Biodiversität

Überraschend hohe Wildbienen-Vielfalt in der Stadt Zürich

24. Juni 2020, 09:43 Uhr
Eine Stadtbiene ist keine junge Frau im Ausgang, sondern eine Wildbiene, der es in der Stadt gefällt. Jede vierte Schweizer Wildbienenart mag Zürich. Hier eine Zürcher Stadtbiene, die bereits reiche Ernte gemacht hat, wie man an ihrem pludrigen Spitzenhöschen unschwer erkennt. (Archivbild),
© Keystone/ALESSANDRO DELLA BELLA
Wer sagt denn, Grossstädte seien lebensfeindliche Biotope? Die Stadt Zürich jedenfalls verfügt über eine derartige Vielfalt an Wildbienen, die selbst Forscher überrascht: 164 der in der Schweiz heimischen rund 600 Wildbienenarten kommen dort vor.

Sie leben in Gärten, Parks und auf anderen Grünflächen der Stadt. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass jede Art von Grünfläche unterschiedliche Arten beherbergt. Das zeigt, wie wichtig es ist, eine grosse Vielfalt von Grünflächen in Städten zu erhalten.

«Das Wachstum der Stadtflächen muss nicht unbedingt zu einer Vereinheitlichung der Fauna mit einigen wenigen Arten führen, wie häufig befürchtet wird», schreibt Marco Moretti von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Zumindest für Wildbienen ist die Stadt Zürich weder eine Betonwüste noch eine ökologische Einöde. 164 der in der Schweiz heimischen rund 600 Wildbienenarten wurden gezählt. Verwendet wurden Daten aus drei grossen Studien zur Biodiversität in der Stadt Zürich.

Stadtbienen sind überwiegend Arten, die Pollen und Nektar der grossen Pflanzenvielfalt der Stadt als Nahrung nutzen können. Sie sind früh im Jahr und eine lange Zeit aktiv und nisten häufig in bestehenden Hohlräumen.

Ein Flachdach ersetzt keinen Garten

Während in Gärten und auf Brachflächen im Schnitt etwa 25 Wildbienenarten leben, sind es in Parks und auf begrünten Flachdächern «nur» 15 Arten. Gartenbienen stellen dabei höhere Ansprüche an die Qualität des Lebensraums. In der Regel sind solche Spezialisten eher von Lebensraumschwund bedroht.

Die Ergebnisse bedeuten denn auch, dass kein Grünraum verloren gehen darf oder durch einen anderen ersetzt werden kann - etwa Stadtgärten durch begrünte Flachdächer.

*Fachartikellink https://doi.org/10.1111/jbi.13772

Quelle: sda
veröffentlicht: 24. Juni 2020 09:15
aktualisiert: 24. Juni 2020 09:43