Anzeige
Facebook-Dating

Ja, ich hab's wieder getan und mich wieder nicht verliebt – zum Glück

Krisztina Scherrer, 13. Dezember 2020, 07:16 Uhr
Online-Dating zum Zweiten. Nach dem «Be my Quarantine»-Date vom April hat unsere Redaktorin Krisztina Scherrer Facebook-Dating ausprobiert. Und obwohl die grosse Liebe nicht zu finden war, hat sich ihr Leben zum Besseren gewendet.
«Tüfeli», Goofy oder doch der Rosenkavalier? Ich passe bei allen drei.
© FM1Today

Ich wollte dieses Mal richtig bei der Sache sein, mich darauf einlassen und mir Mühe geben, ehrlich. Doch mehrere Faktoren haben mich davon abgehalten. Ja, ich habe es wieder getan: Ich habe mich auf einer Dating-Plattform angemeldet, mich vor mir selbst, aber allen voran vor anderen, geekelt und ganz schnell wieder von der Dating-Plattform abgemeldet. Und ich lernte dabei einiges.

Es geht gegen Weihnachten und Neujahr und irgendetwas in meinem Kopf sagte mir: «Über die Festtage willst du nicht alleine sein.» Wieso auch immer, denn alleine sein, ist immer noch besser, als mit jemandem zusammen sein, den man gar nicht «soooo» toll findet. Aber dazu später mehr.

Nach längerer Abwesenheit auf sogenannten Dating-Plattformen – weil, naja, einfach keine Lust – habe ich von Facebook-Dating gehört. Man legte mir Nahe, ich solle diese neue Form des Internet-Datings ausprobieren. Da bin ich natürlich sofort dabei. Ich probiere gerne Dinge aus, bin offen für die Liebe, wollte es wieder einmal wissen und verbrannte mir erneut die Finger.

So geht «tindern» auf Facebook

Facebook ist ein «soziales Netzwerk». Du kannst dir ein privates Profil zulegen, dich mit Freunden vernetzen, Fotos, Videos oder Beiträge teilen und seit Kurzem eben auch «tindern». Das heisst, du brauchst Facebook, damit du den den Dating-Dienst überhaupt nutzen kannst. Alle, die kein Facebook haben, keine Panik, lest den Artikel fertig, dann seid ihr vielleicht sogar froh darüber. Glaubt mir.

Das Dating-Symbol (oben rechts) macht auf den ersten Blick einen harmlosen Eindruck. 

© Screenshot/Facebook

Gut, Facebook habe ich schon länger, also sollte das Anlegen eines Dating-Profils nicht schwierig sein. Ich drückte also auf das Dating-Symbol in der Facebook-App. Es kommen Sachen wie «Privatsphäre Einstellungen», an welchem Geschlecht ich interessiert sei, welches mein Lieblingsfoto von mir ist und was ich in etwa für einen Mann suche.

Die ersten Schritte waren gemacht. Dann konnte ich mein Profil noch etwas «pimpen» und glaubt mir, liebe Freunde, das habe ich getan. Ich habe es getan, wie ich es nie zuvor tat. Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch und Ungarisch. Gut, ich gebe es zu, die letzten zwei Sprachen spreche ich nicht mehr beziehungsweise noch nicht ganz fliessend – aber ich kann sie, bin stolz darauf und fertig. Ich habe meinen Job hinzugefügt. Ich habe sogar geschrieben, welches Getränk ich gerne habe und angegeben, dass ich nicht rauche.

Nötig war das ganze «ausgefülle» wahrscheinlich nicht, denn ich zog die Männer so an wie Scheisse Fliegen. Und das sage ich nicht, weil ich zeigen will, wie toll ich bin. Sondern – weil – es – so – war. Ich habe mein Profil noch nicht einmal fertiggestellt, nach 10 Sekunden hatte ich 20 Likes, gefühlt 100. Ich war überfordert, bevor es überhaupt begonnen hatte.

Aber, «Krisztina», sagte ich mir, «easy, du lässt dich jetzt einfach mal darauf ein.» Ich swipte, schaute mir die Profile an und las sie aufmerksam durch – denn diese Männer haben viel zu sagen – für meinen Geschmack zu viel. Aber ich wollte nicht voreingenommen sein. Und doch brauchte ich nach zwei Minuten schon eine Pause. Und somit kommen wir zu der langen Liste, wieso Facebook-Dating für mich weit hinter Tinder kommt und es nicht nur deshalb nichts für mich war.

