Traumdeutung

Wie man sich an Träume erinnern kann – und aus ihnen lernt

Chantal Herger, 5. Dezember 2020, 21:40 Uhr
Träume sind die Fortsetzung unseres Alltags.
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Jeder Mensch träumt, die einen können sich an ihre Träume erinnern, andere haben keine Ahnung, was ihnen während des Schlafens durch den Kopf gegangen ist. Wie man sich an Träume erinnert, wie man sie beeinflussen kann und was man aus ihnen ziehen kann – eine Psychotherapeutin gibt Antworten.

Warum träumen wir?

Träume brauchen wir aus verschiedenen Gründen: Um gesund zu bleiben und um uns in der Welt zurechtzufinden. Es geht darum, neue Erfahrungen einzuordnen und mit dem bereits vorhandenen Wissen zu verknüpfen. Träume helfen uns dabei.

Wie kann man sich besser an Träume erinnern?

Zum Beispiel, indem Sie darauf achten, in welcher Stimmung Sie morgens aufwachen und welcher Gedanke Ihnen zuerst kommt. Nehmen Sie einfach mal zur Kenntnis, was auftaucht. Mit der Zeit erinnern Sie sich immer genauer. Notizen machen hilft sehr, weil einem dann Details in den Sinn kommen.

Eine etwas drastischere Methode, an Träume zu kommen, ist, den Wecker ca. 20 Minuten vor der gewohnten Aufwachzeit zu stellen. So erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, sich direkt aus einem Traum zu wecken.

Wie kann man seine Träume deuten? Was kann man aus Träumen lernen?

Verdeutlichen Sie sich: Ein Traum ist die Fortsetzung Ihrer eigenen Gedanken und Eindrücke vom Tag in Bildersprache. Diese Bildersprache ist höchst persönlich. Sie entsteht aus Bilderschnipseln Ihrer gesamten bisherigen Erlebnisse. Träume verstehen Sie also, indem Sie der Frage nachgehen: Welche Geschichte erzählt mir der Traum über mich? In welcher Situation befinde ich mich im Traum – und was beschäftigt mich gerade im Alltag?

Wie kann man Träume beeinflussen? Wie kann man das lernen?

Träume sind gedankliche Fortsetzungen Ihrer Erfahrungen aus Ihrem persönlichen Alltag in Bildern. Konkret bedeutet das: Wenn Sie Ihr Verhalten im Alltag verändern, verändern sich in der Folge auch Ihre Träume.

Wenn Sie das Klarträumen ansprechen, während dem die träumende Person weiss, dass sie träumt und dann eingreifen kann: Das kann man tatsächlich trainieren. Der naheliegendste Zugang ist das Üben des Realitäts-Checks: Fragen Sie sich während des Tages immer wieder: Träume ich oder wache ich? Könnte ich jetzt gefahrlos in einem Riesensatz über den Fluss, an dem ich entlanggehe, springen oder nicht? Eine weitere sehr hilfreiche Übung: Betrachten Sie mehrmals am Tag bewusst Ihre Hand und drehen Sie sie rasch von Vorder- auf Rückseite und zurück. Sieht alles aus wie immer, sind fünf Finger vorhanden oder ist etwas seltsam? – quasi wie im Traum? Diese Routineübung nehmen Sie mit der Zeit auch in den Schlaf mit und können auch dort überprüfen, in welchem Zustand Sie sich gerade befinden.

Welche Traummotive tauchen bei Menschen am häufigsten auf und was bedeuten sie?

Aus meiner Arbeit beobachte ich folgende Traum-Themen häufig: Reisen, Nach-dem-Weg-Suchen, Verfolgt-werden, zu spät kommen, ins Leere fallen, nackt sein, Einbrecher, Tod, das Zuhause, Träume von früheren Partnern oder Lehrern oder anderen zentralen Personen – auch Verstorbenen – des eigenen Lebens.

Fürs Verstehen der Bildergeschichte des Traums legt uns die Sprache manches direkt auf die Hand: Was «verfolgt mich» im Alltag? Was ist gerade (oder schon seit Längerem) an neuen Erfahrungen in mein Leben «eingebrochen»? Wo habe ich Angst, ich könnte «zu spät sein»?

Unbedingt zu beachten ist aber: Eine generelle Deutung oder Erklärung für die einzelnen Traumbilder gibt es nicht. Denn jeder Traum ist eine bildhafte Zusammenfassung von ganz individuellen nächtlichen Gehirnprozessen. Um diese Bilder zu verstehen, braucht man deshalb immer die persönlichen Erfahrungen, die die träumende Person mit diesen Bildern verbindet.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. Dezember 2020 19:59
aktualisiert: 5. Dezember 2020 21:40