschen mit ihrem Planeten. Ein Ziel der Wissenschaft müsse es sein, die Befunde verständlich darzulegen, damit man die Allgemeinheit und die Entscheidträger erreichen könne.

«Wir lernen viel darüber, wie es Planeten ergehen kann», doppelte Günther Haslinger nach, Wissenschaftsdirektor der Europäischen Weltraumagentur ESA. «Wenn wir mit der Erde so weitermachen, besteht die Gefahr, dass wir irgendwann wie die Venus werden.» Doch Menschen verfügten über Innovationskraft, um anstehende Probleme zu lösen, zeigte sich Haslinger optimistisch.

Die Weltraumforschung könne dazu ihren Beitrag leisten, etwa in Form neuer Werkstoffe, die gefunden oder aufgrund von Entdeckungen entwickelt werden könnten.

(SDA)


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