Love Island, Bachelor & Co

Du schaust gerne Trash-TV? Forscher belegen Langzeitrisiken fürs Gehirn

Christoph Thurnherr, 20. September 2021, 17:13 Uhr
Das vermeintlich problemlose Schauen von einschlägigen TV-Formaten bleibt nicht ohne Konsequenzen: Übertreibt man es dabei, kann das Gehirn langfristig Schäden nehmen. Laut Forschern wird damit sogar Altersdemenz begünstigt.
Anspruchslose Formate wirken sich nicht gerade positiv aufs Gehirn aus.
© imago

Da gibt es nur zwei Meinungen: Entweder man macht einen weiten Bogen um Sendungen wie Temptation Island, Bachelor oder Dschungelcamp oder man zieht sich genüsslich die beschämenden Flirt- und Sprechversuche der oftmals völlig überdrehten Kandidatinnen und Kandidaten rein.

Trash-TV ist ein bisschen wie Marihuana. Die meisten haben schon mal, viele geben es sich regelmässig, einige brauchen es jeden Tag. Aber zugeben tun es die wenigsten. Und wie eine Langzeitstudie nun zeigt, hat das Konsumieren seichter Unterhaltungssendungen ähnlich schwerwiegende Auswirkungen auf das Gehirn, wie der Konsum fragwürdiger Substanzen.

Langfristige Folgen 

Trash-TV verlangt vom Konsumenten kaum eigene Gehirnaktivität: Man muss weder einer komplexen Geschichte folgen, noch selbst Überlegungen anstellen oder sonst eine kognitive Leistung erbringen.

Und das ist offenbar Gift fürs Gehirn. In einer im Fachjournal Brain Imaging and Behaviour veröffentlichten Studie haben Forscher die Gehirne von rund 600 Personen überwacht. Sie konnten dabei einen Zusammenhang zwischen der Beschaffenheit der Hirnmasse und dem Fernsehkonsum der Teilnehmer feststellen.

Die Probanden, welche zwischen 1990 und 2011 durchschnittlich zwei bis drei Stunden anspruchslose Sendungen pro Tag konsumierten, wiesen ein kleineres Volumen beim frontalen und entorhinalen Kortex auf. Dieser ist unter anderem für ein funktionierendes Gedächtnis zuständig.

Darüber hinaus war bei den Trash-TV-Konsumenten auch deutlich weniger graue Hirnmasse vorhanden, als bei der Gruppe die sich anspruchsvollerer Unterhaltung zuwandte. Auch kognitiv erbrachten die Fernseher schlechtere Leistungen.

Alternativen suchen

Bereits geringer Konsum von Trash-Serien soll sich negativ auf die Hirnleistung auswirken, was ihm Alter Demenz begünstigen könne, schreiben die Forscher. Nicht einmal Sport und ein allgemein gesunder Lebensstil könnten den Konsum der Serien ausgleichen.

Zu empfehlen sind Formate wie Love Island laut der Studie also nicht. Besser ist demzufolge so ziemlich alles: Sendungen, wo man den Grips etwas anstrengen muss, Gesellschaftsspiele. Oder sogar Videospiele. Diese fordern insbesondere die kognitiven Fähigkeiten.

Als unsere Eltern früher also sagten, dass wir beim Fernsehen noch verblöden werden, hatten sie durchaus recht. Ob sich davon jedoch jemand vom Trash-TV-gucken abhalten lässt? Wohl eher nicht.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 20. September 2021 17:12
aktualisiert: 20. September 2021 17:13
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