Liebesspiele

Love-Restart: PS5-und FM1Today-Redaktor unzertrennbar wie nie

Christoph Thurnherr, 12. November 2022, 08:12 Uhr
Es hätte eigentlich mit der Trilogie enden sollen. Konnte es aber nicht: Zu deutlich zeichnete sich bereits kurz nach dem Zusammenkommen der beiden ab, dass es mehr schlecht als recht laufen würde. Und doch: Ein Jahr später ist alles anders.
Folgt da bald der nächste Schritt?
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Singles Day? Singles Week? Die ausgedachten «Feiertage» findiger Kapitalisten sind trotz eines augenfälligen Mangels an Beziehungen nichts für mich. Mich selbst beschenken, um mich dann – mit einer klotzigen Luxusuhr am Handgelenk – doch in den Schlaf zu heulen? Selbstmitleid? Niemals!

Aber ich bin ja auch nicht allein. Nicht so richtig. Zwischen mir und meiner PS5 läuft es nämlich richtig, richtig gut.

Liebe auf den zweiten Blick

Ich muss zugeben, optisch hast du mir anfangs nicht gut gefallen. Tust du eigentlich immer noch nicht. Dass es trotz anfänglicher Schwierigkeiten und einer beinahe erzwungenen Beziehung nun doch so gut läuft, interpretiere ich selbstverständlich als persönliches Wachstum meinerseits: Die ganzen Äusserlichkeiten sind mir nicht mehr so wichtig. Viel entscheidender ist: Wir verstehen uns. Stehen beide auf Rollenspiele, verstörende Dungeons und sind dem gemeinsamen Sport nicht abgeneigt.

Wahrscheinlich liegt es am Alter. Vielleicht auch daran, dass ich dich die meiste Zeit im Schrank wegsperre, was du ohne zu Maulen erträgst. Good Girl!

Kranker, heisser Scheiss

Habe diese Seite an mir ja auch ein bisschen neu entdeckt. Früher reichten mir die farbfröhlichen Welten von Mario und Yoshi, die Happy Ends bei Pokémon und andere Softcore-Spielchen.

Diese Zeit der Unschuld ist jedoch vorüber. Schon früher habe ich ein wenig mit krankem Zeug wie Bloodborne oder Resident Evil experimentiert. So richtig hingegeben habe ich mich der dunklen Seite jedoch nie. Bis ich dich kennengelernt habe. Und Elden Ring.

Am Ende schweisst einen doch nichts näher zusammen, als zum vierzigsten Mal von einer sechshändigen Ausgeburt der Hölle abgeschlachtet zu werden. Freud und Leid (vor allem Leid) haben wir geteilt, während der mehr als hundert Stunden, die wir zusammen in den dämonischen Löchern der Zwischenlande verbracht haben.

Ich wollte oft aufhören, doch deine Gier nach diesen sado-masochistischen Erfahrungen hat mich dann doch bei der Stange gehalten. Das gegenseitige Quälen war irgendwie schön. Und Rütteln kannst du echt gut.

Vatergefühle?

Gut möglich, dass sich diese doch recht extreme Episode bereits wieder dem Ende nähert. Klar, der Kreislauf aus Schmerz und Wonne kann ekstatisch sein – aber mittlerweile hab ich dich echt gern und bringe das nur noch schwer über uns beide.

Auch der neuste Ableger von God of War (ein absolutes Meisterwerk, zieht es euch rein) macht mich nachdenklich. Ja, auch weil Kratos trotz seines fortgeschrittenen Alters in absoluter Topform ist und ich mehr ins Fitness-Studio sollte. Aber vor allem löst die gemeinsame Reise mit seinem Sohn – und dir – in mir ganz neue, ungewohnte Gefühle aus.

Kinder? Familie? Wolfshund?

Für gewöhnlich erwürge ich diese zarte Pflanze in meiner Brust mit einem Grunzen, das dem Gott des Krieges würdig wäre. Aber irgendwie kann ich es nicht. Vielleicht ist es ja doch Zeit für den nächsten Schritt? Für die grosse Frage, den Ring am HDMI-Kabel?

Halt, stopp. Vielleicht habe ich mich doch wieder ein bisschen reingesteigert. Guter alter Schnellschuss. Sind ja erst anderthalb Jahre zusammen – und im Schrank machst du dich ganz gut. Ich schau dann nach God of War mal, ob ich dich rauslasse. Erstmal in 4K durch die nordische Götterwelt metzeln.

Und irgendwann kommt ja doch wieder eine Neue, machen wir uns nichts vor.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. November 2022 16:54
aktualisiert: 12. November 2022 08:12