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Denkmal

200-jähriges Löwendenkmal bietet Stoff für Interpretationen

10. August 2021, 13:14 Uhr
Das Löwendenkmal, eine Hauptsehenswürdigkeit von Luzern, ist exakt vor 200 Jahren eingeweiht worden. Das Monument, im Gedenken an den Tod von Schweizer Söldnern errichtet, biete auch heute Stoff zum Nachdenken, erklärten Rednerinnen und Redner an einem Festakt.
Der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli und alt Bundesrätin Doris Leuthard vor dem Löwendenkmal, das vor 200 Jahren eingeweiht worden ist.
© KEYSTONE/PHILIPP SCHMIDLI

Das Löwendenkmal erinnert an den Tod der Schweizer Söldner, die 1792 vergeblich den Königspalast in Paris gegen die revolutionären Massen verteidigten und dabei ums Leben kamen. Die Einweihung des Monuments vor 200 Jahren sei für die progressiven Kräfte eine Provokation gewesen, und das 100-Jahre-Jubiläum sei nur verschämt begangen worden, erklärte Stadtpräsident Beat Züsli (SP) an der Feier.

Denkmäler seien nie widerspruchsfrei, weil sie an umstrittene Umstände erinnerten. Heute sei der Löwe mit seiner Würde, die er ausstrahle, ein Ort der freien Gedanken, sagte Züsli. Er sei froh, dass man sich heute offen und neugierig mit den Facetten des Denkmals auseinandersetzen könne.

Vieles wird nicht gezeigt

Zu einer Auseinandersetzung mit dem Denkmal rief auch die Luzerner Historikerin Silvia Hess auf. Ins Zentrum ihrer Rede stellte sie das, was das Löwendenkmal nicht zeige - etwa wieso Schweizer in Paris auf der Seite des Königs kämpften, und wer gegen wen kämpfte.

Errichtet worden war das Denkmal von Carl Pfyffer von Altishofen, einem Spross einer Patrizierfamilie, die mit dem Söldnerwesen reich geworden ist. Das Denkmal zeige das Selbstverständnis der Patrizier, sagte Hess. Zur Zeit seiner Einweihung sei das Söldnerwesen seinem Ende entgegengegangen. Das Monument könne deswegen auch als Werbung für dieses Geschäft interpretiert werden.

Das Denkmal verschweige auch, dass längst nicht alle Schweizer Söldner dem französischen König während der Revolution die Treue hielten, sondern dass ein Teil desertierte. Der Tod, an den das Denkmal erinnert, gehörte ferner zum Kriegsgeschäft. Ein Drittel der Söldner sei nicht nach Hause zurückgekehrt, sagte Hess. Neben Leid habe das Söldnerwesen Luzern aber auch Reichtum und Wissen gebracht.

Gewalt falsches Mittel

Die Festrednerin, alt Bundesrätin Doris Leuthard (CVP), bezeichnete das Löwendenkmal als Zeitzeuge einer reichen Geschichte und als einträgliche Sehenswürdigkeit. Es sei ein Mahnmal dafür, dass selbst bei löwenhaftem Einsatz Gewalt nicht das richtige Mittel sei.

Leuthard blickte in ihrer Ansprache auf die Welt und die vielen blutigen Konflikte. Wer, wenn nicht die Schweiz, könne und müsse ihre Stimme erheben für Rechtsstaatlichkeit oder für Mitsprache und das friedliche Beilegen von Konflikten einstehen.

Das Löwendenkmal und das Söldnerwesen zeigen gemäss Leuthard aber auch, dass die Schweiz bereits früher international vernetzt war. Frankreich habe die Stellung innegehabt, die heute die EU habe, erklärte die alt Bundesrätin.

Die Feier wurde musikalisch und von einem Spoken-Word-Beitrag von Severin Perrig umrahmt. Zum Schluss gedachten die geladenen Gäste der toten Soldaten und Zivilistinnen und Zivilisten vom 10. August 1792.

Quelle: sda
veröffentlicht: 10. August 2021 12:30
aktualisiert: 10. August 2021 13:14