Coronavirus-schulfrei

Kinder zu Hause: So kannst du sie beschäftigen

Christoph Thurnherr, 17. März 2020, 10:23 Uhr
Eigentlich hat Mama was von kochen gesagt.
© istock
Die Schulen bleiben vorläufig geschlossen, zumindest bis zum 19. April vielleicht auch länger. Eltern, die nun ihre Kinder rund um die Uhr betreuen müssen, stehen vor Herausforderungen sind doch sämtliche Freizeiteinrichtungen geschlossen. Hier ein paar Tipps, falls die Ideen ausgehen sollten.

Wegen des Coronavirus müssen die Kinder noch bis zum 19. April zu Hause bleiben, vielleicht noch länger. Aber kein Grund zur Verzweiflung. Wir haben für euch einige Tipps zusammengetragen. Das könnt ihr jetzt alles mit euren Kindern unternehmen:

Burgen bauen

Das war schon beim Burgenvölkerball in der Schule am besten: Das Errichten der ultimativen, uneinnehmbaren Festung. 

Das Sofa ist die Aussenmauer. Der Küchentisch? Das perfekte Burgfried-Dach. Mit ein paar Wäscheklammern kann man daran ein grosses Badetuch anbringen. Das andere Ende unter einen Hocker klemmen, fertig ist der Stall. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. 

Bevors Znacht gibt aber bitte wieder aufräumen. Zeit haben die Kinder ja genug. Und können dann am nächsten Tag auch wieder von vorne anfangen.

Analoge Spiele

Hier gibt es für alle Altersklassen was Passendes. Wie wäre es denn mal wieder mit einer Runde Risiko? Auf der Weltkarte kann man die Verbreitung des Corona-Virus gut nachvollziehen. Monopoly geht auch immer. Das Leitspiel des Kapitalismus ist eine gute Gelegenheit, die Schattenseiten der Globalisierung zu thematisieren, mit der sich die Welt gerade konfrontiert sieht. 

Es geht natürlich auch unpolitisch: Kleinere Kinder spielen ohnehin lieber Uno. Dann gibt's ja auch noch Kuhhandel, Werwolf, oder Spion.

Spion ist ein sehr unterhaltsames Spiel aus Russland. Dazu braucht man nur einen Stift, Zettel und ein paar Mitspieler. Der Spielleiter schreibt jeweils einen Ort auf Zettel, zum Beispiel «Dschungel» und verteilt sie unter den Mitspielern. Nur einer bekommt einen Zettel, auf dem «Spion» draufsteht. Diese Person kennt also den Ort nicht – muss aber so tun. Die Spieler stellen einander fragen. «Was unternimmst du an diesem Ort?» Für den Spion ist das schwer zu beantworten, er oder sie muss ein wenig Glück haben. 

Wenn es einen Verdacht gibt, dürfen die Spieler abstimmen, wer der Spion ist. Bei einem einstimmigen Ergebnis wird aufgelöst. Wenn der Spion identifiziert wurde, gewinnen die anderen – bei einem falschen Ergebnis der Spion. Falls der Spion den Ort herausfindet, gewinnt er oder sie. 

Schmeiss die Konsole an

Man kann es sich ja auch selbst schwer machen. Und klar, die Kinder sollten nicht die ganze Zeit zocken. Aber damit sind sie ziemlich einfach zufriedenzustellen und man kann sich ein paar Stunden Auszeit –oder Homeoffice – gönnen.

Und ein paar Stunden Mario Kart haben uns damals auch nicht geschadet. Ich habe schöne Erinnerungen ans Zocken mit meinem Vater: Da gab es zum Beispiel Kopf-an-Kopf-Rennen im Nintendo-64-Klassiker Wave Race. Und nach den Querpässen von meinem alten Herrn in Fifa World Cup 98 ein Tor zu machen und den virtuellen Weltmeisterpokal zusammen in die Höhe zu stemmen war besonders schön. Good old days. 

Es gibt es auch viele Spieloptionen mit bildendem Charakter. Zum Beispiel Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging für die Nintendo Switch. Und auch jedes Spiel aus der Legend of Zelda-Reihe bietet knifflige Rätselaufgaben. 

Kochen lernen und Rezepte weitergeben

Nach dem Spielen und Burgen bauen knurrt jung und alt der Magen. Da muss man sich rechtzeitig abkapseln, um das Essen auf den Tisch stellen zu können. Ist dann und wann auch eine gute Gelegenheit, die Hauswirtschafts-Skills der Jungmannschaft ein wenig aufzufrischen. Oder sie überhaupt erst damit bekannt zu machen.

Die familieninternen Rezepte für den perfekten Milchreis oder den Tomatensugo von Opa muss man ja auch irgendwann weitergeben. 

Sonstige Hausarbeiten

Wir bleiben gleich beim Thema. Kinder dürfen ruhig im Haushalt helfen. Genug Zeit haben sie ja. Mit den steigenden Temperaturen ergeben sich auch rund ums Haus zahlreiche Gelegenheiten: Jäten ist bald angesagt. Das Anlegen eines eigenen Gartens macht in Corona-Zeiten auch mehr Sinn als Hamsterkäufe. 

