Nach sieben Jahren

«Habe jetzt eine Jüngere» – FM1Today-Redaktor trennt sich von PS4

Christoph Thurnherr, 31. Oktober 2020, 10:21 Uhr
Schluss machen ist nie schön. Da kann man sich noch so viel Mühe geben.
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Die beiden wirkten jahrelang unzertrennlich. Sie vergab ihm sämtliche Fehltritte, er huldigte ihrer unnachahmlichen Eleganz. Doch statt nach sieben Jahren den nächsten Schritt zu gehen, folgt die Trennung. Und das aus niedersten Gründen. Ein Abschiedsbrief.

Als wir uns vor sieben Jahren das erste Mal gesehen haben, war ich sofort hin und weg. Deine markanten Züge haben mich vom ersten Augenblick an in ihren Bann gezogen, das zumeist blaue Leuchten deiner LED-Anzeige vermittelte mir stets deine volle Aufmerksamkeit.

Wenn ich deinen Dualshock-4-Controller in die Hand nehme, beruhigt mich das im selben Moment, wie es mich aufregt. Ich kenne jede Rille auf jedem Schalter, die kleine Einbuchtung auf deinem L2-Trigger. Die Viereck-Taste, bei der man mittlerweile etwas fester drücken muss.

Ich kenne dein morgendliches Summen und dein abendliches Stöhnen, wenn wir stundenlang miteinander gespielt haben. Wir hatten die beste Zeit, meine Liebe. Doch unsere Zeit ist um.

Gute und Schlechte Zeiten

Du bist eine klassische Schönheit, meine liebe Playstation 4. Stets schwarz gekleidet, trägst du eine Eleganz zur Schau, die andere Spielkonsolen niemals erreicht haben. Lange Zeit gehörtest du auch zu den Leistungsfähigsten unter deinen Konkurrentinnen.

Trotzdem habe ich dir nicht immer die Wertschätzung zukommen lassen, die du verdient hättest. Bestimmt habe ich auch deine Erwartungen nicht immer erfüllt – etwa bei Far Cry 4 oder Horizon Zero Dawn, wo ich den Faden verloren habe. Manchmal hast du aber auch einfach kranke Sachen von mir verlangt, oder hast du etwa The Evil Within schon vergessen? Und was ist mit No Man's Sky? Da hast du mich einfach nur enttäuscht.

Aber darauf will ich jetzt gar nicht herumreiten. Da entsteht schon fast der Eindruck, wir hätten es nicht gut gehabt. Das stimmt nicht. Unsere Beziehung baute auf beständigen Werten wie Fifa auf, lebte von überwindbaren Konflikten wie God of War und Wolfenstein und gipfelte im atemberaubenden Witcher 3.

Immerhin kann ich mir nicht vorwerfen lassen, dass ich dir zu wenig Zeit gewidmet hätte. Und manchmal ging ich auch Kompromisse ein, habe andere mitspielen lassen.

Jünger, sportlicher, schöner (?)

Abgesehen davon, warst du stets treu. Im Gegensatz zu mir, der ich immer wieder fremdgegangen bin. Ich habe mich mit Nintendo vergnügt, Nächte mit Wii und Wii U verbracht. Auch mit älteren Semestern hatte ich meinen Spass, was du erduldet hast. Ja, auch die immer wieder aufkommende Geschichte mit der 64-er hast du mir verziehen.

Umso schwerer fällt es mir nun, dir sagen zu müssen, dass ich mich für eine Jüngere entschieden habe. Sie ist sogar mit dir verwandt. In drei Wochen wird sie die Welt im Sturm erobern. Sie verspricht, ganze Welten mit mir zu erkunden, die es so noch nicht zu sehen gab –und das in einer besseren Auflösung und erst noch ohne Ladezeiten. Da kannst du einfach nicht mithalten.

Doch es gibt auch Trost für dich, meine Liebe: In Sachen Aussehen kann dir die PS5 nicht mal ansatzweise das Wasser reichen.

Ich bin sicher, du findest wieder jemanden. Und bis dahin, können wir ja noch ein wenig miteinander spielen, oder?

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 31. Oktober 2020 10:20
aktualisiert: 31. Oktober 2020 10:21