Mit dem «Fotzenhobel» zum Supertalent

Dario Cantieni, 27. Mai 2019, 06:07 Uhr
Schauli. Das ist nicht nur der Spitzname von Paul Enzler aus dem Appenzellerland. Schauli ist ein Original. Schauli ist ein Garant für gute Geschichten und Lebensfreude. Schauli wird Supertalent – vielleicht.

Sitzt man zu Paul Enzler alias Schauli an den Stubentisch, so hat man innert kürzester Zeit zwei Sachen vor sich: eine Tasse Kaffee (er bietet an, sie mit Schnaps zu verfeinern, auch wenn er selber gar nicht trinkt) und einen Mann, dessen Augen strahlen, dessen Liebe zum Leben ansteckend ist. Einen bunten Hund mit Vollbart und «Route 66»-T-Shirt. 66 könnte für sein Alter stehen. Steht aber für eine seiner grossen Leidenschaften: Motorräder. Die anderen zwei sind Messer und seine Mundharmonika. Mit dieser wird er bald vor Dieter Bohlen stehen.

Ab auf die Bühne!

Angefangen hat alles Ende April. «Aus lauter Blödsinn», wie Schauli sagt, hat er sich mit seiner Mundharmonika bei «Das Supertalent» angemeldet – und es tatsächlich von der Vorausscheidung in Zürich nach Deutschland geschafft. Somit geht's im August von Lustmühle ab nach Bremen. Zusammen mit seinem Freund und Gitarrist George. Grosse Bühne, Fernsehaufzeichnung, Dieter Bohlen. «Ich habe nicht das Gefühl, dass wir es weiter schaffen, aber die Meinung von Bohlen würde ich schon gerne hören. Er ist sehr direkt und wenn du nichts kannst, sagt er's dir direkt ins Gesicht.»

Die Geschichte passt zum Leben von Schauli (einige Leute wissen nicht einmal, wie er mit richtigem Namen heisst). Er macht, was er liebt, ohne gross nachzudenken. Manchmal, wenn er eine Band auf der Strasse oder an einem Fest sieht, stellt er sich daneben und begleitet sie mit der Mundharmonika. «Nicht alle sind darüber begeistert», schmunzelt er und gibt eine Kostprobe auf einer seiner über dreissig Mundharmoniken.

Wie Peter Enzler alias Schauli an der Mundharmonika tönt und wie er zu seinem Spitznamen gekommen ist, siehst du im Video.

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Quelle: FM1Today

Die Sache mit dem «Fotzenhobel»

Behutsam nimmt er ein Instrument nach dem anderen aus Vitrinen, Etuis und Schränken. Die Mundharmonika ist sein treuer Begleiter. «Ich habe immer einen «Fotzenhobel» und ein Messer dabei», sagt Enzler – pardon – Schauli. Zuckt man beim Wort Fotzenhobel zusammen, erklärt er gerne, was es damit auf sich hat. «Als ich in Bayern gespielt habe, wurde ich als ‹der Schauli mit dem Fotzenhobel› angekündigt. Aus einem einfachen Grund. In Bayern ist der Mund ‹die Fotzen›, somit die Mundharmonika der Fotzenhobel.»

Seit zehn Jahren führt er ihn an seine Lippen. Davon zeugen Fotoalben, die Schauli auf der Bühne zeigen. CDs, die er mit Bands aufgenommen hat und Bilder, die in seiner Wohnung hängen. Jeder Gegenstand hat eine Geschichte und Schauli erzählt sie gerne. Lebendig, spannend, immer mit einem spitzbübischen Lächeln im Gesicht. Da die Menue-Karte aus der USA, die er «uf Dütsch gseit» geklaut hat , als er mit dem Motorrad unterwegs war. Dort ein grosses Bild mit Adler und Amerika-Fahne, das ihm ein Freund aus Deutschland geschenkt hat. Auch auf einer Motorrad-Tour. Der Töff ist neben der Mundharmonika sein treuer Begleiter. Und seine Liebe zu ihm unübersehbar. Von T-Shirt bis Tischset, überall prangt der Harley-Schriftzug. Schreibt Schauli ein SMS, so endet es mit den Worten «Harleylujah, schauli».

Ein Rocker - irgendwie

Ins Bild des harten Rockers passt der gutmütige Appenzeller dann aber irgendwie doch nicht. Und gibt es auch offen zu. Er lacht, wenn er sagt: «Ich bin kein richtiger Rocker, ich mag kein Bier.» Die Bar im Wohnzimmer hat er für seine Kollegen gebaut, die teuren Whiskeys bedeuten ihm selber nichts. Für ihn geht es beim Töff fahren um die Gemeinschaft. Ums Zusammensein, um Freundschaften. So fährt er jedes Jahr an ein Töff-Treffen mit mehreren zehntausend Besuchern nach Österreich, geniesst mit seiner Maschine und seiner Lady (so nennt er seine Freundin) die wunderbare Natur auf Sardinien oder fährt in 24 Stunden nach Berlin und zurück.

Ob er auch mit dem Motorrad an die Supertalent-Aufzeichnung nach Bremen fährt? Wer weiss. Er wird auf jeden Fall drei Sachen dabeihaben: Eine Mundharmonika, ein Messer und ein Strahlen im Gesicht.

(dac)

 

Dario Cantieni
veröffentlicht: 27. Mai 2019 05:48
aktualisiert: 27. Mai 2019 06:07