Fitnesskult

Immer mehr Frauen und Jugendliche nehmen Anabolika

9. Juli 2020, 07:44 Uhr
Besonders Frauen gehen mit dem Konsum von Anabolika ein Risiko ein. (Symbolbild)
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Definierte Muskeln, wenig fett und das so schnell wie möglich: Für ihr Schönheitsideal kombinieren Jugendliche und vermehrt auch junge Frauen den Besuch im Fitnesscenter mit illegalen Substanzen wie Anabolika und «gehen damit ein extremes Risiko ein».

Für das perfekte Spiegelbild greifen Jugendliche und Frauen immer öfter zu unerlaubten Mitteln. Gerade bei Frauen sind die Gefahren von Nebenwirkungen besonders hoch. Roman Gähwiler, Arzt am Kantonsspital Aarau, ist Sportmediziner und hat in seiner Doktorarbeit den Medikamentenmissbrauch in Fitnesscentern unter die Lupe genommen.

Was wollen die Konsumenten mit von Steroiden erreichen?
Roman Gähwiler: Die primäre Motivation ist die Ästhetik und das Erscheinungsbild. Es ist eine Störung des Selbstbilds, so etwas wie das Gegenteil einer Magersucht. Die Leute sehen sich im Spiegel nicht wie Magersüchtige als zu dick, sondern mit zu wenig Muskulatur.

Die Konsumenten werden immer jünger und darunter sind auch mehr Frauen, wieso?
Dass das Publikum jünger wird, kann man aus den verschiedenen Foren herauslesen. Dass es weiblicher wird, dazu gibt es Zahlen. Das Schlimme daran ist, dass ein Teil der Nebenwirkungen des Anabolika-Konsums bei Frauen nicht rückgängig gemacht werden kann.

Roman Gähwiler, Arzt am Kantonsspital Aarau

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Was für Nebenwirkungen hat der Konsum der Steroide für Frauen?
Das bezieht sich primär auf die Vertiefung der Stimme, aber auch auf die Vermännlichung der Sexualorgane und der Körperbehaarung bis hin zur verminderten Zeugungsunfähigkeit. Auch Akne ist eine unerwünschte Nebenwirkung. Dagegen werden oft Präparate verwendet, die zu Missbildungen bei ungeborenen Kindern führen können. Übrigens auch die neuartigen SARMS wie Ostarin, die eine anabole Wirkung haben und zum Muskelaufbau verwendet werden. Die Frauen gehen ein extremes Risiko ein.

Wie häufig treten solche Nebenwirkungen ein?
Eine Studie sagt, dass 88 Prozent der Konsumenten mindestens ein unerwünschtes Symptom zeigt. Bei längerfristiger Einnahme kann das Herz-Kreislauf-System sehr darunter leiden.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Juli 2020 07:42
aktualisiert: 9. Juli 2020 07:44