Liebeserklärung

Oh Gott des Donners, komm über mich

Krisztina Scherrer, 16. September 2020, 11:05 Uhr
Das ist imfall extra kitschig. Danke Celia für's Zusammenbasteln.
© iStock/Montage: FM1Today
Wenn es donnert, blitzt und der Regen auf den Asphalt peitscht, bin ich etwas nervös. Nicht, weil ich Angst habe, nein, für mich gibt es nichts schöneres als ein Sommergewitter. Eine Liebeserklärung in sieben Teilen.

Ich liebe Donner, Blitz und Regen, was vielleicht erstmal etwas brutal tönt. Natürlich finde ich den Sommer toll, doch für mich gibt es (fast) nichts schöneres, als wenn der ewige Sonnenschein mit einem Gewitter unterbrochen wird.

#1 Wetter-App checken

Whatsapp, Snapchat und Instagram können mir gestohlen bleiben. Ich öffne am Morgen als erstes meine Wetter-App. Okay, hört sich vielleicht etwas lahm an – aber dieses Ritual ist für jeden Gewitter-Liebhaber wichtig, glaubt mir. Die App hilft mir nicht nur, mich auf den Tag vorzubereiten («Wie warm wird es? Was soll ich anziehen? Brauche ich einen Schirm?»), sondern ich erfahre durch sie auch, wann und wo ein Gewitter aufzieht. Wetter-App-Liebe.

#2 Vorfreude

Ja, ihr lest richtig – ich verspüre Vorfreude auf ein Gewitter, unter anderem wegen der Wetter-App. Die Sonne scheint stunden-, wenn nicht tagelang herunter und heizt die Stadt auf gefühlt 40 Grad auf. Auf der Arbeit ist es stickig, zu Hause auch. Und wenn ich ins Bett gehen will, nützt auch das offene Fenster so gut wie nichts. (Lustigerweise kuschle ich mich trotzdem immer unter die Decke – aber Schlafgewohnheiten gehören hier nicht hin.) Ich freue mich auf das Gewitter, das unerträgliche Schwitzen hat endlich ein Ende, zumindest für kurze Zeit. Punkt.

#3 Es braut sich was zusammen

Es braut sich was zusammen – einer meiner Lieblingspunkte. Ihr denkt jetzt vielleicht, dass ich vor lauter Vorfreude nicht mehr stillsitzen kann, so ist es schon nicht. Ich geniesse es einfach, vom Balkon oder Fenster aus zu beobachten, wie das Gewitter langsam über St.Gallen zieht. Ich höre Donner und Blitz und weiss: «Jetzt schiffets denn.» Über St.Gallen wird es langsam dunkel und draussen ist es frisch. Schnell noch alle Fenster öffnen und durchlüften, bevor das grosse Gewitter kommt.

#4 Gewitter

Donner und Blitz veranstalten einen riesigen Lärm, der Regen peitscht gegen Fensterscheiben und macht in Sekundenschnelle alles nass. Thor lässt seinen ganzen Zorn raus. Mir macht er damit keine Angst. Am liebsten mag ich den Sommerregen, wenn ich draussen stehe, barfuss auf dem warmen Teer. Ich beobachte auch gerne, wie der Dampf vom Asphalt aufsteigt, sobald der Regen darauf prasselt. Oder einfach nur den Regen riechen – ach, Sommergewitter, du bist das beste, was der Sommer zu bieten hat.

#5 Romantik

Ich bin ehrlich gesagt nicht die grosse Romantikerin. Aber ich wollte es doch noch erwähnen, denn der Regen hat nunmal etwas Romantisches an sich. Und dabei denke ich bewusst nicht an die komischen Hollywood-Schinken, in denen eh immer alles gut kommt. Ich denke an das richtige Leben. Das unerwartete Sommergewitter lässt einen nie vergessen, dass im Leben immer wieder Dinge passieren, die man so nie geplant hat – wie zum Beispiel «pflutschnass» zu werden. Ein «bitzeli» Kitsch ist doch erlaubt, oder?

#6 Erinnerungen

Das eine Mal, als ich noch klein war und wir beim Veloausflug mit der Familie in den «Sommerschiff» gekommen sind: Als Abschluss sind wir gemeinsam in den Pool gesprungen – weil es ja nicht mehr drauf an kam. Oder das andere Mal, als ich mit einer Freundin an einem Daydance war und es auf einmal gep**** hat, so als würde es nie aufhören. Wir entschieden uns, im Regen nach Hause zu laufen. Selten habe ich so gelacht (und ich lache viel) und selten war es mir so egal, wie ich gerade aussehe. Oder an die vielen Male, die ich mit dem Velo in den Lehrbetrieb gefahren bin, partout die Regenhose nicht anziehen wollte (wegen «cool» und so) und dann durchnässt im Büro ankam.

#7 Nachwehen

Am Morgen nach dem Gewitter riecht es nach Regen, draussen ist es frisch und die Strassen sind noch nass. Die Sonne zeigt sich langsam und ich starte gut gelaunt in den Tag. Doch schon nach wenigen Tagen des Sonnenscheins wünsche ich mir wieder ein kleines, aber defitges Gewitter herbei.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. Juli 2020 17:15
aktualisiert: 16. September 2020 11:05