Kommentar

Billie Eilish bleibt sich treu und tönt trotzdem nach Bond

René Rödiger, 14. Februar 2020, 11:54 Uhr
Billie Eilish reiht sich in die lange Reihe der Bond-Sängerinnen ein.
© Getty Images
Jetzt ist er da: Der Titelsong von Billie Eilish zum offiziell 25. James-Bond-Film «No Time To Die». Doch wie passt er in die lange Geschichte der Bond-Songs? Hat er das Zeug zu einem Klassiker?

Gleich vorweg: Ich bin grosser James-Bond-Fan und habe (fast) alle Soundtracks auf Vinyl. Insbesondere die neueren Bond-Songs spiegeln wie kaum ein Produkt der Popkultur den Zeitgeist wider.

Billie Eilish mit «No Time To Die» bildet hier keine Ausnahme. Es ist ein weiterer Versuch, die Franchise Bond auch für ein jüngeres Publikum attraktiv zu machen. Und trotzdem sollen die alten Fans nicht abgeschreckt werden.

Die dunklen Jahre für Bond-Musik-Fans

Eilish gelingt dieser Spagat. Wir erinnern uns mit Schrecken an die Versuche von Sheryl Crow («Tomorrow Never Dies»), Garbage («The World Is Not Enough»), Madonnna («Die Another Day») oder Chris Cornell («You Know My Name»). Es waren die dunklen Jahre für Bond-Musik-Fans.

Alicia Keys und Jack White («Another Way to Die»), Adele («Skyfall») und Sam Smith («Writing's On The Wall») brachten die Soundtracks langsam wieder auf ein erträgliches Niveau. Nachdem Billie Eilish als Interpretin für «No Time To Die» angekündigt worden ist, befürchtete man eine Rückkehr zum Schlechteren.

Eilish sucht ein breiteres Publikum

Doch wie sich mit Daniel Craig die Figur «James Bond» neu erfunden hat, scheint es, dass Billie Eilish ihr Publikum erweitern will, dass sie zeigen will, dass sie nicht nur für Teenie-Girls Musik macht. Den Anfang machte sie mit ihrer «Yesterday»-Interpretation bei den Oscars, die logische Fortsetzung gibt es jetzt mit «No Time To Die».

Der Song hat alle typischen Elemente eines Bond-Songs, ohne die Individualität der Sängerin zu verraten. Die schöne «Diamonds Are Forever»-Anspielung im Intro, die Monty-Norman-Interpolation und die Hommage an Vic Flicks legendäres Gitarrenspiel. Wollten in früheren Jahren in ihrem Gesangsstil alle der legendärsten Bond-Sängerin Shirley Bassey nacheifern, entscheidet sich Eilish hier für ihren typischen Stil.

Düster, gequält und alleine

Eilish singt wunderbar verwundbar, so wie sich Craig als neuer Bond in «No Time To Die» eben auch fühlt. Vorbei sind die Zeiten, als Bonds Libido mindestens so wichtig war wie seine Walther PKK. Sang zum Beispiel Lulu beim «Man With The Golden Gun» noch «he has a powerful weapon – who will he bang?», heisst es bei Eilish «I should have known I'd leave alone – it just goes to show that the blood you bleed is just the blood you own».

James Bond war noch nie so alleine, so düster, so gequält und so «uncool». Billie Eilish liefert dazu den perfekten Soundtrack.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. Februar 2020 11:54
aktualisiert: 14. Februar 2020 11:54