TVO-Sendung

Ein Jahr voller Meinungen: Der «Stammtisch» hat Geburtstag

12. November 2020, 13:30 Uhr
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Quelle: FM1Today/TVO/Celia Rogg

Die TVO-Sendung «Stammtisch» feiert ihr einjähriges Jubiläum. Wir gratulieren der Sendung in Form eines Gedichtes und Moderator Dominic Ledergerber erzählt, was hinter den Kulissen passiert.

Happy Birthday! Die TVO-Sendung «Stammtisch» feiert ihren ersten Geburtstag. (Das ist die Sendung, in der sich bekannte Personen aus de Ostschweiz ihre Meinungen an den Kopf knallen und die Moderatorin oder der Moderator auf Arbeitszeit Bier trinken darf.) Weil der Stammtisch nun schon ein ganzes Jahr lang für Unterhaltung sorgt, möchten wir uns mit einem nicht ganz ernst gemeinten Gedicht erkenntlich zeigen.

So, nun aber ernsthaft: Hinter der Sendung, die jeden Donnerstagabend auf TVO ausgestrahlt wird, steckt viel Arbeit. Diese erledigt grösstenteils TVO-Moderator Dominic Ledergerber selbst. Im Interview erzählt er uns, ob schon vor der Sendung Bier getrunken wird und was ihn am Stammtisch besonders überrascht.

Du lädst jede Woche Gäste in die Sendung ein. Nach welchen Kriterien wählst du sie aus?

Es sollen Menschen sein, die man kennt, vorzugsweise aus der Ostschweiz. Und ganz wichtig: Sie sollen eine Meinung haben und auch öffentlich für diese einstehen können. Allerdings verzichte ich bewusst auf Gäste mit einer politischen Agenda, solche Talk-Sendungen gibt es ja schon zur Genüge. Statt Fachwissen sollen Meinungen im Zentrum stehen. Als Beispiel: Am Stammtisch ist es viel spannender, wenn Matthias Hüppi über Autoposer spricht als über den FC St.Gallen. Entscheidend ist natürlich auch, dass Gäste mit unterschiedlichen Meinungen am Stammtisch Platz nehmen, was manchmal schwierig abzuschätzen ist.

Dürfen die Gäste auch Wünsche anbringen?

Oh ja, und davon machen sie auch rege Gebrauch (lacht). Ich bereite in der Regel vier Themen vor, meist reicht aber die Zeit nicht für alle. Und wenn ich dann im Briefing vor der Sendung merke, dass meine Gäste für ein Thema besonders brennen, bin ich gerne bereit, vom ursprünglichen Schlachtplan abzuweichen.

Was hebt die Sendung von anderen ab?

Am Stammtisch äussern sich Persönlichkeiten zu Themen, von denen sie nicht zwingend Ahnung haben müssen: Ex-Bachelorette Eli Simic über die US-Präsidentschaftswahl, Schwinger Michael Bless über ein Verbot von Weihnachtsliedern an Wiler Schulen oder Satiriker Ralph Weibel über Kampfhunde. Das macht den Reiz dieser Sendung aus, man weiss nie, wer wie viel und vor allem was er oder sie zu einem Thema zu sagen hat.

Wie entscheidest du, über welche Themen ihr am Stammtisch sprecht?

Ich versuche mir stets vorzustellen, worüber an gewöhnlichen Stammtischen gesprochen wird. So gesehen diktiert die öffentliche Agenda auch ein Stück weit die Themenwahl am Stammtisch. Allerdings eignen sich nicht alle Zeitungsthemen für den Stammtisch. Manchmal ziehen regionale Themen mehr, als grosse globale. Mit dem Thema Elterntaxi in Rorschacherberg können sich unsere Zuschauer besser identifizieren als mit dem Studentenaufstand in Shanghai.

Wie ist es, eine komplett neue Sendung zu moderieren?

Anfangs war es schon eine Reise ins Ungewisse, da man nicht wusste, wie die Sendung ankommt und ob überhaupt Bedarf an einer solchen Talkrunde besteht. Es gab viel zu lernen und das gibt es immer noch. Aber das Feedback der Zuschauer zeigt uns, dass unser Weg so verkehrt nicht sein kann.

Was gefällt dir besonders an der Sendung?

Das Spontane, das Unvorhersehbare. Wenn zum Beispiel eine Diskussion plötzlich Fahrt aufnimmt, obwohl ich dachte, dass es zu diesem Thema vielleicht weniger zu sagen gibt. Als Beispiel kommt mir da die Liaison von Formel-1-Urgestein Flavio Briatore mit einer 50 Jahre jüngeren Frau in den Sinn. Ich dachte, das wird sich eher schnell erledigt haben, aber am Ende taten sich die Gäste fast schon schwer, sich vom Thema zu verabschieden.

Trink ihr schon Bier vor der Sendung?

Die Million-Dollar-Frage (lacht). Ganz im Ernst: Ich bin froh, dass ich mit Vanessa Kobelt nun eine sehr kompetente und zuverlässige Moderatorin an meiner Seite weiss, sodass ich mir auch mal eine Stammtisch-Pause gönnen kann. Und: Ich habe in einem Jahr Stammtisch auch alkoholfreies Bier schätzen gelernt. Ich biete meinen Gästen vor jeder Sendung auch schon Getränke an, Alkohol trinken wir aber in der Regel erst, wenn es losgeht.

Wie ist die Stimmung, bevor es los geht?

Meist sehr gelöst. Spätestens dann, wenn ich mit meinen Gästen den Ablauf und die Themen noch einmal besprochen habe, kann ich abschätzen, ob ein Stammtisch lebhaft wird. Und das ist zum Glück meist der Fall, nicht zuletzt deshalb, weil ich einen Stammpool an Gästen habe, der sehr gerne an der Sendung teilnimmt und ihr Konzept verinnerlicht hat.

Aufgrund der Corona-Massnahmen gibt es den Stammtisch seit geraumer Zeit nur noch mit zwei statt mit vier Gästen. Wie hat dies die Sendung beeinflusst?

Anfangs habe ich mich schon gefragt, ob es so überhaupt noch Sinn macht, ob der Stammtisch so seinen «beizigen» Charakter beibehalten kann. Aber die Talk-Sendungen haben meines Erachtens auch mit zwei Gästen gut funktioniert, so dass ich auch schon mit dem Gedanken gespielt habe, künftig nur noch drei Gäste einzuladen, wenn die Pandemie vorüber ist.

Wen möchtest du unbedingt mal am Stammtisch haben?

Tranquillo Barnetta hat mir in Aussicht gestellt, irgendwann mal vorbeizukommen. Spannend fände ich auch alt Bundesrat Hansruedi Merz oder Kunstturnerin Giulia Steingruber. Ich versuche aber, mir so wenig Grenzen wie möglich zu setzen. Warum nicht mal einen echten Büezer oder eine alleinerziehende Mutter einladen? Ideen gibt es viele, mal sehen, was die Zukunft bringt.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 12. November 2020 13:30
aktualisiert: 12. November 2020 13:30