Zehn Folgen purer Horror

Nina Müller, 27. Oktober 2018, 14:43 Uhr
Diese Serie lässt selbst hartgesottenen Horror-Fans das Blut in den Adern gefrieren.
Diese Serie lässt selbst hartgesottenen Horror-Fans das Blut in den Adern gefrieren.
© Screenshot/Netflix
Geister im Wandschrank, Angst zu versagen oder der Verlust eines geliebten Menschen; jeder Mensch hat seine persönliche Horror-Vorstellung. Die Netflixserie «Spuk in Hill House» vereint all diese Vorstellungen zur wohl gruseligsten Serie unserer Zeit. Achtung, Spoiler.

Wenn Menschen beim Schauen einer Serie vor Angst in Ohnmacht fallen und selbst Stephen King nur lobende Worte dafür findet, hat der Regisseur einiges richtig gemacht. Mike Flanagan ist dies mit der Serie «Spuk in Hill House» gelungen. Gemäss einigen Tweets, mussten ein paar der Zuschauer sogar erbrechen, nachdem sie die Serie gesehen haben.

Bei so einer Kritik war für mich als Horror-Fan klar, dass ich die Serie sehen muss. Bisher hatte ich nur vom Film «The Grudge» Albträume und da war ich vierzehn Jahre alt. Diese Serie werde ich also ebenfalls ohne Probleme wegstecken können, dachte ich...

Tragische Familiengeschichte gemischt mit Horror

Schauplatz der Serie ist eine alte gruselige Villa in einem Wald, was in Horror-Filme ja gerne als Sujet genutzt wird. Normalerweise sind die Häuser von Geistern bewohnt. Nicht in dieser Serie: Das Haus selbst ist das Gesicht des Horrors. Die Show basiert auf dem gleichnamigen Roman von Shirley Jackson und handelt von fünf Geschwistern der Crane-Familie, die in der Vergangenheit stark traumatisiert wurden und nach wie vor Symptome davon mit sich tragen. Mittels Flashbacks wird dem Zuschauer eine tragische Geschichte von Missbrauch, posttraumatischen Belastungsstörungen und Gewalt vermittelt. Bisher wurden zehn Episoden veröffentlicht, die von renommierten amerikanischen Magazinen unter anderem als „Horror-Homerun“ bezeichnet wurden.

Spiel mit kindlichen Ängsten

Stell dir vor, dein Vater platzt mitten in der Nacht in dein Zimmer und bittet dich panisch, mit ihm das Haus zu verlassen. Dabei sollst du aber unbedingt deine Augen geschlossen halten. Als du und dein Vater das endlich geschafft haben, triffst du auf deine völlig verängstigten Geschwister, die im Familienauto auf dich warten. Doch wo ist deine Mutter? Du schaust zum Haus hinauf und siehst, wie ein blasses Gesicht aus einem der hohen alten Fenster auf dich herabblickt. Dann drückt dein Vater auf das Gaspedal. Es war das letzte Mal, dass du deine Mutter gesehen hast. Mit solchen Szenen zielen die Produzenten der Netflixserie auf die kindlichen Ängste ihrer Zuschauer.

Unangenehm gute Schauspieler

Damit liefern sie zwar Horror mit mehr Tiefgang als viele andere Gruselfilme, doch das war nicht der Grund, warum mich die Serie das fürchten lehrte. Nebst dem Grusel beinhaltet die Serie ein Familiendrama, dass einem wirklich Angst macht. Ein drogenabhängiger Bruder, eine depressive Schwester und ein grosser Bruder, der aus seiner eigenen Angst heraus alles verdrängt und so kein Verständnis für seine Geschwister hat. Das Haus hat den Kindern auf traumatische Weise die Mutter genommen, was die Familie so auseinanderriss, dass sie deshalb beinahe drauf gehen. Diese Thematik wird von den Schauspielern so gut umgesetzt, dass sich der Zuschauer auf eine sehr unangenehme Weise in sie hinein versetzen kann.

Die kleine Nell, nachdem sie zum ersten Mal die Frau mit dem verbogenen Hals gesehen hat. (Bild: Screenshot/Netflix)
Die kleine Nell, nachdem sie zum ersten Mal die Frau mit dem verbogenen Hals gesehen hat. (Bild: Screenshot/Netflix)

Die Frau mit dem verbogenen Hals

Die Serie ist gespickt mit versteckten Geistern, was auch eine harmlose Szene am helllichten Tag zu einem Schaudererlebnis macht. Was mir das Blut endgültig in den Adern gefrieren liess, war aber die kleine Nell Crain. Als eine der ersten bemerkte sie beim Einzug in das Haus, dass irgendetwas nicht stimmt. Und schon in der ersten Nacht wird sie von einem Geist heimgesucht: Eine schauderhafte Frau im weissen Kleid und verbogenem Hals steht plötzlich vor ihrem Bett. Von da an wird Nell ihr ganzes Leben lang von diesem Geist verfolgt. Auch als erwachsene Frau sieht sie die Frau mit dem verbogenen Hals, wie sie Nell schon als kleines Kind bennante, immer wieder. Geschickt werden diese Sichtungen von den Produzenten als Schlafparalyse getarnt.

So sieht Nells Schreckensgespenst aus. (Bild: Screenshot/Netflix)
So sieht Nells Schreckensgespenst aus. (Bild: Screenshot/Netflix)

Der ultimative Plot Twist

Nach dem Tod ihres Mannes wird das Ganze immer schlimmer, bis Nell schliesslich zum Haus zurückkehrt und sich dort erhängt. Das ist der Moment des absoluten Schreckens: Nell realisiert, dass die Frau mit dem verbogenen Hals sie selbst ist. Nell hat sich jahrelang selbst heimgesucht. Nach dieser Szene hatte ich seit elf Jahren zum ersten Mal wieder Albträume wegen eines Filmes.

Wer also noch auf der Suche nach einer passenden Gruselserie für Halloween ist – «Spuk in Hill House», bzw. «The Haunting of Hill House», wie die Serie im englischen Original heisst, wird dich nicht enttäuschen.

Nina Müller
Quelle: nm
veröffentlicht: 27. Oktober 2018 14:43
aktualisiert: 27. Oktober 2018 14:43