Karies und Krebs

So schlimm sind «Snus» und Co für die Gesundheit

Mario Trlaja, 1. November 2020, 19:08 Uhr
Mundtabak wird besonders bei Männern immer beliebter. (Symbolbild)
© Patrik Pauli / Luzerner Zeitung
Lange waren sie in der Schweiz verboten, die kleinen Tabakbeutelchen aus Skandinavien. Heute sieht man immer öfter, wie sich jemand ein «Snus» unter die Lippe klemmt. Doch der Trend mit dem rauchlosen Tabak hat Folgen.

Für Konsumenten bedeutet Snus in erster Linie einen unsichtbaren Konsum. Die tägliche Dosis Nikotin ohne Kippe in der Hand und ohne Gestank. Doch rauchfrei heisst nicht automatisch schadenfrei. Wir haben bei der Luzerner Sektion der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO nachgefragt, wie sich Snus und Co auf die Gesundheit von Mund und Zähnen auswirken.

Die Droge für Eishockey und Handball

Es ist ein Trend, der sich im Mund der Nutzer, fast ausschliesslich junge Männer, in den letzten Jahren bemerkbar gemacht hat, bestätigt die SSO. Befragte Zahnärzte geben an, dass bei Snus-Konsumenten häufig eine Veränderung der Mundschleimhaut festzustellen sei. Weisse Flecken und Verhornungen im Mund, die sogar zu Mundhöhlenkrebs führen können.

Laut den Zentralschweizer Zahnärzten erfreut sich der Mundtabak besonders unter Sportlern, wie Eishockey- oder Handballspielern, einer grossen Beliebtheit, weil sich die Konsumenten davon eine Leistungssteigerung erhoffen. Genau hier liegt die besondere Gefahr des rauchfreien Nikotin-Kicks. Einerseits verführt Snus auf diese Weise Sportler zum Nikotinkonsum, die wahrscheinlich nicht mit dem Rauchen angefangen hätten und andererseits birgt die Unauffälligkeit des Konsums, beim Sport oder bei der Arbeit, die Gefahr, dass die Abhängigkeit massiv gesteigert werden kann.

Heute ist die Auswahl an Snus an den Kiosken riesig. (Symbolbild)

© Christian Beutler / Keystone

Das sagt die Wissenschaft

Eine wissenschaftliche Arbeit von Ärzten der Universität Bern hat sich intensiv mit den Auswirkungen von Mundtabak beschäftigt. Dabei wurden verschiedene Studien miteinander verglichen, wobei aufgezeigt wurde, dass der Konsum von Snus nicht nur im Mund der Benutzer seine Spuren hinterlässt. So stieg das Risiko von Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Mäusen um das Doppelte an, wenn ihnen Snus verabreicht wurde. Zigarettenrauch führte im Vergleich zu einem verdreifachten Risiko.

Studien mit hunderten von Rekruten in der Schweiz und im Ausland zeigen, dass der Konsum von Snus in deutlichem Ausmass mit Erkrankungen der Mundschleimhaut korreliert, auch wenn es sich um Nichtraucher handelt. Weisse Flecken im Mund (Leukoplakie) oder Verhornungen der Schleimhaut (Hyperkeratose), die zu Krebs führen können. Die gute Nachricht: Aufhören lohnt sich. Schon kurze Zeit nachdem die weissen Beutelchen im Abfall landen, nehmen die Erkrankungen im Mund ab.

Schlechte Nachrichten für alle die nicht auf die Eltern hören wollten, als sie sagten, dass Snus schlecht für die Zähne ist: Eine Studie mit 345 Rauchern, 104 Snus-Konsumenten und 1'142 Personen, die keinen Tabak konsumieren ergab, dass Snus-Konsumenten deutlich mehr Zahnschäden, wie faule oder ausgefallene Zähne, aufwiesen als die anderen Gruppen.

Snus vs. Zigaretten

Eine gross angelegte Studie mit über 25'000 Teilnehmern kam zum Ergebnis, dass Raucher, die auf Snus wechselten, sogenannte Switcher, ihr allgemeines Risko für Krebs und Herzerkrankungen um zwei Drittel bis rund die Hälfte senken konnten. Dies wird damit begründet, dass Snus im Vergleich zu Zigaretten weniger Zusatzstoffe bei gleich viel Nikotin enthält. Dennoch bleibt Snus keine gute Idee für angehende Nichtraucher. Dies, weil die Nikotin-Abhängigkeit und damit der Griff zur angebotenen Zigarette, bleibt. Und so raten auch die Zentralschweizer Zahnärzte dringend, mit dem Tabak, egal in welcher Form, aufzuhören.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 29. Oktober 2020 13:05
aktualisiert: 1. November 2020 19:08