Saufen oder sparen? 7 Lohntypen

Lara Abderhalden, 24. August 2018, 05:33 Uhr
Am besten wäre es ja, seine Finanzen von Anfang an im Griff zu haben. (Symbolbild)
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Für viele Jugendliche begann im August der Ernst des Lebens: die Lehre. Jetzt, Ende Monat, wird man dafür belohnt - es gibt Lohn! Vielleicht können sich die älteren Semester noch daran erinnern, was sie mit ihrem ersten Lohn gemacht haben.

Es ist ein gefühltes Vermögen, die dreistellige Zahl auf dem Konto am Ende des erste Lehrmonats. Die paar Stutz Sackgeld pro Monat haben sich plötzlich vervielfacht. Es fühlt sich an, als wäre man UBS-Banker oder habe sich vom Tellerwäscher zum Millionär hinauf gearbeitet. Dabei hat man lediglich das erste Mal im Leben ordentlich Geld verdient. Umso schneller ist das schöne Geld dann wieder weg. Und so wird es häufig ausgegeben.

Typ 1: «All in»

Dieser Typ Lehrling hebt seinen Lohn vom Konto ab, nimmt das Geldbündel ins Portemonnaie und zieht los. Da eine neue Hose, dort ein neues Parfum, eine Spielkonsole, ein Besuch im Casino, ein Mercedes-Stern für den Nachttisch, eine Krawatte und polierte Lackschüeli - in seinen Warenkorb kommt alles, was Prestige erahnen lässt. Ja nicht anmerken lassen, dass man soeben sein gesamtes Lehrlingsvermögen in den Sand gesetzt hat. Aber hey, wie steht es im Freundschaftsbuch der Oberstufe: «Glücklich ist wer ohne Geld, immer noch Humor behält.»

Typ 2: Sicherheit

Er ist der Typ, der vor jedem Fussgängerstreifen drei Minuten wartet, auch wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist. Dieser Typ verlässt das Haus erst, wenn die Herdplatte komplett abgekühlt ist und kein Lämpchen mehr leuchtet. Dieser Typ steht nachts noch dreimal aus dem Bett auf, um sich zu vergewissern, dass die Haustüre auch wirklich verschlossen ist. Dieser Typ ist kein Draufgänger, er ist Typ Sicherheit. Deshalb transferiert er seinen Lohn entweder direkt auf ein Sparkonto, wandelt es in Gold um oder versiegelt es doppelt und dreifach in einem Schliessfach. Weil: «Doppelt genäht, hält besser.»

Typ 3: «Family first»

«Also ich musste meinen ersten Lehrlingslohn der Familie abgeben», erinnert sich Gerry. So wie Gerry geht es wohl oder übel einigen Gesellen auf diesem Planeten. 16 Jahre lebt man ohne jegliche Geldsorgen, kriegt ein Lätzchen umgebunden und darf so viel in Mamas Kühlschrank «noddern» wie man will. Plötzlich hat man selbst Geld auf dem Konto und kann sich für alle Liebseeligkeiten revanchieren. Die «family first» Gedankenrichtung schlägt vor, dass ein Teil des Lohnes dem Familienkonto zu Gute kommt. Denn: «Die Familie ist wie ein Baum. Die Zweige mögen in unterschiedliche Richtungen wachsen, doch die Wurzeln halten alles zusammen.»

Andere müssen statt zuhause Geld abgeben, einfach die Versicherung, das Essen oder das Zugbillet selbst bezahlen.

Typ 4: Technik-Freak

Während die vergangenen Jahre geprägt waren von vielen «Neins» sobald man ein Computer-Game oder ein neues Handy in der Hand hatte, kann man nun plötzlich selbst über das Geld verfügen. Es braucht kein Mami oder Papi mehr, die oder der die Kreditkarte zückt. Man «weddelt» einfach kurz mit ein paar «Hunnis» und schon liegt der Ipod im Einkaufskorb und von dort nimmt ihn auch niemand mehr weg. Im Verlauf des ersten halben Lehrlingsjahres wird jeden Monat um ein elektronisches Gerät aufgestockt, bis die Mutter den Internetzugang sperrt oder den Strom abstellt. Aber hey: «Es ist immer Licht am Ende des Tunnels.» Kaufst du dir halt deinen eigenen Internetzugang. Mit dem 13. Monatslohn. Bähm!

Typ 5: «Hoch die Hände, Wochenende!»

Der Beginn der Lehre ist nicht nur mit sehr viel Verantwortung, Disziplin und gehobenem Verhalten verbunden, nein, auch mit: «saufen, morgens, mittags, abends, ich will saufen.» Endlich kann man auch zum Feierabendbier. Endlich ist man «stächzehni» und geht an den Fünfliber-Abend im BBC. Am Wochenende hängt man nicht länger vor dem Dorfschulhaus herum, sondern geht nach Zürich, dort leistet man sich einen «Gummibärli» für 15 Stutz und dann noch einen und noch einen. So ist der erste Lehrlingslohn innerhalb von ein paar Drinks fast zur Hälfte aufgebraucht. Den Rest braucht man für das Zugbillet, den Nachtzuschlag, den McDonald's-Besuch oder das Taxi. Man hat es ja: «Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts.»

Typ 6: Ballermann

Lloret de Mar, Mallorca oder Bulgarien. Eine Woche. All Inklusive. Das kostete vor rund zehn Jahren so 560 Franken pro Woche. Das ist ungefähr so viel, wie der erste Lehrlingslohn hoch ist. Passt perfekt. Die Ferien sind gebucht. Dieser Lohn-Typ hat aus seinem Lohn relativ viel gemacht: Alkohol muss wegen des All Inklusive-Angebots nicht mehr viel gekauft werden und den Tag durch kann man wegen des Katers eh nicht viel unternehmen und liegt halt auf der faulen Haut.

Achtung: Bei dieser Art von Lohn-Verwertung sollte die Verhütung nicht zu kurz kommen. Gewisse Ferienbekanntschaften könnten sich neun Monate später als teurer herausstellen als eine Packung Kondome. «Du selbst bist für dein Glück verantwortlich.»

Typ 7: Fit, fitter, Sixpack

690 Franken kostet ein Jahrsabonnement bei einem beliebigen Fitnessanbieter. Dieses Geld kriegt man spätestens nach zwei Monatslöhnen zusammen. Viele leisten sich aus ihrem ersten Lohn ein Fitnessabonnement, um nicht nur trink-technisch und geistig, sondern auch körperlich mit den Oberstiften mitzuhalten. Denn: «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.» Oder: «Es ist ein grosser Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.» Das hat zwar nichts mit dem Sixpack zu tun, aber es ist trotzdem eine schöne Weisheit zum Umgang mit dem ersten Lohn.

Es gibt auch zahlreiche sinnvolle Verwendungen für den ersten Monatslohn: Beispielsweise ein schon lange gewünschtes Fahrrad oder eine Spende an eine Hilfsorganisation, ein Patenkind oder ein Musikinstrument. Was habt ihr mit eurem allerersten Monatslohn gemacht? Schreibt es in die Kommentare.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 23. August 2018 11:49
aktualisiert: 24. August 2018 05:33