Appenzeller Mostbröckli und Co. werden geschützt

Fabienne Engbers, 8. August 2017, 20:09 Uhr
Das Bundesamt für Landwirtschaft will die Appenzeller Mostbröckli, den Appenzeller Pantli und die Appenzeller Siedwurst schützen. Das soll die urchigen Produkte vor Nachahmungen schützen und die Qualität der Spezialitäten hoch halten.

Nach einer dreimonatigen Einsprachefrist werden die drei Appenzeller Produkte ins Register der geografischen Angaben (GGA) aufgenommen. Ausserdem erhalten sie das IGP-Siegel. «Personen, die sich im geografischen Gebiet befinden und zertifiziert sind, können die Bezeichnungen Appenzeller Mostbröckli, Pantli und Siedwurst verwenden», erklärt Paolo Degiorgi vom Bundesamt für Landwirtschaft. Das Gesuch beantragt hat der der Appenzeller Fleischfachverband.

Migros, Coop und Co. verkaufen weiterhin Mostbröckli

Nicht geschützt werden die Begriffe Mostbröckli, Siedwurst und Pantli, ohne die geografische Indikation «Appenzell». So kann beispielsweise die Migros weiterhin Mostbröckli verkaufen. Diese dürfen allerdings nicht im Appenzellerland produziert werden und auch nicht «Appenzeller Mostbröckli» heissen.

Drei währschafte Fleischspezialitäten

Das Appenzeller Mostbröckli ist eine Rohpökelware aus Rindfleisch. «Im Unterschied zu luftgetrocknetem Rindfleisch wird das Appenzeller Mostbröckli geräuchert und später getrocknet», schreibt das BLW in einer Mitteilung.

Der Appenzeller Pantli ist eine Rohwurst. Den Namen gab der Wurst ihre Unförmigkeit, da sie kantig und lang ist. Die Wurst wird getrocknet und schmeckt ausgeprägt nach Knoblauch.

Die Appenzeller Siedwurst wird roh, gekocht oder pasteurisiert angeboten, sie ist weiss. «Diese Wurst verfügt über einen typischen Kümmel- und Knoblauchgeschmack», schreibt das BLW.

Rindfleischveredlung, weil Appenzeller keine Schweine hielten

Die Geschichte der drei Appenzeller Spezialitäten reicht weit zurück. Im 19. Jahrhundert sind sie entstanden. Die Appenzeller hielten zu dieser Zeit vor allem Kühe, die Schweinezucht spielte nur eine untergeordnete Rolle. Schweinefleisch wurde aber zu deutlich höheren Preisen als Rindfleisch angeboten.

Daher haben die Appenzeller ihr Rindfleisch veredelt, um eine ähnliche Qualität zu erreichen. Die guten Stücke der Rinder wurden geräuchert oder getrocknet und zu Mostbröckli und Würsten verarbeitet. Das traditionelle Herstellungsverfahren wird bis heute gepflegt und perfektioniert.

Schutz bald auch in der EU

Drei Monate dauert die Einsprachefrist, in der Kantone oder Personen mit Interesse Einsprache erheben können. Gehen keine Einsprachen ein, werden die Namen geschützt. Allfällige Einsprache werden vom bund geprüft.

Auch in der EU werden die Namen geschützt, wird das Gesuch in der Schweiz angenommen. «Das braucht aber noch ein wenig mehr Zeit», sagt Degiorgi.

Das Schweizerische Register umfasst 34 Eintragungen, davon sind 13 geschützte geografische Angaben (GGA). Die restlichen 21 sind geschützte Ursprungsbezeichnungen.
Fabienne Engbers
Quelle: enf/sda
veröffentlicht: 7. August 2017 12:38
aktualisiert: 8. August 2017 20:09