Auch das Auto zu waschen kann die Kinder eine Weile beschäftigen. Und natürlich darf man gute Arbeit mit dem einen oder anderen Fünfliber entlöhnen. Irgendwoher müssen die Kinder das Geld für die Games ja nehmen. 

Gebt den Kindern was sie wollen: Den Fernseher

Auch heute hüten Fernseher die Kinder immer noch äusserst zuverlässig. Per Knopfdruck werden kleine Kinderaugen stundenlang an den Bildschirm gefesselt. Die Auswahl ist dabei grösser und einfacher als je zuvor. Früher waren wir noch Sklaven des linearen RTL2-Nachmittagsprogramms und mussten neben den coolen Sendungen wie Inuyasha, Detective Conan und Pokémon auch Ranma 1/2 und im schlimmsten Fall sogar Sailor Moon über uns ergehen lassen. 

Doch die Schreckensherrschaft der ahnungslosen Programmgestalter ist mit dem Einzug der Streamingdienste endgültig vorbei. Heute haben die Kinder die freie Wahl. Und es gibt ganz gutes Zeugs. Um beim Anime zu bleiben: Lasst sie ruhig Haiyku schauen. Oder Assassination Classroom, HunterXHunter und One Punch Man. 

Es muss ja nicht immer eine erzwungene, pädagogisch extrem wertvolle Art des Zeitvertriebs sein. Frei nach dem Motto: Leave the kids alone. Wussten schon Pink Floyd. 

Das Lesen schmackhaft machen

Wenn es doch etwas gehaltvollere Unterhaltung sein darf, dann begeistert die Kinder fürs Lesen. Auch  der beste Film hat nicht dieselbe Wirkung wie spannend geschriebene Zeilen.Wenn man auf einmal keine Worte mehr sieht, sondern sich nur noch ein Film im eigenen Kopf abspielt. Wenn Buchstaben zu Orten werden, die noch niemand auf die gleiche Art sehen konnte – Lesen kann die Fantasie ganz schön anregen.

Und heute kann man jedes Buch auch überall dabei haben. Als E-Book auf dem Handy. Das ist nicht das gleiche? Vielleicht. Muss es aber auch nicht. 


Geht mal in den Wald

Es gibt einen ganz grossen Profiteur der Corona-Krise. Der hat's aber in sich, ist sogar das Genialste überhaupt: Unser Planet. Es wird viel weniger geflogen, die Industrie steht vielerorts still. Ein Vergleich mit harten Zahlen ist wohl kaum möglich, trotzdem dürften die Emissionen der letzten Wochen so tief gewesen sein wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. 

Eine gute Gelegenheit, dem Planeten Erde mal wieder etwas näher zu kommen. Geht in den Wald. An den See, lauft mal über eine Wiese. Da gibt es kein Corona, dafür sonst viele Dinge zu entdecken. Und ihr stärkt auch noch euer Immunsystem, wenn ihr in der Natur seid. Lernt den Planeten kennen und schätzen in dieser zwangsverordneten Pause vom normalen Leben.

Wenn diese vorbei ist, verhalten wir uns dann vielleicht ein bisschen weniger, als würden wir die Welt hassen. Wahrscheinlich aber nicht. Haltet euch beim Rausgehen an die Empfehlungen des Bundes. Bleibt unter euch, vermeidet Ansteckungsrisiken. 

Drachen steigen lassen 

Das macht vielleicht Laune. Sollte man an einem windigen Tag unbedingt mal wieder machen. Mit der vielen Freizeit ist es ohne weiteres auch möglich, den Drachen vorgängig selbst zu basteln. Da macht das steigen lassen doch gleich noch mehr Spass. Passt auf, dass ihr euch nicht verheddert. 

Sport zu Hause

Während der Corona-Krise haben die Fussballvereine ihren Betrieb völlig eingestellt. Mit einem Jahresbeitrag von rund 300 Franken fällt damit einer der günstigsten Babysitter weg. Da die während dieser Zeit auch keinen Schulsport treiben oder in der Pause Fangen spielen, kann ein wenig körperliche Betätigung nicht schaden. 

Und ganz ehrlich: Euch allen auch nicht. Bestimmt könnt ihr noch irgendwo ein Hockey-Tor und ein paar Schläger auftreiben. Oder ihr entstaubt mal wieder den Ping-Pong-Tisch. Oder die Badminton-Schläger. Da gibt es auch ohne Netz ganz lustige Spielvarianten, zum Beispiel Körpertreffer. 

Egal, wie ihr euch zu Hause mit eurer Familie beschäftigt. Mehr «aufeinander zu hocken» bringt durchaus Chancen mit sich. Und ihr werdet definitiv irgendwann von dieser Zeit erzählen können.

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. März 2020 09:19
aktualisiert: 17. März 2020 10:23