Goofy, Teufelchen und «Donald Trump»

Wie oben erwähnt, stehe ich auf Männer. Und davon gibt es auf Facebook-Dating viele. Und diese Männer sind wirklich gut, wenn es darum geht, sich selber zu beschreiben. Hier eine kleine Auswahl an ach so lustigen und intelligenten Beschreibungen (das ist ironisch gemeint): «Single and ready to mingle», schreibt der 36-jährige Yves. Er ist also auf der Suche nach Freundschaft plus. Mit 36. Jedem das Seine, lieber Yves, aber bestimmt nicht mit mir. Der 25-jährige Danilo findet: «Ich ha nomeh Bilder uf Instagram. Aber wür mi eher als Kameraschüch bezeichne.» Ja klar, Danilo. Und ich heisse Megan Fox. Denn beim Profil durchscrollen, fällt seine Angst vor Kameras nicht auf – mindestens zehn Bilder hat er von sich. «Kamerageil», wäre da eher das richtige Wort. Ich bin zynisch, es tut mir Leid. Danilo hat ja recht, denn bei Dating-Profilen läuft ohne Bilder nun mal nichts. Und bei Danilo und mir läuft ganz bestimmt auch nichts. Ich brauchte eine Pause.

Zwei Tage später traute ich mich wieder auf Facebook-Dating. Es folgten unzählige Beschreibungen des Grauens. Es machte mir keinen Spass. Ich fragte mich, ob ich zu wenig offen und zu voreingenommen bin. Ich swipte mich durch die Profile und schaute mir die Fotos der Single-Männer an. Drei Fotos sind mir da besonders in Erinnerung geblieben.

Ich habe beim Goofy- und beim «Donald Trump J.»-Bild nicht gelacht. Nicht einmal mit den Mundwinkeln gezuckt. Es ist nicht lustig, dass du vor vier Jahren einmal etwas unter einem falschen Namen bestellt hast. Einfach nicht. Und Goofy, ich weiss jetzt auch nicht, wie du in echt aussiehst. Echt nicht. Das dritte Bild war von einem Fasnächtler – gut, ich habe eh schon eine Abneigung gegenüber der Fasnacht – aber ein Foto von sich als «Tüfeli» mit den Worten «Teuflisch gut» ist abturnend. Ultra abturnend.

Mit den wenigen Typen, mit denen es gematched hatte, wollte ich schreiben – ich versuchte es zumindest. Ich will ja aufgeschlossen sein, sage ich mir, doch das war gar nicht so einfach. Denn irgendwie ertappte ich mich dabei, wie es mir peinlich war, dass ich mich auf Facebook-Dating aufhalte. Ich kann nicht genau sagen wieso. Aber es wäre mir unangenehm gewesen, jemanden zu matchen, der jemanden kennt, den ich kenne. Verstanden? Gut, weiter im Text. Einer meiner Matches ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, er schrieb mir folgende Nachricht:

Sportler finde ich schon gut, aber dich irgendwie nicht. 

© Screenshot/Facebook

Und die Moral von der Geschicht... 

Was er mir damit sagen wollte, weiss ich nicht. Ich habe nicht darauf geantwortet. Ich bin mit niemandem ins «Gespräch» gekommen der mir schrieb. Weil, naja, ich habe eine Theorie: Erstens war es mir zu blöd und zweitens wollte ich das ganze Dating-Zeugs nicht noch einmal durchkauen. Ich war und bin müde davon. Müde, Fragen zu beantworten, mich im besten Licht darzustellen – ja, beinahe zu verkaufen. Facebook-Dating hat mir die Augen geöffnet und ich habe Facebook-Dating gelöscht. Ich kann Dating-Apps nicht mehr ernst nehmen. Das soll aber nicht heissen, dass ich Menschen, die Dating-Apps nutzen, verurteile. Ich kenne sogar einige, die ihre grosse Liebe so kennenlernten und mag es ihnen von Herzen gönnen. Das heisst nur, dass Online-Dating für mich nichts ist.

Tja, und weil ich jetzt endlich erkannt habe, dass ich über die Festtage «mega» gut auch alleine auskomme und lieber alleine Guetzli esse und Weihnachtsfilme schaue, habe ich das ganze Online-Dating hinter mir gelassen. Und anstatt mich selber mit all den Männern auf Tinder, Facebook-Dating und Co. weiter zu quälen, liess ich mir einfach zwei Piercings stechen. Tut einmal weh und ich bin die einzige Person, die sich nerven kann, wenn sie sich mit ihren Haaren darin «verhädert».

Autsch!

© Krisztina Scherrer

Ich weiss jetzt schon, wenn meine Freunde das lesen, schauen sie mich an und verdrehen die Augen, als wollten sie mir sagen: «Hast du dich schon wieder auf einer Dating-Seite angemeldet?» Und ich kann nichts anderes antworten als: «Ja, ich hab's wieder getan.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 13. Dezember 2020 07:00
aktualisiert: 13. Dezember 2020 07:16