«Clubs Against Corona»

Raven im Kugl – das geht jetzt von zu Hause aus

Linda Aeschlimann, 4. April 2020, 09:01 Uhr
Zwei der bekanntesten Ostschweizer DJs liefern diesen Samstagnachmittag elektronische Tanzmusik direkt vom St.Galler Tanzklub Kugl in die Stube. Die beiden sind Teil der europäischen Bewegung «Clubs Against Corona».
Anzeige

Die Clubgänger sind auf Entzug: kein Ausgang, keine Party, keine Livemusik. Viele, vor allem jüngere Menschen, vermissen gerade die vollgestopften Dancefloors, die Beats, die durch jede Ader des Körpers pumpen – und sogar den miesen Geruch von Schweiss und Alkohol.

Stream aus dem leeren Kugl-Club

Dem Clubfeeling-Entzug ein wenig entgegenwirken und vor allem auch für die existenzgefährdete Elektroszene kämpfen, möchte die Organisation «Clubs Against Corona». Dafür haben sich verschiedene Labels, Künstler und Veranstalter aus ganz Europa zusammengeschlossen. Die Idee: Raven zu Hause, und zwar mit Livestreams aus den beliebtesten Clubs Europas.

Auch dabei ist St.Gallen – diesen Samstagnachmittag von 14 Uhr bis 18 Uhr (im Livestream auf FM1Today). Das Kugl stellt die Location zur Verfügung und die bekanntesten Ostschweizer Techno-DJs Manuel Moreno und Ciril Camen lieferen vier Stunden lang den Sound direkt in die Wohnzimmer oder auf den Balkon.

Die grosse Plattform nutzen

Erste Livestream-Erfahrung haben die beiden DJs bereits letztes Wochenende gesammelt. «Es ist sehr speziell. Das Publikum und das Adrenalin, das die Menge auslöst, fehlen komplett», sagt Manuel Moreno. Cool sei es, dass er wenigsten dieses Wochenende im Kugl das Clubgefühl habe. Auch wenn die Tanzfläche leer bleibt. «Ich bin nervös», sagt Morenos DJ-Kollege Ciril zu FM1Today. «Ich werde mein Set ein wenig anpassen. Denn dieses bleibt schliesslich im Internet.»

Die Ostschweizer Techno-DJs sind sich bewusst, dass das Rad mit diesen Livestreams nicht neu erfunden wird. «Ich habe sogar das Gefühl, die Leute haben eine gewisse Livestream-Überdosis. Denn praktisch jeder DJ oder jeder Fitnesscoach macht zurzeit irgend ein Livevideo auf Social Media», sagt Manuel Moreno.

Trotzdem freue er sich, Teil dieser «Clubs Against Corona»-Bewegung zu sein. Das Projekt sei gross aufgezogen. Die Musiker bekämen dank der europaweiten Community eine viel grössere Plattform. Verdienen werden die Ostschweizer damit aber nichts. Laut Ciril gibt es zwar eine «Clubs Against Corona»-Kollekte. «Ich rechne aber nicht mit besonders vielen Spenden.» Und auch das Kugl stellt die Location gratis zur Verfügung und verdient vermutlich nichts an diesem Online-Event.

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. April 2020 11:36
aktualisiert: 4. April 2020 11:36