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«Drii Winter» wird als bester Spielfilm ausgezeichnet

Schweizer Filmpreis

«Drii Winter» wird als bester Spielfilm ausgezeichnet

24.03.2023, 22:20 Uhr
· Online seit 24.03.2023, 21:51 Uhr
«Drii Winter» des Luzerner Regisseurs Michael Koch und «Cascadeuses» von Elena Avdijas gewinnen am Schweizer Filmpreis je einen Quartz in den Hauptkategorien Bester Spielfilm und Bester Dokumentarfilm. Mit gleich drei Preisen gewann Ursula Meiers «La Ligne» die meisten Trophäen.
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Am Freitagabend sind in Genf die Gewinnerinnen und Gewinner des Schweizer Filmpreises  2023 verkündet worden. In den beiden Hauptkategorien zeichnete die Schweizer Filmakademie den Spielfilm «Drii Winter» und den Dokumentarfilm «Cascadeuses» aus. Die Preisverleihung fand in Anwesenheit von Bundespräsident Alain Berset im Bâtiment des Forces Motrices statt.

Schweizer Filmkritikerinnen und Filmkritiker haben «Drii Winter» zum besten Schweizer Film 2023 gekürt. «Es ist total bewegend», sagte Regisseur Michael Koch an der Preisverleihung. «Ich bin sehr stolz, dieses Jahr den Preis entgegenzunehmen. Auch die anderen vier nominierten Filme hätten einen Preis verdient», fügte Produzent Christof Neracher an. Nominiert war «Drii Winter» auch in fünf weiteren Kategorien, der Hauptpreis bleibt aber die einzige Auszeichnung.

Reflexion über Geschlechterrollen

Der besten Dokumentarfilm, «Cascadeuses» der Lausannerin Elena Avdija, erzählt die Geschichten der drei Stuntfrauen Virginie, Petra und Estelle. «Dokumentarfilme legen den Finger an Stellen, an denen es weh tut», sagte der Direktor der europäischen Filmakademie, Matthijs Wouter Knol, der den Preis übergab.

Cascadeuses sei nicht nur ein spektakulärer Film über ein spezielles Metier, hiess es an der Preisverleihung, sondern auch eine Reflexion über die Repräsentation von Frauen. Anders als Stuntmänner, die in Filmen meist Actionrollen übernähmen, spielten Stuntfauen in der Regel Opfer, die Gewalt erführen.

Drei Preise für «La Ligne»

Der Film über weibliche Gewalt «La Ligne» von der französisch-schweizerischen Regisseurin Ursula Meier erhielt mit drei Preisen die meisten Auszeichnungen. Die Schauspielerin Stéphanie Blanchoud wurde für ihre Rolle in «La Ligne» mit dem Preis für die beste Darstellerin ausgezeichnet. Die 14-jährige Elli Spagnolo aus Lausanne wurde zur besten Nebendarstellerin gekürt.

Den Preis für den besten Darsteller gewann der Berner Schauspieler Manfred Liechti, der den Amokläufer von Biel in «Peter K. - Alleine gegen den Staat» verkörpert.

Der im Wallis gedrehte Film «Foudre» von Carmen Jaquier geht mit dem Preis für die beste Musik und den besten Ton nach Hause. Der Preis für die beste Kamera geht an «Unrueh» von Cyril Schäublin.

«Heute bin ich schwarz und sichtbar»

Der Dokumentarfilm «Je suis noires» von Rachel M'Bon und Juliana Fanjul, der den Rassismus in der Schweiz dekonstruiert, gewann den Preis für den besten Kurzfilm. In diesem Film sprechen schwarze Schweizerinnen über ihre Erfahrungen mit strukturellem Rassismus. «Heute bin ich schwarz und sichtbar», sagte M'Bon bei der Preisübergabe. Der Preis stehe dafür, dass wir alle Menschen sind.

Der Preis für den besten Animationsfilm ging an «The record» von Jonathan Laskar. Im Film schenkt ein Reisender einem Antiquitätenhändler eine magische Vinylplatte.

Ehrenpreis für Ruth Waldburger

Bundespräsident Alain Berset hat den Ehrenpreis des Schweizer Films Ruth Waldburger übergeben. «Ich danke ihnen wärmstens. Auch persönlich», sagte Berset zu Waldburger. Diese nahm den Preis in Tränen entgegen.

Der Schweizer Filmpreis wird seit 1998 vom Bundesamt für Kultur (BAK) verliehen. Die Preise in den Hauptkategorien Bester Spielfilm und Bester Dokumentarfilm sind mit je 25'000 Franken dotiert.

Darum dreht sich der beste Film «Drii Winter»

Der beste Schweizer Film 2023 «Drii Winter» erzählt die Liebesgeschichte zwischen der Postbotin und Wirtin Anna (Michèle Brand) und dem Landarbeiter Marco (Simon Wisler) in Isenthal in den Urner Bergen. Zusammen mit Annas Tochter Julia wollen sie als Familie «für immer und ewig» glücklich sein. Das Glück währt jedoch nur kurz.

Marco wird ein tödlicher Hirntumor diagnostiziert. Zunehmend verliert er die Kontrolle über seine Impulse. Sein irritierendes Verhalten führt mehr und mehr zu Spannungen in der Beziehung zwischen Anna und Marco, aber auch in der Dorfgemeinschaft.

Der Luzerner Filmemacher Michael Koch, der nach Anfängen als Komödiendarsteller («Achtung, fertig, Charlie!») auf die Regie von Dramen umgeschwenkt ist, setzte beim Schauspielensemble auf Laiendarsteller.

«Drii Winter» war als Vertreter der Schweiz für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. Er schied jedoch im vergangenen Dezember in der Vorrunde aus. Trotzdem war der Schweizerdeutsche Film auch im Ausland erfolgreich. So erhielt er im Februar 2022 an der Berlinale eine lobende Erwähnung.

(sib/sda)

veröffentlicht: 24. März 2023 21:51
aktualisiert: 24. März 2023 22:20
Quelle: ArgoviaToday

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