Das Rattern geht woanders weiter

Claudia Amann, 15. Dezember 2016, 15:28 Uhr
Mit dem Umbau am Bahnhof St.Gallen müssen sich Reisende auch von liebgewonnenen Facetten verabschieden. Die grosse Anzeigetafel beim Treffpunkt ist eine davon. Das Rattern der Fallblätter wird nicht mehr zur Geräuschkulisse des neuen Bahnhofs gehören. Dafür findet die Tafel anderweitigen Einsatz.

Am St.Galler Hauptbahnhof bleibt nur noch die Fassade altehrwürdig. Die ÖV-Verkehrsscheibe der Ostschweiz soll künftig alle Stücke spielen und wird deshalb seit Anfang 2016 erneuert und modernisiert. Nicht nur der Bahnhof selbst, sondern auch der Bahnhofsplatz wird umgestaltet. Die SBB investiert rund 58 Millionen Franken in das neue Areal.

80'000 Bahnreisende benützen den Bahnhof St. Gallen laut SBB täglich und diese Zahl wird voraussichtlich noch zunehmen. Die Bauarbeiten sind derzeit in vollem Gange und sollen voraussichtlich im Herbst 2018 abgeschlossen sein. Den grössten Teil macht die Erneuerung der Rathausunterführung, der Ankunftshalle und die Modernisierung des Bahnhofs- und Dienstgebäudes aus; die Sperrung der Rathausunterführung wird noch ein Jahr anhalten.

Der derzeitige Situationsplan am Bahnhof St.Gallen. (SBB)
Der derzeitige Situationsplan am Bahnhof St.Gallen. (SBB)
© (SBB)

Neue Anzeigetafel ist lautlos

Die meisten Geschäfte am Bahnhof sowie das Reisezentrum bleiben über die gesamte Bauzeit offen. Andere Einrichtungen und Teile werden stückweise abmontiert. Was unter anderem bereits vollständig entfernt wurde, ist die grosse Anzeigetafel im Zentrum des Eingangsbereichs. Sie hat die Passagiere am Bahnhof St.Gallen jeweils mit aktuellen Fahrplaninformationen begrüsst. Und das Rattern ihrer Fallblätter war gewissermassen das Markenzeichen des Bahnhofs.

Durch die künftig neue, digitale Anzeigetafel wird es um einiges leiser werden beim Treffpunkt. Stellt die Anzeige um, wird das nicht mehr zu hören sein. Stattdessen wird die Fahrplananzeige der Zeit angepasst und digitalisiert.

«Die Technologie mit den Fallblättern hat das Ende ihrer Lebensdauer erreicht», sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. «Die SBB hat seit Ende 2014 bereits 16 grosse Generalanzeiger durch die neue LED-Technologie ersetzt - wie nun auch in St. Gallen. Auf einzelnen Bahnhöfen ist die Fallblattechnologie noch bei den Perronanzeigen in Betrieb.»

So soll die Rathausunterführung künftig aussehen. (SBB)
So soll die Rathausunterführung künftig aussehen. (SBB)
© (SBB)

Nicht lange verwaist

Nachdem die drei Meter hohe, viereinhalb Meter breite und rund 700 Kilogramm schwere Fallblatt-Anzeigetafel abmontiert war, fand sie im Nu eine neue Unterkunft - und zwar in einem Lagerraum im ehemaligen Gantamt an der Burgstrasse. Die Stadt St.Gallen als neue Besitzerin des «Generalanzeigers» hat ihn dort untergebracht, um ihn bestmöglich aufbewahren zu können.

Doch soll die mächtige Tafel in dem Lagerraum nicht darben, sondern passend weiterverwendet werden. «Derzeit sehen wir uns nach attraktiven Einsatzmöglichkeiten um», lässt Kristin Schmidt von der Fachstelle Kultur wissen. Da die Tafel frei beschriftbar ist, kann alles mögliche auf ihr erscheinen. Ob Ankündigungen zu kulturellen Aufführungen, Hintergrundinformationen oder Wortkunst - der Gebrauch dürfte vielfältig sein.

Wo genau die Fallblätter der Anzeigetafel in Zukunft zu hören sind, ist noch offen. Klar ist aber: Das Rattern bleibt der Stadt St.Gallen erhalten.

(cla)

 

Claudia Amann
veröffentlicht: 15. Dezember 2016 12:54
aktualisiert: 15. Dezember 2016 15:28