Wohnen

Beim Wohnen ist Mittelstand nicht gleich Mittelstand

12. November 2020, 14:11 Uhr
Das Eigenheim ist das Lieblingsbiotop des Mittelstands. Doch nicht allen langt's dafür. Im oberen Segment derer mit Mittlerem Einkommen kann sich die Hälfte Wohneigentum leisten, im unteren nur 40 Prozent. (Archivbild)
© Keystone/STEFFEN SCHMIDT
«Mittelstand» und «Eigenheimbewohner» wird im Volksmund oft synonym gebraucht. Statistisch stimmt das nur halb: Während in der Einkommensklasse der unteren Mitte vier von zehn Personen Wohneigentum besitzen, sind es in der oberen die Hälfte.

In der Gesamtbevölkerung beträgt der Anteil der Personen, die im Eigenheim oder in einer Eigentumswohnung leben 44,3 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) in seiner neuesten, das Jahr 2018 betreffenden Aufstellung ausweist.

Von den Einkommensschwachen mit Haushaltseinkommen von unter 70 Prozent des Medians können sich immerhin noch 28 Prozent Wohneigentum leisten. Bei den Einkommensstarken mit Haushaltseinnahmen von über 150 Prozent des Medians sind es 57,5 Prozent.

Punkto Wohneigentum liegen die Einkommensschichten demnach relativ eng beieinander: 28 Prozent der Ärmsten, 46 Prozent der «Mittleren» und 58 Prozent der Reichsten leben in den eigenen vier Wänden. Eine «allmähliche Polarisierung der Einkommensgruppen» sei seit 1998 nicht nachweisbar, schreibt das BFS.

Zu voll, zu teuer, zu dreckig

Beeinträchtigungen bei der Art der Wohnung müssen vor allem die Einkommensschwachen hinnehmen. 15,7 Prozent von ihnen haben zu wenig Platz. Bei den Besserverdienenden haben nur 0,8 Prozent (Einkommensstarke) bis knapp 5 Prozent (untere Mitte) Platzmangel.

Auch unter den zu hohen Mieten - mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens - haben vor allem die Einkommensschwachen zu leiden: 38 Prozent kennen das Problem gegenüber 1,6 Prozent der Einkommensstarken.

Beim Mittelstand geht ein tiefer Schnitt mittendurch: In der oberen Mitte (Einkommen 100-150 Prozent des Medians) wohnen nur 3,6 Prozent über ihre finanziellen Verhältnisse, während bei der unteren Mitte (70-100 Prozent des Medianeinkommens) fast jeder zehnte mehr bezahlt als er sich eigentlich erlauben könnte.

Zur mittleren Einkommensgruppe gehören in der BFS-Statistik beispielsweise Alleinlebende mit einem Bruttoeinkommen von 3910 bis 8379 Franken, Paare mit einem Brutto-Haushaltseinkommen von 5865 bis 12'568 Franken und Paare mit 2 Kindern, die im Monat brutto über 8211 bis 17'595 Franken verfügen.

Bei den Reichen ist auch nicht alles rosig

Wenn's um die Wohnqualität geht, liegen die einzelnen Einkommensschichten wieder enger beieinander. Feuchtigkeit und Schimmel beklagen 13,6 Prozent der Einkommensschwachen sowie 10,1 Prozent der unteren und 9,1 Prozent der oberen Mittelschicht. Aber selbst im wohlhabenden Bevölkerungssegment leiden 6,2 Prozent der Leute unter feuchten und verschimmelten Behausungen.

«Wie aus den Analysen hervorgeht, differiert die Wohnsituation teils stark nach Wohnstatus und Grossregionen», schreibt das BFS. «Bei Personen aus der Ost- und Zentralschweiz ist die Wohnsituation vergleichsweise meist vorteilhaft, im Gegensatz zu jenen aus der Genferseeregion (sowie tendenziell dem Tessin, soweit Aussagen dazu möglich sind)».

Quelle: sda
veröffentlicht: 12. November 2020 14:05
aktualisiert: 12. November 2020 14:11