«Unser Hausschwein ist ein Denker»

Von Noémie Bont
Minipig Kimi mit seiner Besitzerin Rosmarie Langjahr in Amriswil.
Minipig Kimi mit seiner Besitzerin Rosmarie Langjahr in Amriswil. © (Bild: FM1Today/Noémie Bont)
Wäsche abhängen, Geschirrspülmaschine einräumen und die Zeitung holen: Wir haben das coolste Familienmitglied der Ostschweiz getroffen. Es heisst Kimi und hat vier Beine.

Es ist ein ganz spezieller Besuch in Amriswil. Die Haustürklingel läutet und statt des Bellens eines Hundes hört man bei der Familie Langjahr im Thurgau ein dumpfes Grunzen. Die Tür wird von Rosmarie Langjahr geöffnet. Die Schuhe nimmt einem der neue Butler der Familie ab: Kimi, das Hausschwein.

Seit mehr als einem Jahr lebt Kimi nun bei der Familie Langjahr. Nach seiner Geburt wurde er von der Mutter verstossen, auch seine Schwester mochte ihn nicht. Er sei schon immer anders gewesen, sagt die Besitzerin Rosmarie Langjahr. «Er war nicht so der Springer, mehr der Denker.» Nicht zuletzt wegen seiner Strohallergie und seiner Laktoseintoleranz braucht er eine Sonderbehandlung.

Kimi, die Haushaltshilfe

Freiwillig begann er, sich im Hause der Familie zu beschäftigen. Immer wieder schnappt er sich Objekte, die auf dem Boden liegen und bringt sie an das richtige Ort. Die Zeitung stellt er auf den Stuhl, das Portmonnaie legt er in den Einkaufskorb, seinen leer gegessenen Teller bringt er eigenhändig zur Spülmaschine und den Abfall trennt er in die richtigen Eimer. «Irgendwie hab ich das Gefühl, dass er versteht, was ich ihm sage», erzählt Rosmarie Langjahr völlig verblüfft.

Am liebsten beschäftigt sich Kimi mit Zeitungen. Während der Unterhaltung mit Langjahr hört man im Hintergrund immer wieder das Zerreissen einer Seite der Thurgauer Zeitung. «Kimi liebt Zeitungen. Morgens packt er die Zeitung jeweils sobald sie da ist und nimmt sie mit zu sich ins Bettchen. Sonst macht er im Haus aber nichts kaputt», erklärt Langjahr. Sie hat eine ganz spezielle Bindung zu Kimi und denkt sich deshalb auch immer wieder neue, kreative Spiele für ihn aus. Wie dieses Video zeigt:

«Er könnte uns überleben »

Schweine sind sehr intelligente Tiere. Insgesamt können sie sich 140 Befehle merken, erklären die Schweine-Besitzer Langjahr. Alle Schweine sind grundsätzlich sehr lernfähig. «Wir leben nahe einer befahrenen Strasse, die gefährlich ist. Aber wenn ich meinen Schweinen sage, dass sie am Strassenrand auf mich warten sollen, tun sie das ausnahmslos», führt Rosmarie Langjahr aus. Seit dreissig Jahren hat die Familie Langjahr neben Ponys auch Schweine bei sich zuhause. Aber so etwas wie Kimi ist eine Ausnahmeerscheinung.

Das Hausschwein Kimi ist nun 15 Monate alt. Da aber Schweine bis zu 20 Jahre alt werden können, «könnte Kimi uns wahrscheinlich überleben», erklärt der Ehemann von Rosmarie Langjahr schmunzelnd.

Ein Gspänli für Kimi

Sobald die Familie Besuch erhält, ist das Hausschwein Kimi völlig aufgedreht. Es muss dann immer im Mittelpunkt stehen. «Wir machen jeweils ein Spielchen daraus und geben ihm seinen Teller. Er stolziert dann einmal rund um den Tisch, mit dem Teller im Mund. Kimi erhält dann von jedem Gast ein Popcorn auf den Teller gelegt», sagt Langjahr. Trotzdem soll sich Kimi schon bald mit einem weiteren Hausschwein unterhalten können. Kimi erhält schon bald ein jüngeres Gspänli.


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