«Monkey Island»

Jugendliebe und viel Frustration: Das beste Adventure wird 30

René Rödiger, 12. Oktober 2020, 16:54 Uhr
Wie alles begann: Hoch oben auf dem Berg entscheidet sich Guybrush Threepwood, Pirat zu werden.
© Lucasfilm Games
Vor 30 Jahren, am 15. Oktober 1990, kam mit «The Secret of Monkey Island» ein Spiel auf den Markt, das eine ganze Generation von Gamern und für lange Zeit die Computerspielszene prägte. Eine ganz persönliche Hommage an das beste Adventure.

Schlaflose Nächte wegen eines Computerspiels. Nicht etwa weil es blutrünstig war oder auf Schockeffekte setzte. Nein, dieses Spiel war anders. Komplett anders. Besser. Und viel nervtötender.

Die Rede ist von «The Secret of Monkey Island», erschienen am 15. Oktober 1990 – vor genau 30 Jahren. «Monkey Island» löste einen Trend für Adventure-Spiele für fast ein ganzes Jahrzehnt aus. Klassiker wie die «Indiana Jones»-Reihe oder «Grim Fandango» des gleichen Entwicklerstudios «LucasArts» (früher «Lucasfilm Games») fesselten uns tagelang an die Computerbildschirme.

«Ich will Pirat werden»

Die Story von «The Secret of Monkey Island» ist schnell erzählt: Guybrush Threepwood will Pirat werden. Dazu muss er drei Aufgaben bewältigen und verliebt sich in die Gouverneurin Elaine Marley. Diese wird jedoch vom Geisterpiraten LeChuck entführt, also macht sich Guybrush auf, sie zu befreien.

Gouverneurin Elaine Marley und Guybrush Threepwood haben spezielle Kosenamen füreinander.

© Lucasfilm Games

Das Spiel strotzt nur so vor Witz. «Hinter dir, ein dreiköpfiger Affe» als Ablenkungsmanöver kennen alle Gamer der 90er-Jahre. Sterben konnte man in dieser Art Adventure-Spiel nicht. Einfach mal durchspielen konnte man es jedoch ebenfalls nicht.

Ja, ich hatte schlaflose Nächte wegen «Monkey Island». Wie bringe ich den Grog aus Batteriesäure zum Gefängnis, um dort die Gitterstäbe wegzuätzen, ohne dass vorher der Becher durchschmilzt? Wie komme ich zu genügend Geld, um ein Schiff zu kaufen?

Keine Lösung in Sicht

«Monkey Island» war bei uns in der Schule eine Gruppenarbeit. Alle hatten das Spiel zu Hause (meist natürlich als Raubkopie auf Diskette). Gemeinsam wurde in der Pause der Fortschritt besprochen, neue Lösungsansätze gleich zu Hause ausprobiert. Meist erfolglos. Und so traf man sich am nächsten Tag wieder in der Schule und tüftelte rum.

Damals gab es noch keine Möglichkeit, die Komplettlösung kurz im Internet nachzuschauen. Manchmal kauften wir uns eine Computerzeitschrift, in der es einige Seiten mit Lösungen drin hatte. Aber ganz fertig schaffte ich «Monkey Island» erst Monate nachdem ich es auf meinem Computer installiert hatte. Und dann stand ja bereits der Nachfolger «Monkey Island 2: LeChuck's Revenge» in den Läden.

Vom Kassenschlager zum Nischenprodukt

Guybrush war bis 1997 mit dem dritten Teil «The Curse of Monkey Island» ein treuer Wegbegleiter. Zwar folgten noch zwei weitere Teile, sie hatten aber nie mehr den Pixel-Charme der alten Spiele.

Die Zeit der Point-and-Click-Adventure-Spiele endete mit den 2000er-Jahren. Die Spiele wurden einfacher und actionreicher. Niemand nahm sich mehr Zeit, über mehrere Tage oder Monate an einem einzigen Rätsel zu tüfteln.

Heute werden vereinzelt von Independent Studios wieder Point-and-Click-Adventures gemacht, häufig finden sich darin dann Anspielungen auf die Klassiker von früher. Auch die Schöpfer von «Monkey Island» haben in jüngster Zeit solche Spiele entwickelt: Von Ron Gilbert kam «Thimbleweed Park» und Tim Schafer veröffentlichte «Broken Age». Beide wurden dank Crowdfunding finanziert. Der Beweis, dass die Fans Guybrush noch lange nicht vergessen haben.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. Oktober 2020 15:47
aktualisiert: 12. Oktober 2020 16:54