Neue Richtlinien

Müssen wir uns jetzt wirklich von Whatsapp trennen?

22. Januar 2021, 07:04 Uhr
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Quelle: Keystone-SDA

Immer mehr User des Nachrichtendienstes Whatsapp wollen sich künftig von diesem abwenden. Grund sind neue Datenschutzrichtlinien, welche ab Mai 2021 gelten sollen. Doch sind die Daten der Whatsapp-Nutzer deshalb wirklich in Gefahr?

Es ist vorweg zu nehmen, dass die neuen Whatsapp-Bedingungen weder in der Schweiz, noch in anderen europäischen Ländern gelten. Trotzdem müssen User den neuen Richtlinien zustimmen, um den Nachrichtendienst weiterhin nutzen zu können. Bei vielen Nutzern steigt die Angst, dass ihre Daten wie Fotos, Standorte oder Sprachaufnahmen, welche über Whatsapp geteilt werden, an Facebook weitergehen.

Diskussion entflammt erneut

Deshalb wollen sich nun viele von Whatsapp abwenden. Dies passiert aber nicht zum ersten Mal, wie der Digitalexperte Kenan Sahin gegenüber Keystone-SDA sagt: «Diese Diskussion gab es schon, als Whatsapp von Facebook übernommen wurde. Schon damals sind einige Leute auf andere Plattformen ausgewichen. Es kommt darauf an, welchen Nutzen jeder Einzelne hat und wie sicher ihm seine Daten sind. Diese Entscheidung ist nicht ganz trivial zu fällen.»

Die neuen Datenschutzregeln von Whatsapp hätten am 8. Februar in Kraft treten sollen. Dieser Termin wurde nun auf den 8. Mai verschoben. Laut Whatsapp geht es vor allem darum, bessere Möglichkeiten für die Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen. An der End-zu-End-Verschlüsselung, mit der Chatinhalte nur für die teilnehmenden Nutzer, aber nicht einmal für Whatsapp selbst im Klartext sichtbar sind, werde nicht gerüttelt.

Facebook gehören Whatsapp und Instagram

Der Social-Media-Riese Facebook kaufte Whatsapp im Jahr 2014 für insgesamt 19 Milliarden US-Dollar. Schon zwei Jahre früher übernahm Facebook Instagram für eine Milliarde Dollar. Somit gehören Facebook also schon seit Jahren zwei der grössten Social-Media-Plattformen. Ausserhalb der EU fliessen Whatsapp-Nutzerdaten an Facebook zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten – allerdings bereits seit 2016.

Im EU-Raum und der Schweiz ist dies für Facebook allerdings nicht möglich. Dies, weil hiesige Nutzer einen Vertrag mit einer irischen Tochtergesellschaft von Whatsapp eingehen, welche für den Umgang mit den Daten verantwortlich ist. Die irische Datenschutzbehörde hat erwirkt, dass Facebook-Unternehmen Daten nicht ohne Zustimmung zu Marketingzwecken verwenden dürfen.

Alternativen vorhanden

Für Personen, die sich trotzdem von Whatsapp abwenden wollen, gibt es mittlerweile einige Alternativen. Unter anderem die Schweizer Plattform Threema oder auch Signal sowie das umstrittene Telegram, welches bei Verschwörungstheoretikern beliebt ist.

Schlussendlich sei der Wechsel des Nachrichtendienstes aber von einem Hauptfaktor abhängig, sagt Digitalexperte Kenan Sahin: «Matchentscheidend wird sein, wo ich die meisten meiner Kollegen finde. Ich will meine Kollegen nicht auf den verschiedenen Plattformen suchen müssen. Tatsache ist, dass die meisten Anwender Whatsapp nach wie vor nutzen.»

(red./sda)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. Januar 2021 07:04
aktualisiert: 22. Januar 2021 07:04