Namen

Ich heisse Nina Müller und es nervt

Nina Müller, 29. August 2019, 11:23 Uhr
Menschen mit ausländisch oder kompliziert klingendem Namen haben es oft nicht einfach in der Schweiz. Ständig müssen sie ihn buchstabieren oder x-fach wiederholen. Doch auch ein sehr gewöhnlicher Name kann nervenaufreibend sein. Ich weiss, wovon ich spreche.
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Ich heisse Nina Müller. Einfach auszusprechen – egal von welchem Erdteil jemand kommt – und auch die Schreibweise scheint keine Hürde zu sein. Mitnichten!

Es fing schon nicht gut an. Als ich geboren wurde, meinte meine Oma, dass Nina kein richtiger Name sei – höchstens eine Abkürzung. Diese Meinung teilten aber nicht viele Schweizer, im Gegenteil. Ganz viele beschlossen in den nächsten Jahren, ihre Mädchen Nina zu nennen. Seit den 70er-Jahren ist mein Vorname praktisch durchgehend einer der beliebtesten. Im Jahr 2017 war Nina immer noch in den Top 10.

 
Die Freundin meines Bruders

Bei so vielen Ninas ist es nicht verwunderlich, dass die feste Freundin meines Bruders – ratet mal – Nina heisst. Es ist befremdlich, wenn du hörst, wie dein Bruder plötzlich zärtlich deinen Namen schnurrt. Es brauchte einige Zeit, bis ich merkte, dass die Zärtlichkeit nicht mir gilt. Weniger Mühe habe ich damit, wenn mir seine Freunde am Geburtstag seiner Liebsten gratulieren. Aber auch da: sorry, falsche Nina. Meine Mutter glaubt regelmässig, dass ich auf Besuch komme. Sorry again, die andere Nina kommt.

Einmal tuschelten meine Freunde, ich hätte Sex mit einem Bekannten gehabt. War aber auch eine andere Nina, das Gerücht hat sich trotzdem eine Weile gehalten.

Die Freundin meines Vaters

Damit aber immer noch nicht genug: Die beste Freundin meines Vaters heisst ebenfalls Nina. Da ich mit meinem Vater unter einem Dach wohne, sorgt auch die beste Freundin regelmässig für Verwirrung. So wissen meine Geschwister nie, mit wem Papa zu Abend isst, wenn in dem Zusammenhang der Name Nina fällt. Ich musste mich auch daran gewöhnen, dass er nicht über mich spricht, wenn er jemandem am Telefon über Nina erzählt.

 
Bei der Arbeit ist es nicht einfacher für mich. In der Redaktion arbeiten mit mir drei Ninas und zwei Müllers, immerhin keine weitere Nina Müller. Ständig fühle ich mich angesprochen, obwohl in zwei von drei Fällen eine andere Nina und der Hälfte der «Müller-Fälle» die andere Müller gemeint ist. Es wird mir auch ständig ein Telefon in die Hand gedrückt, weil Frau Müller oder eine Nina verlangt wird. Das bin aber mit recht hoher mathematischer Wahrscheinlichkeit nicht ich.

«Arbeitet deine ganze Familie hier?»

Die Präsenz einer zweiten «Müller» in der Redaktion animiert meine Kollegen zu klassischen Witze wie: «Höhö, arbeitet deine ganze Familie hier?» oder «Ah, tauscht ihr immer unter euch Müllern ab». Auch «Alles Müller oder was?» habe ich mindestens einmal zu viel gehört. Wie Müller Milchreis schmeckt, kann ich übrigen auch nicht sagen, es nützt also nichts, wenn mir jemand den Werbeslogan vorsingt.

Weniger für Witze geeignet ist mein Vorname. Da fällt höchstens ein «Haha, Nina Hagen!» Und aus der älteren Generation nennt mich manchmal jemand liebevoll «Nina MC».

Lina oder Tina?

Wer sich jetzt denkt, dass ich meinen simplen Vornamen wenigstens nicht immer wiederholen muss, der irrt sich. Folgende Konversation führe ich oft.
«Wie heisst du?»
«Nina.»
«Lina?»
«Nein, Nina.»
«Aaah, Sina!»
«Nein, Nina!»
«Achso, Tina.»
«😒😒.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. April 2019 08:00
aktualisiert: 29. August 2019 11:23
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