Welt-Vegetarier-Tag

Wer jeden Tag Fleisch isst, hat den Schuss nicht gehört

Marian Märki, 2. Oktober 2022, 07:12 Uhr
Für viele gehört es zur Mahlzeit, wie der Teller, auf dem es liegt: Fleisch. Vor allem Männer frönen der Fleischeslust. Wer als Mann darauf verzichtet, muss sich oftmals rechtfertigen. Ein Unding zur heutigen Zeit.
Fleisch landet immer noch zu häufig auf unseren Tellern. (Symbolbild)
© Keystone
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Etwas will ich von Anfang an klarstellen: Auch ich habe Fleisch gerne. Doch jetzt kommt das grosse aber: Wir haben den Bezug dazu verloren. Viele starten bereits mit Aufschnitt oder Speck zum Zmorge in den Tag, zum Zmittag kommt dann das Steak und am Abend gönnt man sich dann noch ein kleines Schnitzel. Vor allem Männer behaupten, eine Mahlzeit ohne Fleisch gäbe nichts her. Ein Irrglaube, wie wir alle wissen.

Es ist gar nicht so lange her, als Fleisch noch etwas Besonderes war. Mein Grossvater schwärmte immer vom Sonntagsbraten meiner Urgrossmutter. Er habe sich jeweils die ganze Woche darauf gefreut, denn Fleisch gab es selten. Es war ein Luxus. Etwas, das ich nie nachvollziehen konnte als Kind. Denn Fleisch gibt es ja immer und überall. Dass dafür ein Tier sterben muss, ist nebensächlich.

Ich will hier nicht die Moralkeule schwingen und fordern, dass jeder auf Fleisch verzichten muss, um das Klima und das Tierwohl zu schützen. Was ich allerdings von meinen Mitmenschen und Mitmännern fordere, ist der bewusste Konsum. Kauft Bio-Fleisch aus der Schweiz, legt einen fleischlosen Tag ein, konsumiert nicht nur die Edelstücke. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Ich spreche aus eigener Erfahrung. Auch ich habe, nicht ganz freiwillig zugegeben, meine Ernährung auf vegetarisch umgestellt. Als Verzicht habe ich es nie angesehen. Denn der geschmackliche Mehrwert von fünf Stückchen ungarischem Pouletfleisch in meinem Mameh vom Take-Away hat sich mir nie erschlossen.

Hinzu kommt die Stigmatisierung. Wer als Mann auf Fleisch verzichtet, muss sich öfters rechtfertigen. Die «Männlichkeit» von Vegetariern und Veganern wird in Frage gestellt. Schliesslich waren ja Männer früher Jäger und nicht unbedingt Sammler. Auch diese Argumentation kann ich nicht nachvollziehen. Denn nur die wenigsten, die ich kenne, töten ihr Essen selbst. Wer in der Migros oder im Coop ein Kühlregal weiter geht, ist noch lange kein Jäger, geschweige denn ein «männlicherer Mann».

Also, packt die toxische Männlichkeit auf die Seite und nehmt euch ein Vorbild an euren Grosseltern und behandelt Fleisch als das, was es ist: etwas Besonderes.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 1. Oktober 2022 15:44
aktualisiert: 2. Oktober 2022 07:12