«Kann es selbst noch nicht fassen»

Fabienne Engbers, 1. November 2017, 17:50 Uhr
Lucas Fischer hat es geschafft. Beim deutschen Supertalent hat er sich direkt für den Finaleinzug qualifiziert. Der Aargauer, der auch mit den Holmikers aus Mels unterwegs ist, ist voller Tatendrang. Bammel vor der Finalshow hat er (noch) nicht.

Lucas Fischer ist erst 27, hat aber wohl schon mehr zu erzählen als andere, die doppelt so alt sind. Der Aargauer begann schon als kleines Kind eine Turnkarriere, bis 2015 war er im Schweizerischen Nationalkader und bestritt Welt- und Europameisterschaften. 2013 holte er in Russland gar die Silbermedaille am Barren. Damals lebte er bereits drei Jahre mit der Diagnose Epilepsie, die ihn 2015 auch zum Rücktritt vom Profisport zwang. Seither hat er sein eigenes Bühnenprogramm erschaffen und es damit direkt ins Supertalent-Finale geschafft. Im Interview spricht er über seine Freude und Begeisterung, aber auch seine Ängste.

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Video: zVg

Lucas, wie fühlt man sich nach so einem Erfolg?

Mir geht es wunderbar, ich kann nicht glücklicher sein. Was geschehen ist, ist der Wahnsinn und ich kann es manchmal selbst nicht glauben.

Warum hast du dich dazu entschieden, beim Supertalent mitzumachen?

Nach meinem Rücktritt habe ich meine Show erarbeitet, weil ich einen neuen Traum gesucht habe. Ich wusste schon immer, dass ich auf die Bühne will. Das Supertalent hat mich angefragt, ob ich mitmachen möchte. Danach habe ich mich mit verschiedenen Leuten beraten und mich schlussendlich dazu entschieden, mitzumachen. Wie alle anderen Kandidaten musste ich mich bewerben und wurde dann eingeladen.

Wie war es, auf einer so grossen Bühne zu stehen?

Es war magisch, das Theater in Bremen ist wunderschön. Es waren 1500 Zuschauer da und dann noch die Jury. Mein Herz hat ziemlich gepocht, als ich vor all diesen Leuten stand.

Und hast du damit gerechnet, gleich ins Finale zu kommen?

Nein, überhaupt nicht. Wir haben am Sonntag gedreht und einen Tag vorher hatte ich noch volles Programm an den Thuner Seespielen, dort war ich beim Musical «Cats» eingespannt. Daher bin ich total müde und mit Schmerzen am ganzen Körper nach Deutschland gereist. Ausserdem hatte ich vorher keine Zeit, am Barren zu trainieren, die Vorbereitung war nicht optimal. Ich habe mir gesagt, ich will alles geben und das Beste aus der Situation machen. Ich wollte eine gute Show zeigen und habe gehofft, dass es reicht, weiterzukommen. Dass es gleich für den goldenen Buzzer reicht, hätte ich nie im Leben gedacht.

Wirst du im Finale von Supertalent nochmal etwas Neues zeigen?

Ja, aber da verrate ich natürlich noch nicht allzu viel. Es wird sicher etwas Neues geben. Ich erzähle eine Geschichte auf der Bühne, es wird sehr emotional. Ich freue mich schon riesig und hoffe, dass am 16. Dezember auch alle für mich anrufen. Ich will eine gute Zeit auf der Bühne haben und das Publikum begeistern. Was dann geschieht, liegt nicht in meinen Händen.

Was gefällt dir mehr, Kunstturnen als Profisport oder dein Showact?

Man kann das kaum vergleichen, das ist eine völlig andere Welt. Jetzt bin ich völlig frei und kann meiner Kreativität freien Lauf lassen. Das ist ein schönes Gefühl, ich kann mir momentan nichts Besseres vorstellen, das ist genau das, was ich zurzeit machen möchte.

Was wirst du nach dem Supertalent machen?

Ich habe bereits einige Pläne, die auch bereits vor meiner Teilnahme beim Supertalent auf dem Programm standen, daher läuft zurzeit Einiges. Seit ein paar Wochen arbeite ich auch nicht mehr, sondern bin Vollzeit-Künstler. Ich trainiere täglich, sowohl meine Stimme als auch meinen Körper. Obwohl ich meine Karriere aufgegeben habe, ist das Pensum nicht weniger geworden.

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 1. November 2017 17:50
aktualisiert: 1. November 2017 17:50